DIS, A Good Crisis, 2019

DIS

Mitte September – Anfang November 2020

In A Good Crisis (2018) diskutiert der in einen Businessanzug gekleidete Nachtkönig von Game of Thrones die vergebene Chance einer aus der Finanzkrise Mitte der 2000er-Jahre folgenden ökonomischen Revolution. In einem American Revolutionary War Lager vergleicht der Sprecher von UBI: The Straight Truvada (2018) das wirtschaftliche Potential des bedingungslosen Grundeinkommens mit der dank der Spirale gewonnenen sexuellen Freiheit und mit PrEP, einem Medikament, das durch die tägliche Einnahme vor HIV schützt. Obama Baroque (2018) schildert wiederum 10 Jahre nach der Finanzkrise – wovon sich einzig und allein die Banken erholt haben – im Format der US-Fernsehserie Gossip Girl jene Kultur der Dekadenz und Komplizenschaft, die aus dem Spannungsfeld zwischen der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten und der Occupy Wall Street-Bewegung hervorgegangen ist.

In diesen für das New Yorker Kunstkollektiv DIS charakteristischen drei Kurzfilmen zieht das Referenznetz zu Popkultur und Wirtschaftsgeschichte bizarre Parallelen und bietet subversive Gegenerzählungen. Als Werbung in sozialen Netzwerken verbreitet, markiert die Trilogie eine Verschiebung in der Arbeit von DIS hin zum „Edutainment“, einem non-konformen Genre-Hybrid aus Unterhaltung und Bildung. Unter dem Motto „Die Zukunft des Lernens ist viel wichtiger als die Zukunft der Bildung“ ist es ihr Ziel, wissenschaftliche Forschung massenmedientauglich zu machen und Sinn aus dem unablässigen Informationsfluss, dem wir ausgesetzt sind, zu ziehen. Jedes Video schlägt etwas vor: eine Frage oder eine Lösung oder eine neue Perspektive, über die sich verändernde Realität nachzudenken.

Das Künstlerkollektiv DIS formierte sich 2010 in der Folge der Finanzkrise. Lauren Boyle, Solomon Chase, Marco Roso und David Toro nutzten die aufkommende Netzwerkkultur, um Forschung zu und den Dialog rund um bestimmte Ideen, Styles und das Empfinden der Gegenwart zu fördern und gründeten das Online-Magazin DIS Magazine. Mit Ausgaben zu Arbeit, Privatsphäre und Datenschutz, Modebeiträgen mit Agenturbildern und einem einflussreichen Musikteil, war DIS Magazine eine Fundgrube für kreative Produktion und regte Debatten an über Gegenwart und Zukunft von zeitgenössischer Kunst und Kultur und die Rolle der Technologie in unserem Leben. Anfang 2018 ersetzte das Künstlerkollektiv das Magazin dismagazine.com mit ihrer neuen Video-Streamingplattform dis.art.

Gleichzeitig stellte DIS in Institutionen wie dem MoMA und dem New Museum, beide in New York, sowie im Musée d’art Modern, Paris; Casa Encendida, Madrid; De Young, San Francisco und dem Museum of Contemporary Art, Chicago, aus. 2016 kuratierten die KünstlerInnen des Kollektivs die IX. Berlin Biennale.

Seit knapp einem Jahrzehnt haben DIS in unterschiedlichen Projekten – häufig in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Kreativen umgesetzt – wesentliche neue Plattformen zur Produktion, Verbreitung und Diskussion einer Kultur geschaffen, die es weder jemals gab noch je geben wird und die dennoch stets unmittelbar bevorsteht.

DIS (Lauren Boyle, Solomon Chase, Marco Roso und David Toro), Kollektiv, gegründet 2010 in New York.