Studio Danh Vo Güldenhof, Foto: Nick Ash

Danh Vo

20. November 2020 – 7. Februar 2021

„Um die Gegenwart untersuchen zu können, muss man die Vergangenheit verstehen: jene Vergangenheit, die die eigene Gegenwart bestimmt. Ich glaube auch, dass man in die Zukunft schauen muss. Das ist zweifellos eine Lebensphilosophie, mit der ich lebe und die, wie ich hoffe, in meiner Arbeit zum Ausdruck kommt.“
(Danh Vo, Begleitheft zur Ausstellung untitled in der South London Gallery, 2019)

 

In seinen konzeptuellen Arbeiten und Installationen greift Danh Vo häufig auf persönliche Lebenserfahrungen zurück, um umfassendere historische, soziale und politische Themen zu untersuchen. Insbesondere Ereignisse, Entwicklungen und Personen, die einen Bezug zur Geschichte Vietnams im späten 20. Jahrhundert aufweisen, interessieren den Künstler, der in Vietnam geboren wurde und in Dänemark aufgewachsen ist. Der Stellenwert, der dem Zufall in Vos künstlerischer Praxis zukommt, spiegelt gewissermaßen die Umstände jener einschneidenden Wendung im Leben seiner Familie – die Flucht und die Beliebigkeit des neuen Lebensraums – wider.

Den in Vietnam geborenen und in Dänemark aufgewachsenen Künstler fasziniert, wie Objekte und Geschichten miteinander verflochten sind und als Projektionsflächen nationaler Ängste und persönlicher Identitäten dienen. Nicht nur die erotischen und gewalttätigen Machtspiele des Kolonialismus sind ein wiederkehrendes Thema sondern auch die sakralen und profanen Tänze der Religion und die Art und Weise, wie Verwaltungssysteme versuchen, persönliche Intimität und Ausdruck zu formen (sogar einzuschränken).

Vos Installationen bergen eine Fülle künstlerischer Strategien, darunter Dokumente, Fotografien, gefundene Gegenstände (mit historischer oder emotionaler Bedeutung), Textfragmente wie die kunstvollen Kalligrafien seines Vaters und manchmal auch Werke anderer Künstler*innen. Vos künstlerisches Wirken in verschiedenen Rollen – als Kurator, Sammler, Historiker und Auktionsscout – ermöglicht ihm das geschickte Spiel mit Objekten und Kontexten. In der Auseinandersetzung mit symbolisch oder emotional aufgeladenen Artefakten aktiviert der Künstler deren Bedeutung von Projekt zu Projekt immer wieder neu.

Häufig präsentiert Vo Objekte aus dem Nachlass bedeutender Persönlichkeiten (oder anderen Quellen) unverändert in seinem Werk, dann wieder zerlegt er sie, um sie mit unpassenden Ergänzungen zu verblüffenden Hybriden neu zusammenzubauen. Seit 2015 kombiniert er in seinen Werken auch Fragmente antiker Skulpturen mit zeitgenössischen Objekten oder mittelalterlichen Madonnen. Dabei werden die ursprünglichen Arbeiten oft verunstaltet oder unwiederbringlich verändert – ein Akt des Kulturvandalismus, der einerseits die Kolonialisierung widerspiegelt, andererseits Imperien und Kolonien über Zeit und Raum provokant miteinander verknüpft.

Fragmentierung und Neugestaltung spielt auch in Vos wohl bekanntestem Werk, We the People (2011–2016), eine wichtige Rolle. Die Replik der Freiheitsstatue von Frédéric-Auguste Bartholdi, die in China hergestellt wurde, besteht aus etwa 300 einzelnen Kupferstücken im Maßstab 1:1. Ordnungsgemäß zusammengestellt würden sie eine Kopie der New Yorker Landmarke in voller Größe bilden; stattdessen sollen die Einzelteile jedoch auf der ganzen Welt verteilt werden.

Ohne jemals belehren zu wollen, vermittelt Vos rätselhaftes und poetisches Werk eine starke politisch-ethische Haltung. Der Künstler untersucht Fragen der Identität und Zugehörigkeit, des rechtlichen Status, des Eigentums und der Rolle persönlicher Beziehungen und beleuchtet die Machtstrukturen hinter den Fassaden liberaler Gesellschaften sowie die Fragilität unserer Vorstellungen vom Leben im Nationalstaat.

Danh Vo wurde 1975 in Bà Rịa, Vietnam, geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin und Mexico City.