Artist Residency von Secession und Hotel Beethoven Wien

Von Mitte Februar bis Ende März 2021 waren die beiden KünstlerInnen Pierre-Olivier Arnaud und Laleh Kaezmi Veisari auf Einladung der Secession und des Hotel Beethoven Wien zu Gast. Im Rahmen einer Artist Residency lebten und arbeiteten die beiden für sechs Wochen in der Stadt. In ihren Ateliers von Kreative Räume Wien entstanden neue Arbeiten zum Thema Display, Transformation und Distanz.

Das Hotel Beethoven Wien stellte in Kooperation mit der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession zwei jeweils sechswöchige Artist Residencies zur Verfügung. Die gemeinsame Initiative war zur Förderung von KünstlerInnen gedacht, die jeweils über einen Zeitraum von sechs Wochen Anfang 2021 in Wien recherchieren oder arbeiten möchten. Die Artist Residency wurde international und genreübergreifend ausgeschrieben und richtete sich an alle KünstlerInnen, die in den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Performance und Neue Medien tätig sind.

Die Jury, die über die Vergabe der Arbeitsstipendien entschieden hat, bestand aus Herwig Kempinger, Ute Müller, Florian Pumhösl sowie Barbara Ludwig, Kunstförderin und Eigentümerin des Hotel Beethoven.

 

Pierre-Olivier Arnaud
Seit den frühen 2000er-Jahren hinterfragt Pierre-Olivier Arnauds fotografisches Werk das Wesen von Bildern, ihre Erscheinungsformen und Verbreitung. Seine Herangehensweise reiht sich ein in die Tradition von Praktiken, die auf dem Abfotografieren von Bildern beruhen; die von Arnaud geschaffenen Fotos sind also immer Bilder zweiter Hand, schon gesehene und gebrauchte Bilder. Ob aus Magazinen entnommen oder vom Künstler selbst während seiner Stadtspaziergänge – die ein wichtiger Teil seiner Praxis sind – aufgenommen, sie sind bar jeder Art von Originalität. All diese Bilder ließen sich als bruchstückhafte Spuren einer sichtbaren Welt lesen, die ob ihrer eigenen Monotonie verstummt ist, sodass ihre Bedeutungen unwiederbringlich verloren sind.
Eine radikale Entleerung der Fotografie verdunkelt ihren Gegenstand wie auch jeden spektakulären Effekt und fungiert so als „Desublimierung“, wie der Künstler bemerkt. Aber die Verarmung des mechanisch nachgedruckten Bildes erlaubt es auch, seine Fähigkeit auf die Probe zu stellen, Affekte und abgegriffene Signifikanten in sich aufzunehmen. So erreichen uns am Ende das durchscheinende Leuchten dieses verloschenen Feuerwerks, die Sinnlichkeit dieser Grauschattierungen doch noch.
Der Status der Arbeit (Einzelstück oder Multiple) verhandelt diese Ambivalenz wie die ihrer eigenen Materialität (zwischen Präsenz und Verschwinden). Schließlich vollzieht sich eine offenkundig politische doppelte Bewegung, wenn der Künstler die Fotos aus Magazinen verstreut: Diese wiederkehrenden Bilder, die aus dem Schatten der Ruinen der Moderne wie dem Lichtschein des Spätkapitalismus hervortreten, eignen sich nunmehr diejenigen an, die sie mitnehmen.

Pierre-Olivier Arnaud, geb. 1972, lebt und arbeitet in Lyon (FR).

 

Laleh Kazemi Veisari
Die interdisziplinäre Praxis der schwedischen Künstlerin Laleh Kazemi Veisari verbindet Zeichnung und Malerei mit Skulptur und schriftstellerischer Arbeit. In kollaborativen Prozessen erforscht sie das gesellschaftliche und ökologische Imaginäre. Abstraktion, Maßstab und Distanz sind die Werkzeuge, mit denen sie Installationen schafft, die diesen Analyse- und Reflexionsrahmen ermessen.
Nach dem Abschluss ihres Kunststudiums an der Konstfack University of Arts, Crafts and Design in Stockholm gewann Laleh Kazemi Veisari 2019 ein Atelier- und Arbeitsstipendium der Königlich Schwedischen Akademie der freien Künste in Stockholm. Ihre Werke befinden sich in mehreren öffentlichen Kunstsammlungen in Schweden.

Laleh Kazemi Veisari, geb. 1983, lebt und arbeitet in Stockholm (SE).

Photos: © Kreativräume Wien