15. Oktober

The Artist as Public Intellectual?

Symposium

Akademiehof der Akademie der bildenden Künste Wien, Makartgasse 3, 1010 Wien

Ein Symposium der Akademie der bildenden Künste Wien und der Freunde der Secession
Konzeption: Sylvie Liska, Stephan Schmidt-Wulffen
 

Seit dem 11. September 2001 hat sich die Rolle der Intellektuellen im politischen Diskurs deutlich verschoben. Im Kampf um globale Hegemonie setzen die politischen Akteure Fakten und Maßstäbe. In dieser Situation sind die Intellektuellen gefordert, sich der Diskurshoheit der Politik zu widersetzen. Welche Rolle spielen die KünstlerInnen unter diesen Gegebenheiten? Sind sie bereit, die Rolle des Public Intellectual zu übernehmen? Und wenn ja, wie?

Das Bild des engagierten Intellektuellen hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehrfach verändert. Für die bildende Kunst wurde das Modell des lokal Agierenden maßgeblich, das die allzu autoritäre Rolle des aufgeklärten Fürsprechers à la Jean Paul Sartre ablöste. Obwohl das lokale Intervenieren der ästhetischen Praxis weit mehr entsprach als das Verfassen abstrakter Pamphlete, schien es den globalen Problemen der Neunziger Jahre nicht mehr angemessen. Angelehnt an eine sich neu bildende Disziplin der Kulturwissenschaften und Positionen wie etwa Edward Said oder Susan Buck-Morss folgend, begibt sich die Kunst seit einiger Zeit auf die Suche nach neuen Kriterien, mit denen sie Partei ergreifen und öffentliche Verantwortung übernehmen kann. Das Symposium The Artist as Public Intellectual? geht mit seiner zentralen Fragestellung den Möglichkeiten der (Neu-) Positionierung künstlerischer Praxis im öffentlichen Diskurs nach.

Teilnehmen werden einerseits KünstlerInnen, die in verschiedenen Jahrzehnten politisches Engagement entwickelt haben, aber auch TheoretikerInnen, die vor dem Hintergrund einer politisierten Psychoanalyse, einer kritischen Bewertung der Medien und einer Auseinandersetzung mit postkolonialistischen Positionen den gesellschaftlichen Ort künstlerischer Praxis zu umreißen versuchen.
 

15. 10. 2004
15.30
Begrüßung & Einleitung
16.00
Andrea Geyer: New York City, August 2004
16.45
Manthia Diawara
17.30
Barbara Kruger: Doubt
im Gespäch mit Sabeth Buchmann
18.30
Rosalyn Deutsche: The Art of Non-Indifference
19.30
Diskussion, Moderation: Roger M. Buergel

16. 10. 2004
15.30
Thomas Hirschhorn: Über Kunst im öffentlichen Raum, dem Raum des öffentlichen Lebens
16.15
Silvia Kolbowski: With what should the artist be satisfied?
17.15
Roger M. Buergel: Warum Kunst und Intellektualität einander ausschließen
18.00
Mignon Nixon: Controversial Discussions: Psychoanalysis and the „Woman Artist“
18.45
Diskussion
 

TeilnehmerInnen:

Sabeth Buchmann ist Kunsthistorikerin und -kritikerin. Seit März 2004 ist sie Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Roger M. Buergel ist Ausstellungsmacher, Autor und künstlerischer Leiter der documenta 12. Derzeit läuft das Ausstellungsprojekt Die Regierung (mit Ruth Noack, Kunstraum der Universität Lüneburg; MACBA-Museu d’Art Contemporani de Barcelona; Witte de With Rotterdam; Secession, Wien, 2003–05).
Rosalyn Deutsche ist Kunsthistorikerin und Kritikerin. Sie lehrt Kunstgeschichte am Bernard College und an der Columbia University, New York.
Manthia Diawara ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft und Afrikanistik an der New York University.
Andrea Geyer lebt und arbeitet in New York und Freiburg. Die Künstlerin hat 2000 das Whitney Museum Independent Study Program absolviert und lehrt zur Zeit als Gastprofessorin an der Malmö Art Academy.
Thomas Hirschhorn ist Künstler und lebt und arbeitet in Paris. Er ist für dezidiert politischen Statements in seiner künstlerischen Arbeit bekannt.
Silvia Kolbowski lebt und arbeitet als Künstlerin in New York. Sie ist im Beirat der Zeitschrift October und unterrichtet im CCC-Programm der Ecole Superieure d’Art Visuel, Genf, ebenso wie am Institut für Architektur an der Parsons School of Design, New York.
Barbara Kruger wurde spätestens in den frühen 1980er-Jahren für ihre konzeptuelle Arbeit auf der Grundlage von appropriierten Bildern und Texten international bekannt.
Mignon Nixon lehrt Kunstgeschichte am Courtauld Institute of Art, University of London und ist Mitherausgeberin der Zeitschrift October.
Stephan Schmidt-Wulffen hat von 1992–2001 den Kunstverein Hamburg geleitet und Kunsttheorie an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg gelehrt. Seit 2002 ist er Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien.