4. November 2019

Gabriele Michalitsch und Georg Seeßlen im Gespräch mit Ruth Sonderegger

Veranstaltungsreihe Wessen Freiheit?

Der Neoliberalismus verändert die kulturelle und politische Ordnung und beeinflusst unser Verständnis von Individuum und Freiheit sowie unseren Umgang mit diesen. Georg Seeßlen sieht den kapitalistischen Surrealisten als idealen Protagonisten des Gegenwartskapitalismus: Wie der Surrealist in der Kunst liebe dieser es, Dinge zueinander zu bringen, die nicht zueinander gehören. Er nehme das System nicht ernst, akzeptiere aber klaglos seine Totalität.

Die vielfältigen Veränderungen, die sich ergeben, wenn nahezu alle Lebensbereiche von ökonomischen Prinzipien durchdrungen sind, untersucht auch Gabriele Michalitsch: Sie deutet die Forderung, UnternehmerIn seiner/ihrer selbst zu sein, als einen Prozess der Bändigung und Kontrolle des Subjekts und seiner Leidenschaften, der auch die Geschlechterverhältnisse neu definiere. Und zwar dermaßen, dass man sich fragen muss, ob von Freiheit überhaupt noch die Rede sein kann.

Wo aber liegen nun die Orte, um außerhalb der Kultur und Ästhetik des Neoliberalismus und dessen Regelwerke Position zu beziehen? Im Gespräch mit der Philosophin Ruth Sonderegger laden Michalitsch und Seeßlen ein zu einer gemeinsamen Bestandsaufnahme der Rolle von Kunst unter dem Eindruck neoliberaler Selbstkontrolle.

 

Gabriele Michalitsch, Politikwissenschafterin und Ökonomin an den Universitäten Wien und Klagenfurt. Gastprofessuren u.a. in Budapest, Istanbul und Peking. Publikationen u.a.: Die neoliberale Domestizierung des Subjekts. Von den Leidenschaften zum Kalkül (2006).

Georg Seeßlen, freier Autor, Kurator, Feuilletonist sowie Kultur- und Filmkritiker, Dozent an verschiedenen Universitäten. Gemeinsam mit Markus Metz: u.a. Freiheit und Kontrolle – Die Geschichte des nicht zu Ende befreiten Sklaven (2017).

Ruth Sonderegger ist Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind kritische Praktiken und Theorien sowie die (Gründungs-)Geschichte der philosophischen Ästhetik und ihre Verbindung mit dem kolonialen Kapitalismus.

 

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Wessen Freiheit?