11. Mai

Ferdinand Schmatz, Gustav Ernst, Ewald Palmetshofer, Judith Nika Pfeifer, Franz Schuh, Thomas Arzt, Thomas Glavinic, Franzobel, Antonio Fian, Kathrin Röggla

jeden Dienstag und Samstag 16 bis 18 Uhr, Secession Bar, Akademie der bildenden Künste Wien, freiraum quartier 21/MQ

AutorInnen Reden

Ferdinand Schmatz: Meine her geleerten Samen und Beeren
mit Christian Nickel
10. Mai (im Rahmen der Eröffnung), 14. Mai, 18. Mai, 1. Juni, 4. Juni in der Secession

Ferdinand Schmatz (*1953 in Korneuburg, lebt in Wien) ist Herausgeber des Nachlasses von Reinhard Priessnitz, schreibt Gedichte, Romane und Essays und unterrichtet an der Universität für angewandte Kunst. Ein Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Wiener Gruppe mit ihrer Utopie einer fragmentarischen Neuordnung der Welt. Seine Gedichte sind „pure Lust an der Sprache“, schreibt Wendelin Schmidt-Dengler, „sensibel und nicht gefühlsduselig, witzig und nicht spaßig, genau und nicht spröde, rätselhaft und nicht unklar, subjektiv und nicht diffus, formbewusst und nicht formalistisch“.
 

Gustav Ernst: Lob der Eigenverantwortung
mit Julia Jelinek
14. Mai, 18. Mai, 21. Mai, 28. Mai in der Secession

Gustav Ernst (*1944 in Wien, wo er auch lebt) ist Mitherausgeber der Zeitschrift Kolik und schreibt seit den 1960er-Jahren Theaterstücke und Romane, die die Gesellschaft sezieren, u.a. „Die Frau des Kanzlers“ über die Regierungszeit von Schwarz-Blau. In seinen Stücken haben die Körper das Sagen. Um sie herum entsteht eine erotisch aufgeladene Welt der Polemik und der Revolte. Die Sprache der Körper hat ihre eigenen aufklärerischen Ziele.
 

Ewald Palmetshofer: wir – nicht (RIOT OF FORM)
mit Marthe Lola Deutschmann, Anna Krestel, Balint Toth, Leitung: Matthias Rippert)
14. Mai, 21. Mai, 25. Mai, 4. Juni, 11. Juni, 15. Juni in der Secession
in Kooperation mit dem Max Reinhard Seminar

Ewald Palmetshofer (*1978 in Linz, lebt in Wien) schreibt Theaterstücke, in denen nach Gerechtigkeit gefragt wird. Das Misstrauen gegenüber der herkömmlichen Sprache lässt seine Figuren auf artifizielle Weise sehr direkt werden. In seinem Stück „herzwurst, immer alles eine tochter“ fragen sie ins moralische Zentrum der Politik: „Was wäre, wenn wir unsere Politiker beim Wort nähmen? Was, wenn sie uns wirklich aus dem Herzen sprächen? Dafür müsste der Präsident schon ein guter sein, voll Gutheit. Ja Gutheit. Denn Gute, das ginge zu weit.“
 

Judith Nika Pfeifer: LOOP
mit Benedikta Manzano
10. Mai (im Rahmen der Eröffnung), 14. Mai, 18. Mai, 21. Mai in der Secession

Judith Nika Pfeifer (*1975 in Grieskirchen, lebt in Wien) schreibt Gedichte, in denen sie von Alltagsbeobachtungen ausgehend gegenwärtige Kommunikationsformen testet. Sie orientiert sich an SMS, Twitter, Facebook und digitalen Graffitis, fragmentiert, montiert und verdichtet ihr Material zu Kurz- und Kürzestmitteilungen, persönlichen Formeln, die einen Durchblick gewähren, eine blitzartige Erkenntnis von Zusammenhängen, die die heutige Welt laufend produziert, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben.
 

Franz Schuh: DUNKELBLAU MIT WEISSEN STREIFEN
mit Ernst Mathon
14. Mai, 21. Mai, 28. Mai, 4. Juni, 11. Juni in der Secession

Franz Schuh (*1947 in Wien, wo er auch lebt) schreibt Romane und Essays, in denen er wie der berühmte Lumpensammler der Geschichte das Weggeworfene aufspießt und mit diesen Fundstücken bewaffnet in freier Rede eine Kritik der Lebens- und Regierungsform dieses Landes formuliert, die von niemandem bestritten ihr Ziel trifft. „Österreich ist ohnedies kein Land des Freiheitspathos und des freimütigen Sprechens. Das ist die große Chance der Literatur, weil sie eben eine Institution ist, in der frei gesprochen werden muss – sonst war’s keine Literatur.“
 

Thomas Arzt: Meine Jugend eine Armut
mit Raphael von Bargen
18. Mai, 28. Mai, 1. Juni, 11. Juni in der Secession

Thomas Arzt (*1983 in Schlierbach/OÖ, lebt in Wien) schreibt Theaterstücke, in denen die Krisen der Gesellschaft beschleunigt auf uns zukommen. Sein Stück „Grillenparz“ zeigt eine Firma beim Sommerfest, die in ein „kollektives Heimatverbrechen“ verwickelt ist. „Alle wollen ihm entfliehen. Zwischen Geldmensch und Geiltier. Und jeder würde es wieder tun.“ Arzt komprimiert seine Sprache so rauschhaft, dass Lügen nicht mehr greifen und Chaos ausbricht.
 

Thomas Glavinic: Bollidigg
mit Ernst Mathon
18. Mai, 25. Mai, 1. Juni, 15. Juni in der Secession

Thomas Glavinic (*1972 in Graz, lebt in Wien) war als Werbetexter und Taxifahrer tätig und schreibt Romane, Essays und Reportagen. Seine ProtagonistInnen sind Durchschnittstypen, die in einer paranoiden Gesellschaft trickreich überleben und sich in immer neuen, gefährlichen Versuchsanordnungen erproben müssen. Die Art der gleichmäßig schnellen und schnörkellosen Erzählung distanziert sie wie Personen in einem Animationsfilm. In seinem exemplarischen Roman „Die Arbeit der Nacht“ lässt er den letzten überlebenden Menschen über eine neue Gesetzgebung und eine neue Staatsform nachdenken.
 

Franzobel: 93 Rolls Royce
mit Gerhard Spring
21. Mai, 25. Mai, 28. Mai, 15. Juni in der Secession

Franzobel (*1967 in Vöcklabruck, lebt in Wien) schreibt Romane und Theaterstücke, in denen die Lust an der Sprache überaus musikalisch alle Tabus zertrümmert. Er bezeichnet sich selbst als literarischen Aktionisten. In seinem Roman „Was die Männer so treiben, wenn die Frauen im Badezimmer sind“ lässt er den in einen Vogel verwandelten Protagonisten eine gerechtere Gesellschaft einfordern. Für die aus Österreich ausgewiesene 15-jährige Arigona Zogaj verfasste er einen Essay zum Thema Migration.
 

Antonio Fian: Versöhnungsrede
mit Wolf Bachofner
25. Mai, 28. Mai, 1. Juni, 4. Juni, 11. Juni, 15. Juni in der Secession

Antonio Fian (*1956 Klagenfurt, lebt in Wien) schreibt Romane und Hörspiele und analysiert die österreichische Gesellschaft in regelmäßig in Tageszeitungen erscheinenden Dramoletten, in denen PolitikerInnen und Kulturmenschen in starker Verkürzung das sagen, was ihnen ihr Unbewusstes eingibt. Die Wirkung ist surreal. Mit seinem scheinbar unschuldigen Belauschen von Verantwortungsträgern holt er die Wirklichkeit ein wie mit einem verdeckten Videomitschnitt.
 

Kathrin Röggla: Lobbyisten
mit Dorothee Hartinger
25. Mai, 1. Juni, 4. Juni, 11. Juni, 15. Juni in der Secession

Kathrin Röggla (*1971 in Salzburg, lebt in Berlin) schreibt Romane und Theaterstücke, die den medialen Sound der Gegenwart erforschen und vergrößern, und macht damit auf die verführerische Selbstverständlichkeit dieses O-Tons aufmerksam, der alle Fragen entpolitisiert. „Sind wir die Helden in einem Katastrophenfilm?“, heißt es im Klappentext ihres letzten Romans die „alarmbereiten“. Die Menschen darin sprechen höchst unterhaltsam die zu einer Kunstform gewordene Sprache der Medien – mit dem Nebeneffekt, dass zwischen den Sätzen ein Abgrund aufblitzt, der kein Ende nimmt.