Maria Hassabi
Maria Hassabi: HERE, 2021, Ausstellungsansicht Secession 2021, Foto: Natascha Unkart / belle & sass

Maria Hassabi

HERE

14. Mai – 20. Juni 2021

Die Secession Wien und die Wiener Festwochen freuen sich, eine neue Auftragsarbeit der Künstlerin und Choreografin Maria Hassabi zu präsentieren. Die Premiere der Ausstellung HERE findet in Wien statt, bevor sie 2021/22 in Athen und Turin gezeigt wird.

Ihre Live-Installation HERE lädt Besucher*innen ein, während der Öffnungszeiten den Ausstellungs­raum mit sechs Tänzer*innen zu teilen. Über mehrere Wochen hinweg folgen diese einer Choreografie, die sich in gedehnt langsamem Tempo in der skulpturalen Installation entfaltet. Eingebettet in eine Soundkomposition taucht eine weibliche Stimme auf und verebbt wieder; sie zählt von 1 bis 14.399 die Sekunden und unterstreicht so das stetige Fortschreiten der Zeit. Innerhalb dieses Kontinuums zeichnen die entschleunigten Bewegungen der Tänzer*innen ein Szenario sich beständig verändernder Gegenwart, das auf die schwer greifbare Natur des „Hier“ verweist.

In ausgedehnten Phasen reglosen Verharrens hadern die Tänzer*innen damit, ihre Präsenz, ihr Hier-Sein zu behaupten, während es zunehmend schwieriger wird zu unterscheiden, ob sie ohnmächtig sind oder ruhen, sich selbst genügen oder im Zustand einer Krise befinden. Doch die scheinbare Passivität ist das Resultat höchster körperlicher Präzision und Selbstbeherrschung. Muskeln zittern, Augen blinzeln, Schweiß tropft, das Atmen wird sichtbar. Diese kleinsten Bewegungen – die physischen Begleiterscheinungen von Zeit und Arbeit – holen die Aufmerksamkeit sowohl der Tänzer*innen als auch der Betrachter*innen zurück in den Moment.

Seit den frühen Nullerjahren feilt Maria Hassabi an einer einzigartigen choreografischen Sprache, die sich auf Stillstand, Langsamkeit und den ambivalenten Status von Körpern in Bewegung fokussiert. Ihre international beachteten Werke entstehen stets mit Blick auf die jeweiligen Konventionen, Hierarchien und Verhaltensregeln in Theatern, Museen und öffentlichen Räumen, reflektieren den für die Präsentation vorgesehenen Kontext und werden im Dialog mit der spezifischen Architektur des Ortes entworfen. Hassabis Live-Installationen übertragen die Prinzipien der darstellenden Kunst in das Format der Ausstellung, die sich über Tage, Wochen oder Monate erstreckt und ihre Dauer an die jeweiligen Öffnungszeiten der Institution anpasst. Stille und Entschleunigung stehen als Technik wie als Thema im Mittelpunkt; die Körper der Performer*innen changieren zwischen Tanz und Skulptur, Subjekt und Objekt, lebendigem Körper und Standbild. Diese Art von Arbeiten erlaubt es Besucher*innen, sich in der Ausstellung wie gewohnt zu verhalten und zu bewegen, und gibt ihnen Zeit, die Live-Körper zugleich in ihrer physischen Form zu fassen und als Bild mit vielfältigen Referenzen zu begreifen.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Secession Wien und der Wiener Festwochen

Mit Elena Antoniou, Maria Hassabi, Michael Helland, Alice Heyward, Oisín Monaghan, Robert Steijn. Sounddesign: Stavros Gasparatos. Outfits: Victoria Bartlett. Architektonische Studie: Maria Maneta, Maria Hassabi. Produktionsleitung: Eva Theofanidou, Natasha Katerinopoulos

Maria Hassabi (geb. in Zypern) lebt in New York und Athen und arbeitet im internationalen Kontext.

HERE entstand im Auftrag der Secession Wien und der Wiener Festwochen.
In Koproduktion mit Onassis Culture, Athen, und OGR – Officine Grandi Riparazioni, Turin.
Entwickelt mit Unterstützung des Milvus Artistic Research Center (MARC), Knislinge, Schweden, und Onassis Stegi, Athen.