26. Juli 2022

Tuesday@Secession:
Julius Pristauz
Khadija von Zinnenburg Carroll

Veranstaltungsreihe

Zur vierten Veranstaltung der Reihe Tuesday@Secession laden wir herzlich zu einem gemeinsamen Abend in den Garten der Secession ein. Es werden Beiträge von Julius Pristauz und Khadija von Zinnenburg Carroll zu sehen sein.

20 Uhr – Julius Pristauz

In seinem Film BAD LIGHT präsentiert Julius Pristauz ein Netz ständiger Gegenüberstellungen und eignet sich, von ständiger Dualität geprägt, unterschiedliche binäre Systeme an. Er benutzt diese als Mittel, um Wahrnehmungen rund um Erfolg und Zufriedenheit sowie deren Ambivalenz als gesellschaftliche Konstrukte zu veranschaulichen. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf der Bildung des eigenen Charakters und zwischenmenschlicher Beziehungen sowie auf Gemeinschafts- und Unterstützungsstrukturen. Die Besetzung des Films und das Produktionsteam besteht dabei ausschließlich aus Freund*innen, welche letztlich die eigene Identität widerspiegeln und abbilden.

Seine für Tuesday@Secession eigens für den Abend und basierend auf dem Film entwickelte Performance Not Scared Just Changing besteht, diesem ganz ähnlich, aus einzelnen kurzen Szenen. In Form von losen Erzählstrukturen wird der gesellschaftlich konstruierte Begriff der „Stärke“ besprochen, und die Abwesenheit eben dieser verhandelt. Die performative Aneignung des Raums steht den sichtbaren Rissen in der Fassade der Secession und ihrem Erscheinungsbild, insbesondere dem Musterfeld des Freskos Reigen der Kranzträgerinnen von Koloman Moser, entgegen. Gestern und heute treffen aufeinander, ambivalente gesellschaftliche Konstrukte scheitern im Angesicht zwangsläufiger Veränderungen im Laufe der Zeit. Dem Screening und der Performance wird ein DJ-Set von Paul Ebhart, welcher auch für den Sound im Kurzfilm verantwortlich ist, vorangestellt.

Programm

BAD LIGHT, 2022
MP4, 19:10′
Regie von Luna Mican und Julius Pristauz

Not Scared Just Changing, 2022
Performance
Regie von Julius Pristauz

Performer*innen: Marie-Claire Gagnon, Franziska Klein, Minna Liebhart, Luna Mican, und Hannah Sussitz

Julius Pristauz

Julius Pristauz, Skizze für Not Scared Just Changing, 2022, im Bild: Franziska Klein

22 Uhr – Khadija von Zinnenburg Carroll

Khadija von Zinnenburg Carrolls langjähriges Engagement in antikolonialen Bewegungen widmet sich jüngst mit gezielten Reaktionen dem Thema der Rückführung von Ahnengütern aus europäischen Museen an betroffene Gemeinschaften. Als bekanntes Beispiel dient Quetzalpanecoatl, bekannt als el Penacho de Moctezuma, eine Federkrone und überaus berühmter aztekischer Kopfschmuck, der derzeit im Weltmuseum Wien ausgestellt ist und nur eines von vielen Artefakten darstellt, um deren rechtmäßiger Besitz und Aufbewahrungsort gestritten wird.

Für ihr Mini-Filmfestival lädt von Zinnenburg Carroll zu einer Gesprächsreihe und Screening-Programm ihrer Filme über Rückführungen ein. Sie hat eine Gruppe von Künstler*innen und Fachleuten eingeladen, die auf den komplexen Prozess der Rückführung von Artefakten mit “neuen Originalen” reagiert haben. Jeder der eingeladenen Teilnehmer*innen wird eine kurze Einführung zum Film geben und danach für Fragen zur Verfügung stehen.

Zu den speziell eingeladenen Gästen gehören die Anthropologin und Provenienzforscherin Dr. Julia Binter, die von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin kommt und als wichtige Partnerin im Bezug auf Rückführungen von Deutschland nach Namibia agiert; der Künstler Samson Ogiamien aus Benin City in Nigeria, Bildhauer der Iyagbon’s Mask und Hauptdarsteller in von Zinnenburg Carrolls Film Iyagbon’s Mirror; sowie Julian Reinisch, Produzent bei Apex Film und Teil einer Gruppe von Künstler*innen-Aktivist*innen, die einen Hack der Audioguides im Weltmuseum Wien im Januar 2022 geplant und durchgeführt haben, um so die Rückkehr der Federkrone nach Mexico, zu fördern. Von Zinnenburg Carroll arbeitet mit den Filmemachern Konstantin Kormann und Julian Reinisch von Apex Film zusammen und nutzt die Secession vor der Veranstaltung als Filmset für neue Szenen, die später Teil ihres filmischen Projekts Repatriates werden, von dem während des Abends eine Vorschau gezeigt wird.

Programm

Repatriates Namibia, work in progress [rough cut], 2022
Produziert von Apex Film
Regie von Khadija von Zinnenburg Carroll

Iyagbon’s Mirror, 2021
MP4, 7:25′
Regie von Khadija von Zinnenburg Carroll

Audio Guides of Truth, 2022
MP4, 5:00′
Regie von Khadija von Zinnenburg Carroll und Apex Film

Te Moana, 2019
MP4, 30:36′
Regie von Khadija von Zinnenburg Carroll

Khadija von Zinnenburg Carroll

Khadija von Zinnenburg Carroll, Namibia (Messier 8, Lagoon Nebula, Sagittarius), 2022, Filmstill

Tuesday@Secession
Programmiert vom Vorstand der Secession
Kuratiert von Christian Lübbert

Biography

Julius Pristauz

Julius Pristauz lebt und arbeitet in Wien. Neben seiner Tätigkeit als Künstler arbeitet er als freier Kurator und Schreiber im Bereich der zeitgenössischen Kultur. Pristauz studierte Transmediale Kunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und Performance an der Fakultät für Bildende Kunst, FaVU in Brno. Wiederholt beschäftigt er sich in verschiedensten Medien und Formaten mit der Konstruktion und dem Genderaspekt von Identitäten sowie mit Spannungen zwischen privater und öffentlicher Sphäre.

Zuletzt kuratierte Pristauz Ausstellungen bei EXILE während dem Galerienfestival Curated by, sowie bei UA26 und in der Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof. Die von ihm kuratierte Gruppenausstellung SOMETHING IS BURNING in der Kunsthalle Bratislava wird im September 2022 eröffnet. Seine performativen Arbeiten wurden unter anderem im Grazer Kunstverein und dem Belvedere 21 aufgeführt. Für sein künstlerisches Diplom, in welchem der Kurzfilm BAD LIGHT erstaufgeführt wurde, erhielt er den diesjährigen Preis der Kunsthalle Wien. 

Khadija von Zinnenburg Carroll

Khadija von Zinnenburg Carroll ist eine australische Künstlerin und Historikerin, die derzeit das Projekt Repatriates: Artistic Research in Museums and Communities in the process of Repatriation from Europe leitet. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, u. a. auf der Biennale von Venedig, Marrakesch und Sharjah, im ZKM Karlsruhe, auf der Manifesta, im Forum Wissen in Göttingen, im TBA-21 Ocean Space in Venedig, im Taxispalais Kunsthalle Tirol in Innsbruck, in der Kunsthal Extra City in Antwerpen, im HKW in Berlin, im Royal Museums Greenwich in London, mit Savvy Contemporary in Berlin, mit LUX in London, mit der Chisenhale Gallery in London, mit SPACE in London, in der Project Art Centre Gallery in Dublin, im St. Kilda in Melbourne und auf den Casablanca Film Festivals.

Sie hat in Harvard promoviert und ist Professorin an der Central European University in Wien und Honorarprofessorin und Lehrstuhlinhaberin für Globale Kunst an der University of Birmingham. Sie ist Autorin der Bücher Art in the Time of Colony (2014); The Importance of Being Anachronistic (2016), Botanical Drift (2017); Bordered Lives (2020), The Contested Crown (2022), Mit Fremden Federn (2022) und sie ist Redakteurin der Fachzeitschrift Third Text.