Yuji Agematsu
Yuji Agematsu, 2020, Ausstellungsansicht Secession 2021, Foto: Sophie Thun

Yuji Agematsu

2020

26. März – 20. Juni 2021

Die Secession freut sich, Yuji Agematsus skulpturale Miniatur-Formationen des Jahres 2020 im vollen Umfang zeigen zu können. Diese hat der Künstler aus täglich gesammelten Fundstücken an städtischem Abfall kreiert und präsentiert sie in eigens angefertigten Plexiglasregalen wie die Monatsblätter eines Kalenders. Zusammen mit seinen Notizbüchern mit Tagebucheinträgen bieten seine zips 2020 einen frischen und zweifelsohne einzigartigen Rückblick auf ein außergewöhnliches Jahr.

Yuji Agematsu ist gewissermaßen ein Chronist unserer Zeit. Man kann ihn außerdem als experimentellen Kartografen bezeichnen und als Archivar, der nur scheinbar belanglose Fundstücke von den Straßen seines Wohnorts sammelt. Der Stadtflaneur Agematsu unternimmt tägliche Spaziergänge durch die Straßen New Yorks, seitdem er in den frühen 1980er-Jahren von Japan hierhin übersiedelte. Bei dieser täglichen Routine, die bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert Teil seiner künstlerischen Praxis ist, sammelt und mustert er Weggeworfenes und Verlorenes, das seinen Blick auf sich zieht – Papierfetzen, Kaugummi, Teile von Plastiksackerln und Verpackungen, eine Feder, kurzum: sonst unbeachtet gebliebene Belege des städtischen Treibens. Wird das Fundstück als sammelnswert erachtet, kommt es in eine für Zigarettenschachteln vorgesehene Zellophanhülle (der Künstler nennt diese Behältnisse „zips“); Datum, Uhrzeit und die genauen Ortsangaben des Funds werden in einem kleinen Notizheft verzeichnet.

Im Atelier werden die entdeckten, achtlos weggeworfene Materialien einem Prozess des Selektierens, Komponierens, Sicherns, Organisierens und des Katalogisierens unterzogen. Der Künstler wartet und bearbeitet die ausgewählten Fundstücke, ehe er die Mikro-Skulpturen, für jeden Tag eine, mit Harz fixiert. Dabei entsteht ein stets wachsendes Archiv an Readymade Miniatur-Stillleben, die nach Tag, Monat und Jahr strukturiert ist. Die Objekte werden datiert und auf Plexiglasregalen präsentiert oder – für besseren Schutz – in Plexiglasschachteln. Die bearbeiteten Funde eines ganzen Monats sind darin ordentlich in einer Reihe, dem Raster des jeweiligen Kalenderblatts folgend, angeordnet. Diese zugleich strenge und zurückhaltende Präsentationsform erlaubt es alle Aufmerksamkeit auf die eigenwilligen und faszinierenden Objekte zu lenken, die in erster Linie immer skulpturale Gestaltungen aus übersehenem urbanem Abfall sind.

Yuji Agematsu, 1956 in Kanagawa, Japan, geboren, lebt und arbeitet in New York.