Till Megerle, Untitled (Fight Harm), 2017/18

Till Megerle

Mitte November 2020 – Ende Januar 2021

Die zeichnerischen, fotografischen und filmischen Werke Till Megerles zeugen von seinem großen Interesse an der Spezifität von Codes und ihrer vielfältigen Resonanz in Körpern und Gesten. Als Ausgangspunkt für seine Darstellungen der sozialen Merkmale und Stellungen der Figuren dienen Megerle sowohl kunsthistorische Quellen wie die Bilder von Pieter Bruegel und Matthias Grünewald als auch popkulturelle Referenzen wie Skateboard- und Hip-Hop-Videos. Seine Bilder verweisen stets auf das Inkonstante, Fremdartige und Psychedelische des Alltäglichen. Sie sind von einem psychologischen Unterton durchzogen, der das Vertraute ins Unwirkliche verzerrt und dadurch zugleich Verdrängtes oder überwunden Geglaubtes sichtbar werden lässt.

Die figurativen Zeichnungen Megerles zeigen Szenen mit seltsam verschlungenen und deformierten Körpern. Oft scheint es, als ob die Figuren die Würgegriffe, in denen sie sich tatsächlich oder im übertragenen Sinne befinden, selbst ausüben. Ihre physische Intensität beruht auf der Durchdringung von spielerischen und grotesken Momenten mit einer unterschwelligen Gewalttätigkeit. Die dargestellten Charaktere kennzeichnet eine Ambivalenz, die sie gleichermaßen komisch und tragisch, intim und distanziert erscheinen lässt. Auffällig ist Megerles Anwendung unterschiedlicher Stile und Techniken. In Kohle und Tusche aber auch Buntstift und Kugelschreiber verdichtet er seine feinen Striche und abgestuften Schattierungen zu Kompositionen, deren Homogenität er durch perspektivische Brüche und teilweise karikaturistische Überhöhung in eine komplexe Widersprüchlichkeit überführt. Er etabliert auf diese Weise ein Wechselspiel zwischen strenger und scheinbar dilettantischer Form, das sich auch in seiner fotografischen und filmischen Sprache beobachten lässt und das seine Bilder eindeutig im Hier und Jetzt verortet.

Till Megerle, geboren 1979 in Bayreuth, lebt und arbeitet in Wien und Berlin.