Charlotte Prodger
Charlotte Prodger, SaF05, 2019 (Video Still), 39’00", © Charlotte Prodger, Courtesy die Künstlerin, Hollybush Gardens, London und Kendall Koppe, Glasgow

Charlotte Prodger

16. September – 6. November 2022

Seit über 20 Jahren stehen neben Fotografie, Skulptur und Texten vor allem unterschiedliche Formen von Film und Video im Mittelpunkt der Arbeit von Charlotte Prodger, die darin Fragen zu Genderpolitik, Individualität und Freiheit behandelt. Basis ihrer kritischen Haltung gegenüber gesellschaftlichen Normen bildet die Verwurzelung in der Queerkultur. Sie reflektiert in ihrem Werk die Auswirkungen herrschender Strukturen und sozialer Normen auf den Menschen. Es geht ihr um Freiräume und unbelastete Vorformen des gesellschaftlichen Lebens, die es dem Individuum gestatten, sich ungehindert zu entfalten.

Den rasanten Fortschritt im Bereich der Videotechnologie bis hin zum Aufkommen der Smartphone-Kameras hat Prodger gewissermaßen in Echtzeit verfolgt und in den letzten Jahren hat sie fast ausschließlich mit ihrem Smartphone gefilmt, das für sie zu einer physischen Erweiterung des Körpers wurde. Sie ist fasziniert von seinem Potential als Prothese, als Verbindung von Körper und Maschine, als Verbindung des Individuums zur Welt durch soziale Medien. Die Beziehung von Technologie mit der sie hervorbringenden Gesellschaft sowie das untrennbare Verhältnis von Form und Inhalt sind Grundlagen für Prodger, die in ihren Werken Autobiografisches mit Themen aus Paläontologie, Anthropologie, Soziologie und Kunstgeschichte miteinander verbindet.

Prodgers Filme gehen immer von persönlichen Recherchen aus und sind entsprechend subjektiv gefärbt. Das Publikum erfährt in ihren Filmen bzw. Texten schonungslos intime Details aus ihrem Leben. Einer Archäologin gleich, legt ihr Werk die Sicht auf eine lange kulturelle Tradition von Queerkultur frei. Im Gegensatz dazu stehen die minimalistischen skulpturalen Elemente, die sie für die Präsentation ihrer Filme schafft. Sie stehen für eine objektive, deterministische Haltung und akzentuieren den dem Werk eigenen Gegensatz zwischen persönlicher Entfaltung und struktureller Einschränkung in einem binär geprägten gesellschaftlichen System. In ihrem Schaffen verbinden sich diese Widersprüche in eindrücklichen Bildern von subtil-sinnlicher Qualität.

2018 gewann Prodger den renommierten Turner Prize.

Programmiert vom Vorstand der Secession
Kuratiert von Bettina Spörr

Charlotte Prodger, geboren 1974 in Bournemouth, GB, lebt und arbeitet in Glasgow.