Elaine Reichek, You Coasts (Ocher), (Detail), 2014, Siebdrucktinte und Handstickerei mit Perlen auf Leinen.

Elaine Reichek

12. April – 3. Juni 2018

In ihrer künstlerischen Praxis hat Elaine Reichek seit Mitte der 1970er Jahre kontinuierlich die Grenzen zwischen bildender Kunst und Kunsthandwerk neu verhandelt. Ihr umfangreiches Werk reicht von Strickarbeiten, über Siebdruck und Fotografie hin zu Formen digitaler Bildproduktion. Mithilfe von Text-Bild-Verbindungen, von denen ein bedeutender Teil auf literarische Prätexte zurückgreift, hinterfragen Reicheks Arbeiten häufig Repräsentationsformen. Ihre Aufmerksamkeit und Sensibilität für frühindustrielle sowie zeitgenössische Produktionsprozesse und Maschinen, ermöglichen es der Künstlerin, sich mit Fragen der Kommunikation und Übersetzung auseinanderzusetzen und bekannte Werke des (zumeist männlichen) westlichen Kanons der Kunstgeschichte und der Mythologie, als auch digitale Bilder aus dem reichen Bestand von Suchmaschinen, zu appropriieren.

In neueren Arbeiten übersetzt die Künstlerin Bilder, die auf Internet-Plattformen zirkulieren, in das traditionelle Medium der Stickerei. Dabei verwendet sie unter anderem Stoffmuster aus der Textilindustrie, sogenannte „swatches“. Reichek benutzt manuelle und digitale Techniken und vertritt dabei die Idee, dass das Nähen und Sticken einer Art Codierung – vergleichbar mit einzelnen Pixeln auf einem Computerbildschirm – ähnelt. Reicheks Stick- und Nähtechniken sind nicht auf eine Befragung des Mediums als Hausarbeit und weiblich konnotiertes Handwerk beschränkt, ebenso handelt es sich dabei um ein Mittel, um zu befragen, wie Bilder durch die Geschichte der Kunst und der Medien hindurch übersetzt werden. (Text: Christoph Chwatal)

Elaine Reichek, geboren 1943 in New York City, lebt und arbeitet in New York City.