Yuji Agematsu
Yuji Agematsu, zip: 01.01.20 . . . 12.31.20, 2020, Courtesy the artist and Miguel Abreu Gallery, New York, Photo: Stephen Faught

Yuji Agematsu

2020

19. Februar – 20. Juni 2021

Yuji Agematsu ist gewissermaßen ein Chronist unserer Zeit. Man kann ihn außerdem als experimentellen Kartografen bezeichnen und als Archivar, der nur scheinbar belanglose Fundstücke von den Straßen seines Wohnorts sammelt.

Der Stadtflaneur Agematsu unternimmt schon seit den frühen 1980er-Jahren, seitdem er von Japan nach New York übersiedelte, tägliche Spaziergänge durch die Straßen der Stadt. Bei dieser täglichen Routine, die bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert Teil seiner künstlerischen Praxis ist, sammelt und mustert er Weggeworfenes und Verlorenes, das seinen Blick auf sich zieht – Papierfetzen, Kaugummi, Teile von Plastiksackerln und Verpackungen, eine Feder, kurzum: sonst unbeachtet gebliebene Belege des städtischen Treibens.

Wird das Fundstück als sammelnswert erachtet, kommt es in eine für Zigarettenschachteln vorgesehene Zellophanhülle (der Künstler nennt diese Behältnisse „zips“); Datum, Uhrzeit und die genauen Orts­angaben des Funds werden in einem kleinen Notizheft verzeichnet. Im Atelier werden die Entdeckungen – achtlos weggeworfene Dinge – einem Prozess des Selektierens, Komponierens, Sicherns, Organisierens und des Katalogisierens unterzogen. Der Künstler wartet und bearbeitet die ausgewählten Fundstücke, ehe er die Mikro-Skulpturen, für jeden Tag eine, mit Harz fixiert. Dabei entsteht eine stets wachsende Sammlung an Readymade Miniatur-Stillleben, die nach Tag, Monat und Jahr strukturiert ist. Die Objekte werden datiert und auf Plexiglasregalen präsentiert oder – für besseren Schutz – in Plexiglasschachteln. Die bearbeiteten Funde eines ganzen Monats sind darin ordentlich in einer Reihe, dem Raster des jeweiligen Kalenderblatts folgend, angeordnet. Diese zugleich strenge und zurückhaltende Präsentationsform erlaubt es, alle Aufmerksamkeit auf die eigenwilligen Objekte zu lenken, die in erster Linie immer skulpturale Kompositionen aus urbanem Müll sind.

Die Secession freut sich, die skulpturalen Formationen, die Yuji Agematsu 2020 aus täglich gesammelten Fundstücken kreierte, im vollen Umfang zeigen zu können. Zu sehen ab Anfang 2021, werden seine zips 2020 einen frischen und gewiss einzigartigen Rückblick auf ein außergewöhnliches Jahr bieten.

Yuji Agematsu, 1956 in Kanagawa, Japan, geboren, lebt und arbeitet in New York.