10. März 2020

Franz Parts Schule

Buchpräsentation

Ein Buch von Michael Part und Constanze Schweiger mit Beiträgen von Kerstin Cmelka, Hannes Böck, Marina Gržinić, Ilse Lafer und Simon Starling

Das Buch erscheint im Verlag für moderne Kunst.

 

Ausschnitt aus Franz Parts VHS-Dokumentation vom „Museum der Repliken“, 1989–2014

 

Ende der 1980er-Jahre vergrößerte Franz Part am Farbkopierer des Fotofachgeschäfts in Waidhofen an der Thaya eine Abbildung von Marcel Duchamps „Nu descendant un escalier no. 2“ (1912) aus einem Buch auf die Originalmaße. Er setzte die Laserkopien zu einem Bild zusammen, das er in die Aula des örtlichen Gymnasiums hängte. Zeitgleich dazu platzierte er einen in den Ferien in München gekauften Flaschentrockner an der Wand neben dem Zeichensaal.
Franz Part ist bildender Künstler und leitete die Kunstabteilung am Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium in Waidhofen/Thaya, der nördlichsten Bezirkshauptstadt Österreichs mit etwa 5.000 EinwohnerInnen. Als Kunstlehrer für die Klassen der Oberstufen gestaltete er seinen Kunstunterricht ähnlich wie auf einer Kunstakademie. Es gab fixe Einheiten für Kunstbetrachtung und Kunstgeschichte, sonst war freies, eigenständiges Arbeiten Voraussetzung. Die Projekte waren frei wählbar und wurden selbstständig umgesetzt. Konnte man sich nicht entscheiden, wurde man von Franz Part beraten und nur selten angewiesen. Im Lehrplan waren für den Kunstunterricht zwei Wochenstunden vorgesehen, Franz Part aber machte die Arbeitsräume auch außerhalb der Schulzeiten zugänglich.
Mit den anfangs erwähnten Installationen konnte Franz Part auf Anhieb SchülerInnen für weitere Reproduktionen gewinnen. Schritt für Schritt folgten noch andere Repliken der Werke von Duchamp, dann von Man Ray und Joseph Beuys, und einige Zeit später waren die Gänge und Treppenhäuser des Schulgebäudes mit einer Art Retrospektive aus Repliken und unzähligen Wiederholungen ikonischer Kunstwerke der damals zeitgenössischen Kunstgeschichte ausgestattet. Von Schuljahr zu Schuljahr vergrößerte sich das Projekt, es entwickelte sich das „Museum der Repliken“, das gleichermaßen Franz Parts künstlerischem Werkentwurf entspricht, wie es auch ein zeitgemäßes kunstpädagogisches Prinzip vorstellt: ausgehend von Duchamps Idee des Readymades und anderen Visionen, die in der Moderne entstanden sind, nicht die handwerklichen Techniken alter Meister kopieren lernen, sondern den konzeptuellen und kontextbezogenen Setzungen der Kunst des 20. Jahrhunderts verpflichtet sein.

Franz Parts Schule
Deutsch / Englisch
Schweizer Broschur
28 x 18,2 cm
88 Seiten
zahlreiche Abbildungen in Farbe und schwarzweiß
Verlag für moderne Kunst