Emily Wardill, Night 4 Day, 2019, Production Still (work in progress)

Emily Wardill

3. Juli – 30. August 2020

Emily Wardill untersucht in ihren Filmen, Fotografien und Objekten die Komplexität von Wahrnehmung und Kommunikation, die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Realität und die Verschiebungen von Inhalt und Form durch die individuelle Natur der Vorstellungskraft. Ihre Werke sind bekannt für ihre sinnlichen, psychologisch aufgeladenen und zugleich gebrochenen Erzählungen.

Die Filme, die Wardill seit Mitte der Nullerjahre dreht, sind zwar meistens durch einen erzählerischen Rahmen definiert, die Geschichten selbst treten jedoch eher in den Hintergrund. Stattdessen rücken andere Aspekte in den Fokus: die Mechanik des Erzählens, Sprache als plastisches Medium und das Wechselspiel von Geste und Wort. Im Film I gave my love a cherry that had no stone (2016) schwankt und torkelt ein männlicher Tänzer nachts durch das Foyer der Calouste Gulbenkian Foundation in Lissabon. Seine Bewegungen sind mit einer von Hand geführten Kamera und mit Hilfe einer Drohne gefilmt. Die Kamera gleitet durch das modernistische Interieur und nimmt den Charakter eines eigenen Akteurs an. Als weitere Figur tritt ein körperloses weißes Hemd auf, das durch den Raum schwebt und sich zu einem Phantomkörper aufbläst. Materielles und Immaterielles, das Körperhafte und die menschliche Präsenz oder Handlungsfähigkeit geraten auf unheimliche Weise durcheinander.

Ein anderer Film, When You Fall into a Trance (2015), handelt von der Neurowissenschaftlerin Dominique und ihrem Patienten Simon, dessen Geist in einem dysfunktionalen Körper gefangen ist. Er kann seine Bewegungen nur kontrollieren, wenn er jene Glieder, die er zu bewegen versucht, betrachtet. Seine Wahrnehmungsgrenzen haben sich dadurch verschoben und selbst einfache Handlungen wie das Eingießen eines Glases Wasser sind unvorstellbar komplex geworden. Dominique hilft ihm seine Gedanken zu trainieren und wieder Kontrolle über seine Bewegungen zu erlangen. Dazwischen schalten sich Bilder von Dominiques Arbeitswut, ihren Datingversuchen im Internet und der entfremdeten Beziehung zu ihrer Tochter, sodass ihre Arbeit und ihr Privatleben langsam verschmelzen. Die Verlagerungen zwischen Absicht und Form wird dabei ebenso thematisiert wie die Mechanisierung von Emotionen.

Emily Wardill, geboren 1977 in Rugby, GB, lebt und arbeitet in Lissabon.