Offener Brief der Secession an Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,

die weltweite Krise von ungeahnter Dimension trifft freie KünstlerInnen mit großer Wucht. Mit großer Dringlichkeit wenden wir uns an Sie, als privates Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst, vor allem aber als KünstlerInnenvereinigung.

Die ohnehin unsichere Einkommenssituation führt KünstlerInnen in dieser Zeit an den Rand ihrer Existenz. Viele bildende KünstlerInnen sind akut mit mehrfachen Ausstellungsabsagen, wegbrechenden Auftragsarbeiten und Arbeitsausfällen konfrontiert. Hinzu kommt die Aussicht auf langfristig rückläufige Verkäufe, da zu erwarten ist, dass der Kunstmarkt über Jahre unter den Folgen der Krise leiden wird. 

Wir fordern Sie auf, unmittelbare, aber auch weitreichende Maßnahmen in Angriff zu nehmen, um die unabhängige Kunstproduktion und freie Szene sofort und nachhaltig zu stärken und so die lebendige, international anerkannte Kunst- und Kulturszene Österreichs für die Zukunft zu sichern. 

Als VertreterInnen der bildenden KünstlerInnen sehen wir dringenden Handlungsbedarf.

Wir fordern folgende Maßnahmen:

  • unbürokratische Soforthilfe für alle in Österreich lebenden freischaffenden KünstlerInnen rückwirkend ab März für die Dauer der Corona-Krise. (z.B. 1.000,- Euro Grundeinkommen nach dem bayerischen Modell)
  • weitreichende Abgeltung der durch die Corona-Krise entstandenen Einkommensverluste von Vereinen und freien Initiativen, damit KünstlerInnen auch weiterhin über die notwendigen Plattformen für die Präsentation ihrer Arbeit verfügen
  • die steuerliche Absetzbarkeit von Kunstkäufen
  • die Anhebung der Beitragsgrenzen in der Künstlersozialversicherung

Die soziale Lage der Kunstschaffenden war schon vor der Corona-Krise vielfach bestürzend. Dies hat die erste Studie dazu, die 2008 von Ministerin Claudia Schmied in Auftrag gegeben wurde, deutlich gezeigt. Eine neuerliche Studie 2017/18 zeigte keine wesentlichen Veränderungen. 

Es muss dringend Veränderungen geben, die über die aktuelle Krise hinausweisen und künstlerische Arbeit nicht nur symbolisch oder repräsentativ würdigen. Es ist unsere kreative Tätigkeit, die kulturelle Werte schafft, nicht nur deren Repräsentation und Verwahrung. Als KünstlerInnen erwarten wir von einer zeitgemäßen Kulturpolitik, dass sie uns nicht nur als Teil der Zivilgesellschaft, sondern auch als eine kritisch denkende, an der Wertschöpfung beteiligte Szene wahrnimmt und honoriert.

 

Mit freundlichen Grüßen

der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession