2. Oktober 2018

Präsentation der Sonderausgabe des OEI-Magazins

OEI #80–81: "The zero alternative: Ernesto de Sousa and some other aesthetic operators in Portuguese art and poetry from the 1960s onwards"

Magazinpräsentation

Mit Interventionen und Beiträgen von Hugo Canoilas, Cecilia Grönberg, Jonas (J) Magnusson und Tobi Maier

Der Zugang zur Magazinpräsentation erfolgt über den hinteren Seiteneingang.

 

Die jüngste Ausgabe des OEI-Magazins nimmt seinen Ausgangspunkt in Ernesto de Sousas explosiven Aktivitäten als Filmemacher, Fotograf, Kurator, Kritiker, Schriftsteller, Forscher der Arte Popular, Multimedia-Künstler usw. im Portugal der 1960er-Jahre.
In fast allem, was zum Bereich der Künste im weitesten Sinne des Wortes gehört, hat Ernesto de Sousa (19211988) den Begriff „ästhetischer Operator“ anstelle des Wortes „Künstler“ verwendet „aus dem einfachen Grund, dass „Künstler“ eine Art soziologische Position und keine philosophische Haltung gegenüber der Welt bezeichnet“ (José Miranda Justo). Als „Quelle der Begeisterung, Dynamik und Motivation“ (Isabel Alves) schuf Ernesto de Sousa neue Verbindungen zwischen allen möglichen Disziplinen, Formen, Materialien und sozialen Kontexten.
In seiner 640 Seiten langen Text- und Bildmontage, mit einer Reihe von neuen Aufsätzen und Übersetzungen wichtiger Essays sowie viel Archivmaterial, befasst sich OEI #80-81 auch mit den Praktiken einer Reihe von weiteren “aesthetic operators” (Alberto Carneiro, Fernando Calhau, Ana Vieira, Ana Hatherly, E. de Melo e Castro, Lourdes Castro, Álvaro Lapa, Túlia Saldanha, António Barros und andere). Außerdem umfasst OEI #80-81 Texte zu Magazinen wie Poesia Experimental, Operação, Nova, A Urtiga und Alternativa; und Werke von Künstlern jüngerer Generationen wie Isabel Carvalho, Paulo Mendes und Mariana Silva. Diese Sonderausgabe des OEI Magazins begleitete auch die von Hugo Canoilas kuratierte Ausstellung Supergood – Dialogues with Ernesto de Sousa  am Lissaboner MAAT (2018).

 

OEI #80–81 (2018): ”The zero alternative: Ernesto de Sousa and some other aesthetic operators in Portuguese art and poetry from the 1960s onwards”
640 Seiten
Herausgeber: Jonas (J) Magnusson & Cecilia Grönberg
Mitherausgeber: Hugo Canoilas, Tobi Maier
ISSN 1404-5095 (OEI)
ISBN 978-91-88829-01-6 (OEI #80-81)
Preis: 39 EUR
www.oei.nu

 

OEI ist ein Stockholmer Magazin für außerdisziplinäre Räume und disziplinierende Momente experimentelle Formen des Denkens, Montagen zwischen Poesie, Kunst, Philosophie, Film und Dokumenten; kritische Untersuchungen, redaktionelle Artikulationen, ästhetische Technologien, nicht affirmatives Schreiben, spekulative Archäologie, neue Ökologien und Gegenhistoriographien. OEI-Magazin wurde 1999 gegründet und bis heute wurden 81 Ausgaben veröffentlicht. OEI ist ein künstlerisch-literarisches Projekt von Jonas (J) Magnusson & Cecilia Grönberg.

 

Ernesto de Sousa (Lissabon, 1921-1988) war eine der komplexesten und aktivsten Figuren seiner Zeit, ein multidisziplinärer Künstler und ein begeisterter Produzent von Synergien zwischen Generationen von Künstlern aus der ersten und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er verteidigte einen experimentellen und freien künstlerischen Ausdruck und widmete sich dem Studium, der Förderung und der Ausübung der Künste sowie des Kuratierens, der Kunstkritik und Essayistik, Fotografie, dem Kino und Theater. In den 1960er-Jahren freundete er sich mit der Fluxus-Bewegung und der europäischen Neo-Avantgarde um Robert Filliou und Wolf Vostell an.

Dieser Kontakt war für seine Vision von Kunst als experimentelle und partizipatorische „offene Arbeit“ von großer Bedeutung, es entstanden Arbeiten wie das experimentelle Theaterstück Nós Não Estamos Algures (1969), der erweiterte Film Almada, Um Nome de Guerra (1969-1972) und die ‚mixed-media’ Arbeit Luíz Vaz 73 (mit Musik des Komponisten Jorge Peixinho). Bis in die 1980er Jahre organisierte Ernesto de Sousa Konferenzen und Ausstellungen zu Experimentalfilm und Videokunst, Performances und Happenings und förderte somit die Verbindungen zwischen der internationalen Neo-Avantgarde und dem portugiesischen Kontext. Die Ausstellung Alternativa Zero (Galeria Nacional de Arte Moderna, Lissabon, 1977) synthetisierte sein Projekt der portugiesischen Avantgarde im ästhetischen und ideologischen Dialog mit internationalen Kollegen.

Seit den 1940er Jahren publizierte er ausführlich in Zeitschriften und Zeitungen, und seine Kritik trug entscheidend dazu bei experimentelle künstlerische Praktiken in Portugal zu fördern. Sein Engagement in den portugiesischen Filmclubs war ein wichtiger Beitrag zur Entstehung des „New Cinema“ und sein einziger Spielfilm Dom Roberto (1962) gewann zwei Preise beim Festival in Cannes (1963). Erwähnenswert sind auch seine Studien zur portugiesischen Arte Popular und ihre Theoretisierung im Kontext zeitgenössischer Kunst sowie seine Bearbeitung des Werkes des „freiwillig naiven“ Künstlers Almada Negreiros, dessen Arbeiten die Ideen von Sousa vorwegnahmen. Ernesto de Sousa war 1980, 1982 und 1984 Kurator des portugiesischen Pavillons in Venedig.