Karimah Ashadu
Karimah Ashadu, Brown Goods, 2020, Filmstill

Karimah Ashadu

2. Juli – 5. September 2021

Die Filmemacherin und Künstlerin Karimah Ashadu verhandelt in ihren Werken die Lebens- und Arbeitsbedingungen im sozioökonomischen Kontext Westafrikas, hier insbesondere Nigerias. Ihre Filme zeigen BäuerInnen in der Palmölproduktion, ArbeiterInnen einer Holzwerkstatt in der Lagune von Lagos, den Betrieb eines Sägeblattschleifers oder Porträts von Boxern. Ohne zu moralisieren, fokussiert Ashadu die Schönheit im Alltäglichen sowie die Selbstständigkeit der Menschen und ihren Emanzipationsversuch vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte, während sie zugleich durch ihre ungewöhnliche Art der Kameraführung gezielt die Grenze zwischen Dokumentation und Kunst unterläuft. In ihren frühen experimentellen Kurzfilmen setzt sie oft mit einfachsten Mitteln selbst konstruierte Apparate ein, um neue Perspektiven zu generieren und die Wahrnehmung der BetrachterInnen herauszufordern. King of Boys (Abattoir of Makoko) (2015) beispielsweise hält die Umtriebigkeit auf einem Schlachthof fest. Ein gefundener zerschnittener Plastikkanister dient als analoger Filter, der das Kamerabild bzw. Teile davon in eine intensive rote Farbe taucht und so eine seltsame Ambivalenz zwischen den gewaltsamen Aktivitäten des Schlachtens und der traumartigen, durchaus verführerischen Atmosphäre des roten Lichts erzeugt.

In ihrem jüngsten Film Brown Goods (2020) – der erste, den sie in Europa gedreht hat –, fühlt sich Ashadu hingegen einem stärker dokumentarischen Ansatz verpflichtet. Erzählt wird die Geschichte von Emeka, einem nigerianischen Migranten in Hamburg, der vom Handel mit gebrauchten Autos und Elektrogütern zwischen Deutschland und Nigeria lebt. Seine Waren reisen in die entgegensetzte Richtung seiner Fluchtroute, und sein Traum vom besseren Leben in Europa hängt paradoxerweise vom Geld aus Afrika ab. Parallel zum Film hat die Künstlerin eine Reihe von Skulpturen aus Bestandteilen alter Autos und anderen gefundenen Materialien geschaffen. Die offenkundige Diskrepanz zwischen der Aufwertung des exportierten Schrotts in Nigeria und seiner Wertsteigerung im Kunstkontext verleiht den Skulpturen eine zusätzliche Aussagekraft.

 

Karimah Ashadu, 1985 in London geboren, lebt und arbeitet in Hamburg und Lagos.