21. Juli

Secessionsgarten

Vorträge

21.07. 18 Uhr
Panel: Form as Identity / Identity as Form
Azra Akšamija (Künstlerin, Architekturhistorikerin, Cambridge), Nebahat Avicoglu (Architekturhistorikerin, Paris), Christina Lenart (Architekturstudentin, Wien), Thomas Pucher (Architekt, Graz)
Moderation: Nasrine Seraji (Architektin, Paris)

Keynote Lecture:
Nebahat Avicoglu, Form as Identity / Identity as Form: How did we get here?

Dieser Vortrag hinterfragt die Kategorien von sowohl islamischer Kultur als auch Moscheenarchitektur und trägt dadurch zur aktuellen Debatte um die Möglichkeiten der islamischen Kunst bei, außerhalb ihrer traditionellen Grenzen und losgelöst von spezifischen Orten oder Geschichten. Azra Akšamijas Arbeit wird in Hinblick auf ein künstlerisches Vermögen untersucht, islamische Praktiken zu hinterfragen, im Kontext des heutigen Wiens und des muslimischen Lebens.

Nebahat Avicoglu ist derzeit am Columbia University Research Center in der Reid Hall in Paris tätig. Außerdem unterrichtet sie als außerordentliche Professorin für islamische Kultur an der Amerikanischen Universität in Paris. Sie publizierte mehrere Artikel über Architektur und den kulturellen Austausch zwischen Europa und dem Mittleren Osten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Azra Akšamija, Negotiating Identity: Twenty-first century mosques in Bosnia-Herzegovina

Die ethnischen Säuberungen und die massive Zerstörung des muslimischen kulturellen Erbes in Bosnien-Herzegovina während des Krieges von 1992 bis 95 haben das Streben der bosnischen Muslime nach einer nationalen Identität verstärkt.
Nach Erlangung der politischen Souveränität innerhalb einer Mehr-Parteien-Demokratie haben die bosnischen Muslime sich den säkularen Begriff „Bosniaken“ als nationale Bezeichnung übernommen. Akšamijas Beitrag beschäftigt sich mit dem komplexen Thema der Identitätskonstruktion einer islamischen, bosnischen und europäischen Identität.
Die Recherche umfasst Fallstudien zu Moscheen die in den letzten 15 Jahren in Bosnien gebaut wurden. Durch die Evaluierung ihrer sozialen, politischen und historischen Kontexte, wird ersichtlich wie Moscheen-Architektur in Bosnien-Herzegovina als Identitätsproduzent auf unterschiedlichen Ebenen fungiert.

Azra Akšamija ist eine in den USA lebende österreichische Künstlerin und Architekturhistorikerin, geboren 1976 in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina. Seit Herbst 2004 unterrichtet sie am Massachussetts Institute of Technology (MIT) und arbeitet an ihrer Dissertation über die post-sozialistische Moscheenarchitektur in Bosnien und Herzegowina. Seit 1995 ist sie als Künstlerin, Architektin, Kuratorin und Kritikerin tätig.

Christina Lenart, Versteckte Repräsentation

In Wien beträgt der Anteil der muslimischen Bevölkerung 7%, das sind über 120.000 Menschen. Trotz dieser Anzahl ist ihre religiöse Praxis kaum sichtbar, da diese das städtische Erscheinungsbild stören könnte. Neben der einzig sichtbaren Moschee im 21. Bezirk existieren ungefähr 50 weitere Moscheen in Wohnungen. Muslime sollen mehr Transparenz in ihr kulturelles Leben bringen, bekommen aber nicht die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit zu manifestieren. Die Organisationen der Muslime formen eine parallele Stadt, die in die Isolation gedrängt ist.
Der gezeigte Film greift Aspekte dieser Parallel-Existenz auf. Durch ein zufälliges visuelles Arrangement weist Donauturm auf eine zweite Lesbarkeit der Stadt hin: Von einem bestimmten Blickpunkt vor der Moschee Am Hubertusdamm wird der Donauturm, ein Blickfang, der die Wiener Skyline generiert, zum zweiten Minarett.

Christina Lenart, geboren 1984 in Wien, studiert Architektur an der Akademie der bildenden Künste seit 2002. Die Filme entstanden im Zuge eines Studienprojekts 2004/05 bei Eyal Weizman und Bernd Vlay.

Thomas Pucher, Internationaler Wettbewerb für das Hauptquartier des O.I.C. in Jeddah, Saudi-Arabien

Thomas Pucher spricht über sein Projekt für den O.I.C. und die mit dieser Herausforderung verbundene Herangehensweise in Bezug auf die islamische Kultur. Und von dem Vertrauen, das einem jungen Architekten aus Graz von einem ganzen islamischen Land entgegengebracht wird.

Thomas Pucher ist Leiter des Architekturbüros Atelier Thomas Pucher in Graz, Österreich. Seit 1998 unterrichtet Pucher an der Technischen Universität und an der FH Joanneum in Graz. Momentan werden mehrere seiner internationalen Architekturprojekte umgesetzt, unter anderem das neue Hauptquartier der Islamischen Konferenz (O.I.C.) in Jeddah, Saudi-Arabien, für das er 2006 den internationalen Wettbewerb gewonnen hat.

Nasrine Seraji, geboren in Teheran, studierte an der Architectural Association School of Architecture in London bevor sie ihr eigenes Architekturbüro in Paris gründete. Architektin des Temporary American Centre in Paris und des Pavilion of the Caverne du Dragon im Norden Frankreiches, für Wohnbau unter anderem in Paris und in Wien. Sie ist Leiterin an der École Nationale Superieure d’Architecture Paris Malaquais.

28.09. 19 Uhr
Performative Gedächtnisstrategien
Mechtild Wiedrich (Kunsthistorikerin, Cambridge, Wien)
Vortrag mit anschließendem Dialog mit Azra Akšamija (Künstlerin/ Architekturhistorikerin, Cambridge) und Heidi Pretterhofer (Architektin, Wien)

Der Vortrag untersucht performative und interaktive Strategien in der zeitgenössischen Kunst zur Bildung von Gemeinschaft und kulturellem Gedächtnis, sowie die Faszination des Begriffes „performativ“ für die zeitgenössische Kunsttheorie. Inwieweit ist die Involvierung des Körpers in die Werke der Kunstproduktion – ein Beispiel ist die Arbeit von Azra Akšamija – notwendig, um Geschichtlichkeit zum Beispiel einer Tradition, zu vermitteln und festzuhalten, und inwiefern ist der Begriff hilfreich, um eine neues „demokratisches“ Geschichtsmodel in der Theorie zu formen?

Mechtild Widrich ist Kunsthistorikerin und zur Zeit Doktorandin im History, Theory and Criticism-Programm des Massachusetts Institute of Technology. Ihre Dissertation beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen Performance und Monument im öffentlichen Raum. Zahlreiche Publikationen zur zeitgenössischen Kunst und Kulturgeschichte. Kuratorische Tätigkeit u.A. für die Kunsthalle Wien, das Jüdische Museum Wien, und für das List Visual Arts Center, Cambridge, USA.

29.09. 19 Uhr
Maghrib-Reading, Mouhanad Khorchide (Islamwissenschaftler, Soziologe, Wien)
Koran-Rezitation auf Arabisch und Deutsch
Die Musikalität und Visualität des Koran wird aus der künstlerischen Perspektive dargestellt.

20 Uhr
Lesung mit Musik
Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe: Lebensgeschichten nahöstlicher Frauen in Wien und deutschsprachiger Frauen im Nahen Osten
Mit Edith Binderhofer und Marwan Abado

Edith Binderhofer liest Ausschnitte aus Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe: Lebensgeschichten. Gespräche mit asiatischen Frauen in Wien (Edition Roesner, Maria Enzersdorf, 2005) und ihrem demnächst erscheinenden Buch über deutschsprachige Frauen in arabischen Ländern, Iran, und der Türkei.
Marwan Abado begleitet die Lesung auf der Oud.

Edith Binderhofer, lebte in Paris, Kairo, Essen, Frankfurt/Main und derzeit wieder in Wien; Autorin, Germanistin und Zeithistorikerin mit Spezialinteresse am Nahen Osten; seit 20 Jahren beruflich und privat überzeugte und dankbare Grenzgängerin zwischen westlichen und östlichen Welten.

Marwan Abado, georen in Beirut als Sohn einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie, lebt seit 1985 in Wien, ab 1987 Tätigkeit als Musiker, Sänger, Komponist und Oudspieler (orientalische Kurzhalslaute), Auftritte in Europa, der arabischen Welt, Kuba und USA; zahlreiche CDs, Filmmusik und Theatermusik.