Carlos Bunga, Doubled Architecture, Installation, MoCAD, Detroit, 2018, Foto: MOCAD

Carlos Bunga

30. April – 21. Juni 2020

Carlos Bunga verwendet einfachste Materialien wie Karton, Klebeband und Wandfarbe und schafft damit Skulpturen, Objekte und monumentale Installationen, die mit der Architektur des jeweiligen Ortes verbunden sind. Die flexible Handhabung dieser leicht zu verarbeitenden Materialien ermöglicht ihm, seine Ideen auch selbst umzusetzen. Karton ist zudem für Bunga ein Material, das gewisse Qualitäten wie Zeitlichkeit, Erinnerung und Fragilität suggeriert.

Der Dialog mit der Architektur, die Beziehung zum Körper und zum menschlichen Maßstab sowie die Funktion des Ortes – sei das eine Kapelle oder ein Museum – sind Faktoren, die in die Konzeption der Werke miteinfließen. Der Körper des Künstlers ist integraler Bestandteil der Arbeit: Bunga geht es um den Prozess und um Veränderung – Stillstand gibt es für ihn nicht.

Bungas Formenvokabular ist modular und repetitiv und er reagiert damit auf vorhandene Elemente: Häufig spiegelt und wiederholt er charakteristische Bauteile wie Säulen, Bodenraster oder andere formale Besonderheiten und erzeugt so eine Art Echo, das sich mit der gegebenen Architektur überlagert. Durch diese Interventionen erzeugt er Interferenzen und „Störungen“, er durchbricht die Funktionalität und lenkt so unseren Fokus auf die Dinge an sich. Sein Eingreifen verändert die Objekte im gleichen Maß wie er sich mit ihnen verändert. Sein Ziel ist es, eine Bewusstseinsebene zu schaffen, durch die wir das Wesen der Dinge erkennen können.

Bungas Ursprünge liegen in der Malerei, aus der er wortwörtlich in den Raum hinausgetreten ist: Die als zu eng empfundene Begrenzung der Leinwand hat er für sich aufgebrochen, indem er Bildobjekte baute, aus denen er sich in Aktionen befreite. Inspiriert waren diese frühen Arbeiten unter anderem von der japanischen Gutai-Gruppe, die nach der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen suchte, und von Gordon Matta-Clark, dessen Schnitte in Abbruchgebäuden eine neue skulpturale Radikalität zum Ausdruck brachten.

Die Dekonstruktion spielt in Bungas Werke eine fast ebenso große Rolle wie die Konstruktion: In Performances zerstört er seine aufwändig gebauten Installationen mitunter gleich wieder. Seine Methode von Erschaffen und Zerstören veranschaulicht den kontinuierlichen Prozess von Werden und Vergehen. In seinen Performances verschmelzen Künstler und Werk in fast mystischer Verbundenheit.

Zeichnungen begleiten die großen Installationen, aber sie dienen ihm nicht als Mittel der Konstruktion, sondern er fertigt sie nach dem eigentlichen Werk an; sie sind Reflexionsmedium, in dem Gedankenprozesse sichtbar werden.

Carlos Bunga, geboren 1976 in Porto, lebt und arbeitet in Barcelona.