Gustav Klimt, Beethovenfries, Raumansicht, Secession 2015, Foto: Oliver Ottenschläger

Geschichte des Beethovenfrieses

Zwischen der aufsehenerregenden Erstpräsentation von Gustav Klimts Beethovenfries im Kontext der XIV. Ausstellung der Secession 1902 und der endgültigen Aufstellung im Untergeschoss der Secession im Jahr 1986 liegt eine bewegte Geschichte. Der Beethovenfries war ursprünglich nur als ephemeres Kunstwerk gedacht und sollte – wie die anderen Dekorationsmalereien auch – nach Ende der Ausstellung abgetragen und zerstört werden. Es ist einer glücklichen Fügung zu verdanken, dass der Fries nicht wie geplant zerstört wurde: die Secession sollte im folgende Jahr eine große Klimt-Retrospektive (XVIII. Ausstellung 1903) präsentieren und man beschloss, das Kunstwerk vorerst an Ort und Stelle zu lassen.

1903 erwarb der Mäzen und Kunstsammler Carl Reinighaus den Fries, der in 8 Teile zersägt von der Wand genommen und 12 Jahre in einem Möbeldepot in Wien gelagert wurde, bis Reininghaus den Fries 1915 wiederum an den Industriellen August Lederer verkaufte, der gemeinsam mit seiner Frau Serena Lederer zu den wichtigsten Förderern Klimts zählte und zu diesem Zeitpunkt die wohl umfangreichste und wichtigste Sammlung von Klimt-Bildern in Privatbesitz sein Eigen nannte.

1938 wurde die Familie Lederer, wie so viele Familien jüdischer Abstammung, enteignet. Der Beethovenfries wurde somit „staatlicher Verwaltung“ unterstellt und ging erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder offiziell in den Besitz des inzwischen in Genf ansässigen Erben Erich Lederer über. 1972 wurde der Beethovenfries, nachdem sich Bundeskanzler Bruno Kreisky persönlich für den Ankauf eingesetzt hatte, von der Republik Österreich erworben. 2013 regte die Erbengemeinschaft nach Erich Lederer die Rückgabe an. Nach eingehender Prüfung auf der Grundlage des 2009 in Kraft getretenen Kunstrückgabegesetzes wurde 2015 vom Kunstrückgabebeirat empfohlen, den Beethovenfries nicht zu restituieren.

Der Beethovenfries, der durch die mehrfachen Transporte und langjährige Einlagerungen in einem schlechten Erhaltungszustand war, wurde nach dem Ankauf durch die Republik binnen 10 Jahren unter der Leitung von Manfred Koller vom Bundesdenkmalamt Wien restauriert.

Gustav Klimt, Beethovenfries: Detail der Poesie, Zustand vor der Restaurierung, Foto: Bundesdenkmalamt

Im Zuge der Generalsanierung der Secession 1985 wurde schließlich im Untergeschoss ein Raum für den Beethovenfries geschaffen, dessen Maße der aus konservatorischen Gründen für den Fries notwendigen Klimakammer genau entsprechen und in dem der Fries unabhängig vom laufenden Ausstellungsbetrieb gezeigt werden kann.

Erdaushub für den Klimt-Raum im Untergeschoss der Secession, Foto: Margherita Spiluttini

Seit 1986 konnte der Wandzyklus in der Secession als Leihgabe der Österreichischen Galerie Belvedere wieder permanent der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zeitgenössische Kritik

Während viele Künstlerkollegen Klimts Beethovenfries enthusiastisches Lob zollten, reagierten die breite Öffentlichkeit und zeitgenössische Presse häufig mit Kopfschütteln und Empörung auf die Präsentation des Frieses. Das Werk Klimts, das sich heute so großer Beliebtheit erfreut, wurde von vielen seiner Zeitgenossen als unverständlich, skandalös und „obszön“ empfunden.

Gustav Klimt, Beethovenfries, Detail: Gorgonen, im Hintergrund Krankheit, Wahnsinn, Tod

Im Falle des Beethovenfrieses war es vor allem die Stirnwand mit den „Feindlichen Gewalten“, die Empörung auslöste: Die Darstellungen von Krankheit, Wahnsinn, Tod und die eckig-expressive Figur des Nagenden Kummers wurden als „Wahngebilde“, „pathologische Szenen“ und „schamlose Karikaturen der edlen Menschengestalt“ angeprangert, die laszive Erotik der Gorgonen und die Darstellungen der Wollust und Unkeuschheit von vielen schlicht als „gemalte Pornographie“ verworfen.

Gustav Klimt, Beethovenfries, Detail: Typhoeus, daneben Wollust, Unkeuschheit und Unmäßigkeit