28. November 2007

6 Sessions. Sound, Screenings, Lectures, Performances

Idee & Konzept: Nicolas Jasmin, Flora Neuwirth, Rita Vitorelli

Veranstaltungsprogramm

Momus
28. 11. 2007, 20-21 Uhr

Die Projektreihe eröffnet mit einer Performance des schottischen Künstlers Nick Currie aka Momus (*1960). Momus (nach dem griechischen Gott des Spottes) ist vor allem als Musiker und Blogger bekannt, tritt aber auch als Kunstfigur und Performancekünstler in internationalen Galerien und Museen in Erscheinung. So begleitete er beispielsweise die Whitney Biennale 2006 als „Unreliable Tour Guide“ im Sinne seiner „Mission der Missinformation“ mit politischen bis absurden Kommentaren.
In seinem täglichen Blog imomus.livejournal.com zu Pop, Kunst, Architektur, Design, Porno und Alltagsethnologie unterhält Momus mit trockenem Humor eine eingeschworene Fangemeinde. Seit den 1980er Jahren produziert er eklektische Popalben wie CIRCUS MAXIMUS, TENDER PERVERT, OTTO SPOOKY, OSKAR TENNIS CHAMPION oder das 2006 erschienene OCKY MILK. Musikalisch bewegt er sich dabei von der Akustikgitarre über minimalistischen Elektro-Pop bis hin zu Disco und lush synths. Momus lebt und arbeitet in Berlin.

Olga Neuwirth & Burkhard Stangl
5. 12. 2007, 19-21 Uhr

Die Komponistin Olga Neuwirth (*1968) und der Komponist und Performer Burkhard Stangl (*1960) arbeiten seit mehr als 15 Jahren auf vielfältigste Art und Weise musikalisch zusammen. Zu Beginn stand Stangls Interpretentätigkeit auf der elektrischen Gitarre für Kompositionen von Neuwirth im Vordergrund. Die Komponistin setzt die E-Gitarre integral in ihren Werken ein und bringt sie damit im Kontext der Neuen Musik als eine der Wenigen forciert zur Geltung. Nach und nach trat für Neuwirth & Stangl die Live-Performance mit gemeinsam in real time geschaffener Musik in den Mittelpunkt.
Dabei können akustische Instrumente wie Stahlsaitengitarre, Zither oder Vibraphon ebenso zum Einsatz kommen wie Theremin, E-Gitarre, Effektgeräte oder Laptop. Neuwirth war zuletzt u.a. auf der documenta 12 vertreten und arbeitet derzeit an einer Filmmusik für Michael Glawogger sowie an ihrer HOMMAGE À KLAUS NOMI. Stangl hat mit Gitarre und electronic devices, oftmals im Zusammenhang mit Film und Bildender Kunst, zahlreiche Schallplatten und CDs veröffentlicht, u.a. auf den Labels Hat Art, Erstwhile und durian. In der Secession performen Neuwirth & Stangl mit Theremin, “electric wheel”, Computer und E-Gitarre.

MUSIC:MIRROR:PROPHECY
13. 12. 2007, 19-21 Uhr

Die von Axel Stockburger (*1974) präsentierten Filme der amerikanischen Künstler Gabriel Shalom und Nate Harrison waren erstmals in Europa 2005 in dem von Cornelia und Holger Lund organisierten Screening-Programm FLUCTUATING IMAGES in Stuttgart zu sehen.

HOUSE (USA, 2005) von Gabriel Shalom ist eine Videodokumentation über die verschiedenen Stile der House-Musik und die entsprechenden Musik­maschinen, wie etwa die legendäre Roland TB 303 Bass Line.

BASSLINE BASELINE von Nate Harrison (USA, 2005) ist ein Videoessay, der die Erfindung, den Misserfolg und den anschließenden Wiederaufstieg der Roland TB 303 Bass Line über die letzten zwei Dekaden des 20. Jahrhunderts verfolgt. Im Anschluss an das Screening wird Axel Stockburger ausgehend von einer Überlegung des französischen Theoretikers Jacques Attali auf die Frage eingehen, inwiefern Entwicklungen im Bereich technologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte des musikalischen Feldes oftmals Konsequenzen für die gesamte kulturelle Landschaft nach sich ziehen.

L’ABECEDAIRE DE GILLES DELEUZE
9. 1. 2008, 19-21 Uhr

Der 1988 von Pierre-André Boutang produzierte und erstmals 1996 auf ARTE ausgestrahlte Film L’ABÉCÉDAIRE DE GILLES DELEUZE zeigt ein achtstündiges Interview mit dem französischen Philosophen. Das ABÉCEDAIRE ist der einzige Deleuze gewidmete Film und präsentiert einen Denker, der sich immer geweigert hat, im Fernsehen aufzutreten. Dieses eine Mal akzeptiert Deleuze, sich von seiner Schülerin und damaligen Lebensgefährtin, der Journalistin Claire Parnet, anhand eines selbstgewählten Fragenkatalogs von A wie ANIMAL bis Z wie ZIG-ZAG interviewen zu lassen – unter der Bedingung, dass der Film erst nach seinem Tod ausgestrahlt wird. Im Interview erläutert Deleuze einige seiner zentralen Ideen und Konzepte, geht aber auch auf persönliche Fragen in Verbindung mit seiner philosophischen Arbeit ein. Nicht nur wegen Deleuzes’ charismatischem Auftreten, auch infolge seines Eintretens für eine Philosophie auf der Ebene der Populärkultur wurde der Film ein großer Erfolg. In einer ebenso präzisen wie konkreten und metaphernreichen Sprache gehalten, repräsentiert das ABÉCÉDAIRE eines der bestgelungenen Fernsehinterviews mit einem Intellektuellen. In der Secession werden nach einem einführenden Vortrag des Wiener Schriftstellers und Filmwissenschaftlers Thomas Ballhausen (*1975) Ausschnitte der französischen Originalversion mit deutscher Simultanübersetzung gezeigt.

Ulrich Troyer feat. Kassian Troyer
16. 1. 2008, 19-21 Uhr

Seit seinem Debut mit der CD NOK (2000) auf dem legendären Label Mego überrascht der in Wien lebende Musiker und Künstler Ulrich Troyer (*1973) immer wieder mit spannenden musikalischen Wendungen und Umleitungen. So hat er z.B. mit seinem Hörspiel SEHEN MIT OHREN aus dem Jahr 2005 Raumerfahrungen von Blinden mit Alltagsgeräuschen überlagert und diese zu einer Soundcollage verdichtet. Neben Soundperformances und Klanginstallationen, die er oft in Zusammenarbeit mit seinem in Berlin lebenden Bruder Kassian Troyer (*1977) realisiert, tritt Ulrich Troyer auch als Mitglied des 1. Wiener Gemüseorchesters auf. Was hat ein Musiker mit einer ausgesprochenen Leiden­schaft fürs Kochen und das Zeichnen von Cartoons zu bieten? Man könnte sagen, er hat entgegen dem Kühlen der digitalen Welt die Zutaten des Analogen neu entdeckt und damit immer wieder warme, humorvolle und großzügige Sounds produziert. Brian Eno würde es lieben?! Für die Secession wird Ulrich Troyer gemeinsam mit Kassian Troyer ein neues Live-Set präsentieren.

Serhat Köksal / Gerwald Rockenschaub
25. 1. 2008, 19-02 Uhr

Der türkische Künstler Serhat Köksal (*1968) gründete 1986 in Istanbul sein Multimedia-Projekt 2/5 BZ, das er kontinuierlich in unterschiedlichsten Formaten weiterentwickelt, von Video-Collagen über Tapes, CD-ROMs und Audio-CDs bis hin zu fotokopierten Heftchen und Live-Performances. Köksals Performances sind opulente Montagen aus traditioneller Musik, experimentellen elektronischen Sounds und Bildern aus Fernsehen und B-Movies, vereint in einer dadaistischen Konfrontation von Pop, Orientalismus, Kitsch, Comic und Folklore. Jenseits von Exotismen oder Ethnozismen und mit Hilfe von eigenen Aufzeichnungen, Samples und Found Footage erforscht er kulturelle Klischees, Remakes und copy cultures sowie deren Effekte auf die ökonomische und politische Situation von Individuen und leistet damit einen Beitrag zur kritischen und humorvollen Wiederverwertung von Massenkultur. Als Abschluss der Projektreihe wird Köksal gemeinsam mit dem österreichischen und in Berlin lebenden Künstler Gerwald Rockenschaub (*1952), der als digital DJ auftreten wird, für einen Abend die Secession „rocken“.