12. Juli 2022

Tuesday@Secession:
Yasmina Haddad mit Mario Petrucci Espinoza und Nils Amadeus Lange
Bronwyn Lace

Veranstaltungsreihe

Zur zweiten Veranstaltung der Reihe Tuesday@Secession laden wir herzlich zu einem gemeinsamen Abend in den Garten der Secession von 20 bis 24 Uhr ein. Es werden Beiträge von Yasmina Haddad mit Mario Petrucci Espinoza und Nils Amadeus Lange sowie Bronwyn Lace zu sehen sein.

20 Uhr – Yasmina Haddad mit Mario Petrucci Espinoza und Nils Amadeus Lange

Yasmina hat den Straßensänger Mario Petrucci Espinoza und den Performer Nils Amadeus Lange eingeladen, den Raum/Boden in/auf dem sich die Secession befindet — zwischen Marc-Anton-Gruppe, dem Schild, das die neuen Ausstellungen ankündigt, und der Spitze des Gartens, die zusammen ein unsichtbares Dreieck bilden – zu queeren. Das Ritual besteht aus einem Sound-Set mit Werken von Lili Boulanger bis Moor Mother, einem Text, drei Liedern, und einem politisch aufgeladenen Kostüm.

Mario Petrucci Espinoza ist ein venezolanischer multidisziplinärer Künstler, der hauptsächlich im Bereich der Gesangsperformance und der naturalistischen bildenden Kunst arbeitet. Ausgebildet in Malerei an der Kunstakademie in Florenz, hat er begonnen, sich mit zeitbasierten Künsten zu beschäftigen, verfolgt Themen der Erinnerung in der Volkstradition und bringt seine eigene Intimität und seine persönlichen Prozesse durch Interventionen in den öffentlichen Raum. Er ist in verschiedenen Schweizer Institutionen wie dem Centre d’Art Contemporain de Genève, dem FriArt und dem Helmhaus aufgetreten.

Nils Amadeus Lange arbeitet als Künstler, Performer und Dozent in Zürich. Nach seinem Theaterstudium an der Hochschule der Künste Bern hat er seine Praxis auf verschiedene Medien ausgeweitet, wobei sein Schwerpunkt auf Tanz und Performance liegt, und er damit zahlreiche internationale Projekte entwickelt. Im Zentrum seiner Praxis steht der Körper, der als Mittel zur Dekonstruktion von gesellschaftlichen Konventionen und Geschlechterstereotypen dient. Seit sechs Jahren unterrichtet er und entwickelt Lehrpläne an verschiedenen Universitäten in den Bereichen Mode, Schauspiel, bildende Kunst, Fotografie und Performance, wobei er alternative Lernformen und experimentelle Ansätze umsetzt.

Seine Arbeiten wurden in verschiedenen Institutionen wie der Kunsthalle Basel, der Kunsthalle Zürich, der Manifesta Zürich, dem Ujazdowski Castle Centre for Contemporary Art Warsaw, dem Istituto Svizzero Rom, dem Belvedere 21, dem Centre d’Art Contemporain Genève, den Swiss Dance Days, ZÜRICH TANZT, Berliner Festspiele, Kunsthalle Bern, Les Urbaines Lausanne, Südpol Luzern, Tanzhaus Zürich und CounterPulse San Francisco, Cabaret Voltaire Zürich gezeigt.

Yasmina Haddad ist Fotografin, Dozentin, manchmal Künstlerin und zusammen mit Andrea Lumplecker Co-Direktorin und Teil des Künstlerinnenkollektivs/Raums school.

Yasmina hat THE UNQUESTIONED ANSWER in verschiedenen Settings veranstaltet, mit bis zu 12 Stunden langen Ritualen, in denen patriarchale Narrative neutralisiert, weiblich gelesene Musikproduktion gefeiert und Leerstellen in der Musikgeschichte aufgezeigt werden.

Ihre künstlerische Praxis basiert auf der Fotografie und erstreckt sich manchmal auf andere Medien wie Sound, Skulptur und Setting. Die Arbeiten konzentrieren sich meist darauf, wie verschiedene kulturelle Ausdrucksformen unweigerlich miteinander verbunden sind und wie sich dieses gegenseitige Beeinflussen ästhetisch manifestiert. Die in bühnenartigen Situationen dargestellten Sujets, die oft aus dem Bereich der Mode stammen, zeigen soziokulturelle Prozesse auf und erinnern an das Unbehagen postmoderner Befindlichkeiten.

Yasmina ́s Arbeiten wurden u.a. im at Beirut Art Center Beirut, mauve Wien, Liu Haisu Museum Shanghai, Kunsthalle Exnergasse Wien, House of Arts Brno, Galerie der Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof Wien, Mak Wien, ISCP NYC, The Lobby NYC, Station Intervention KÖR Wien präsentiert.

Yasmina Haddad

©school, potentialities- draft I, 2022

22 Uhr – Bronwyn Lace

In einem Brief an seinen Verleger aus dem Jahr 1915 forderte Franz Kafka, dass die Natur der in Die Verwandlung dargestellten Kreatur vage bleiben und nicht als Ungeziefer gezeichnet wird. In den späten 1920er Jahren gelang es Eugen Fischer, einem deutschen Professor für Medizin, Anthropologie und Eugenik und Rektor der Universität Berlin, die Mischehe in deutschen Kolonien zu verbieten und damit bestimmte Personen faktisch aus der Menschheit auszuschließen. Etwa zur gleichen Zeit erhielt Hendrik Verwoed, der so genannte Architekt der Apartheid, ein Stipendium, um sein Studium an der Universität Berlin fortzusetzen.

In What Kafka Forebode, einer 30-minütigen Performance, die speziell für die Secession entwickelt wurde, liefert Bronwyn Lace eine Art Bericht, indem sie über die Übergänge und Übersetzungen nachdenkt, die in der Originalfassung und der englischen Übersetzung von Kafkas Verwandlung zu finden sind. Die Performance ist zum Teil geschrieben, zum Teil aufgezeichnet und zum Teil nicht gezeichnet.

Bronwyn Lace ist eine bildende Künstlerin, die zwischen Johannesburg und Wien lebt und arbeitet. Ortsspezifität, Reaktionsfähigkeit und Performativität stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Lace konzentriert sich auf die kollaborativen Beziehungen zwischen Kunst und anderen Bereichen, darunter Physik, Geschichte, Museologie, Philosophie und Literatur.

2016 gründete Lace gemeinsam mit William Kentridge das Centre for the Less Good Idea in Johannesburg, Südafrika, das sie heute leitet und als internationale Kontaktperson fungiert. Im Jahr 2020 war Lace Mitbegründerin von The Zone, einem Kollektiv aus Wien, das sich für die Entwicklung eines völlig neuartigen transdisziplinären und deliberativen Ansatzes für die Untersuchung und kuratorische Arbeit in Kunst, Wissenschaft und darüber hinaus einsetzt.

Bronwyn Lace

Bronwyn Lace, Metamorphosis, 2021