Bouchra Khalili, Speeches - Chapter 1: Mother Tongue, 2012, Digital-Film, 23’, von The Speeches Series, Videotrilogie, 2012-2013, beauftragt für Intense Proximity, La Triennale, 2012. Ansicht auf Intense Proximity, La Triennale, Palais de Tokyo, Paris, 2012. Courtesy die Künstlerin und Galerie Polaris, Paris

Bouchra Khalili

12. April – 17. Juni 2018

Die marokkanisch-französische Künstlerin Bouchra Khalili beschäftigt sich mit Themen der Migration und Bürgerschaft, Gemeinschaft, Subjektivität, Minderheiten und Solidarität sowie mit (Mutter-) Sprache, Überlieferung, Selbstermächtigung und Erzählkunst. Sie hinterfragt hegemoniale Narrative kritisch und begründet und betreibt, vorwiegend mittels Video, Fotografie und Installation, eine „alternative Geschichtsschreibung“. Diese fokussiert beispielsweise auf Formen des Widerstands und dessen Diskurse, die auf die koloniale Vergangenheit zurückzuführen sind und von Minoritäten und Randgruppen vertreten werden.

In technisch oft komplexen Installationen setzt sich die Künstlerin mit der aktuellen Praxis des Dokumentarischen auseinander und treibt diese Entwicklungen mit ihrer klaren und formal präzisen Bildsprache sowohl ethisch als auch ästhetisch voran.

The Mapping Journey Project (2008–11) steht exemplarisch für diesen künstlerischen Ansatz. Die Achtkanal-Videoinstallation ist der Versuch einer alternativen Kartographierung der Mittelmeerregion, die anhand der heimlichen Reiserouten illegaler Migration gezeichnet wird. Die Künstlerin bat hierfür illegal Eingewanderte die Wege, die sie nach Europa genommen hatten, auf der politischen Landkarte des Mittelmeerraums zu zeigen. Die Geste des Zeigens ist ein bestimmendes Element und unterstreicht die aktive Rolle der ProtagonistInnen, die in ihren jeweiligen Muttersprachen und Dialekten ihre Reisen kommentieren. Sie, die im Einwanderungsland oft ein Schattendasein führen und deren Stimmen nicht gehört werden, haben hier die Autorschaft über ihre eigene Geschichte.

mehr

Bouchra Khalili, geboren 1975 in Casablanca (Marokko), lebt und arbeitet dank eines Radcliffe Institute Stipendiums der Harvard University gegenwärtig in Boston (Massachusetts).