Frantisek Lesak
František Lesák, Waldlandschaft vorne; Waldlandschaft hinten, 2014

František Lesák

Vermutung und Wirklichkeit

2. Juli – 5. September 2021

Der konzeptuelle Zeichner und Bildhauer František Lesák widmet sich in seinem Werk dem Beschreiben und Begreifen der Gegenständlichkeit und den damit zusammenhängenden Fragen der Wahrnehmung. Das Schaffen räumlicher Bezugssystemen, das Ausloten wechselnder Perspektiven, das Vermessen und Kartographieren ausgewählter Szenerien und das Spiel mit sich verändernden Maßstäben bilden das Kerninstrumentarium seiner künstlerischen Tätigkeit. In einer Art Grundlagenforschung untersucht er in systematisch angelegten Werkzyklen die Dinge und ihr Verhältnis zum realen und medialen Raum.

Ein wiederkehrendes Thema in Lesáks Arbeiten ist die Vielansichtigkeit. In dem Bestreben, alle Dimensionen eines Gegenstandes sowie das Zusammenspiel von Oberfläche und Form zu erfassen, widmet er sich der Darstellung von Naturmotiven wie etwa einer Formation von Findlingen aus Granit ebenso wie Vorbildern aus der Kunstgeschichte. In seinem Anfang der 1990er-Jahre entstandenen bedeutenden Zyklus Morgen-Mittag-Abend beispielsweise setzt er sich mit dem Gemälde Heuhaufen im Abendlicht (1889) von Claude Monet und der darin offenbar werdenden Augenblicklichkeit und Subjektivität der sinnlichen Wahrnehmung auseinander.

Seine umfassende methodische Annäherung an die Realität der dargestellten Heuhaufen beinhaltet dabei auch die Rekonstruktion der abgekehrten und in Schatten getauchten Partien der Vorlage.

Charakteristisch für Lesáks Werke ist, dass sie mit großer wissenschaftlicher Präzision durchgeführt werden, aber gleichzeitig immer auch die Beschränkungen der eigenen Wahrnehmungen und somit die Ambivalenz der Genauigkeit veranschaulichen. Indem der Künstler das Zusammenspiel zwischen dem Erfassen der Welt und ihrer Beschreibung konsequent auslotet, verweist er letztlich auf die dahinterstehende Frage nach dem Wesen der Wirklichkeit.

In der Secession zeigt Lesák verschiedene Werkgruppen aus den letzten Jahren, darunter auch den neuen, 36 Bildpaare umfassenden Zyklus Vermutung und Wirklichkeit, in dem er ausgehend von dem Versuch, verschiedene Haltungen seiner linken Hand zu erfassen, das komplexe Zusammenspiel zwischen taktiler und visueller Wahrnehmung erforscht.

František Lesák, 1943 in Prag geboren, lebt und arbeitet in Wien und Neu-Nagelberg in Niederösterreich.