Hausmodell, Foto: Lisa Rastl

Bautypologie

Die Secession, eines der bedeutendsten Kunstwerke des Wiener Jugendstils, zeigt im Grund- und Aufriss eine sehr einfache Geometrie. Das Gebäude bedeckt rund 1000m2 Grundfläche und ist über einem zentralisierenden Grundriss errichtet. Für den Eingangs- und Ausstellungstrakt verschränkt Olbrich das Grundmotiv eines Quadrats zu mehreren kreuzförmigen Ordnungen. Aus diesem Grundriss-Schema wird wiederum der Aufriss und damit die gesamte plastische Gestalt des Gebäudes entwickelt.

Joseph Maria Olbrich, Grundriss für das Parterre der Secession, 1898, Archiv der Secession

Beim Außenbau erhält die ungebrochene Fläche überragende Bedeutung. Durch die vielfach geschlossenen Wände wirkt der Bau von außen wie aus massiven Kuben aufgebaut. Die strenge Geometrie wird jedoch von Olbrich nur als genereller Rahmen verwendet, den er mit geschwungenen Linien, Kurvaturen und Überschneidungen umspielt.

Olbrich gliedert das Gebäude in zwei Bereiche, in den „repräsentativen“ Eingangsbereich und den „funktionalen“ Ausstellungstrakt. Der Eingangsbereich wird von hermetischen Blöcken flankiert und von vier Pylonen überragt, welche die Kuppel umfassen. Der Ausstellungsraum ist nach basilikalem Schema in ein erhöhtes Mittelschiff, zwei niedrigere Seitenschiffe und ein abschließendes Querschiff gegliedert; er ist fast zur Gänze mit zeltartigen Glasdächern überdeckt, die dem Innenraum gleichmäßiges Licht geben.

Symbolsprache der Architektur

Der Lorbeer ist das dominierende symbolische Element am fertigen Bau. Er findet sich auf den Pilastern des Vordertraktes und der Eingangsnische wieder, er zeigt sich an verschiedenen Kranzmotiven an der Seitenfassade und er überragt das Gebäude in der aus 2500 vergoldeten Blättern und 311 Beeren bestehenden Kuppel.

Detail der Secessionskuppel, Foto: Katarina ŠoškićDetail der Secessionskuppel, Foto: Katarina Šoškić

Den Eingangsbereich zieren außerdem drei Gorgonenhäupter, die die architektonischen, bildhauerischen und malerischen Künste repräsentieren. An den Seitenfronten befinden sich von Joseph Maria Olbrich (nach Entwürfen von Kolo Moser) selbst gestaltete Eulen. Gorgonen und Eulen sind das Symbol der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit, des Sieges und der handwerklichen Künste. Joseph Maria Olbrich verband den Bau mit einer symbolischen Zeichensprache, die hier eine neue und unakademische Anwendung fand.

Detail der Fassade: Eulen, Foto: Wolfgang Thaler