TRESPASSING - Konturen räumlichen Handelns

EINLEITUNG INTERVIEWS
März – Mai 2002
WORKSHOP
22. – 23. 6. 2002
AUSSTELLUNG
13. 9. – 3. 11. 2002
TEILNEHMERINNEN ENGLISH



Phase 2 – Workshop


Teilnehmende ArchitektInnen/Teams

C2S2 (AUT) - Claudia Schmid; con: (AUT) - Bernd Knaller, Heidi Pretterhofer, Dieter Spath; FAT (GB) - Sam Jacobs; The next Enterprise (AUT) - Marie-Therese Harnoncourt, Ernst J. Fuchs; Offshore (NL) - Peter Trummer, Astrid Piber, Hannes Pfau; Pauhof (AUT) - Michael Hofstätter; R&Sie (F) - Stephanie Lavaux, Francois Roche; Schie 2.0 (NL) - Lucas Verweij; Splitterwerk (AUT) - Edith Hemmrich, Mark Blaschitz; Klaus Stattmann (AUT); Wolfgang Tschapeller (AUT)


Theoretische Kommentare

Sanford Kwinter (Architekturtheoretiker, Autor und Herausgeber, USA); Michael Mönninger (Architekturkritiker, Die Welt, GER); Marc Ries (Medien- und Filmtheoretiker, AUT); Oliver Schürer (Autor, AUT); Robert Thum (Bartlett, GB);



Ausschnitte aus den Trespassing Workshop Diskussionen



"Der Integrationsprozess hat eben erst begonnen, ihr habt euch vor diesem Wochenende nicht als Leute gesehen, die in einer Großkooperation arbeiten - ihr könnt unmöglich jetzt Aussagen darüber treffen, was sich ergeben könnte. Wie immer das Ergebnis auch aussieht, seht es als etwas Temporäres, etwas, dass viele Male überarbeitet werden wird." (Kwinter)


Michael Mönninger

"Alle beschäftigen sich mit Untersuchungen, mit theoretischen Dingen wie Wahrnehmungstheorie, Form, Boden, selbst-generierende Formprinzipien und so weiter. Wie können wir diese Energie nutzen für andere notwendige, großangelegte und breitgefächerte Aufgabenbereiche, wie können wir die Energie von der theoretischen Forschung in andere Bereiche bringen, außerhalb des Berufsbildes?" (Mönninger)


Oliver Schürer

"Als Architekten sind wir Konsumenten zweiter Ordnung, wir übergeben die Technologie den Menschen, ihrem Geist, ihrem Körper." (Schürer)

"Unser Umgang mit Raum ist ein sehr defensiver, ein sehr passiver. Wenn man sich das vergangene Jahrhundert ansieht, dann stellt sich die Entwicklung des bebauten Raums, der Architektur als ein Verbrauchen von Raum zur Vermeidung von sozialen Konflikten dar. Wie kann man dieses stetig zunehmende Verbrauchen von Raum wieder in soziale Korporationen zurück verwandeln?" (Mönninger)



"Bei ‚Trespassing' geht es darum, eine Haltung zu zeigen, eine Position, was grundsätzlich bedeuten könnte, dass es eine Ausstellung gibt, die radikale Praktiken aufzeigt. Es geht um das Thema, wie wir Architektur praktizieren, und um die Frage, ob es ein Medium gibt, das wir definieren können, und das es Außenstehenden ermöglicht, die Wirkung unserer Praktiken zu erkennen." (offshore)

"Geht es darum, dass wir alle ein Produkt wollen, das nichts mit dem zu tun hat, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, sondern etwas, das wir gemeinsam auf dieser Grundlage hier machen?" (The next ENTERprise)


Angelika Fitz, Sandrine von Klot

"Was bedeutet das, ‚eine gemeinsame Aufgabenstellung'?" (Offshore)

"Architekten partizipieren und stützen sich auf ihre eigene geschichtliche Erfahrung auf eine Art und Weise, die für sie selbst meist unklar ist, in manchen Fällen auch relativ klar, aber das stellt schon eine Art Wandel dar, der immer mehr das Potential, den Lebenssaft für Innovation und die Produktion des ‚Neuen' der heutigen Zeit darstellt. Er stützt sich immer mehr auf Erfahrungen, die nicht speziell innerhalb des Bereichs der Architektur liegen, kulturelle Erfahrungen, Geschichte usw. Architekten müssen, und das tun sie auch, in zwei differenten Modi die grundlegenden, ursprünglichen Fragen in Bezug auf die Gesellschaft, das menschliche Schicksal, die materielle Welt, die Geschichte behandeln." (Kwinter)



"Wir produzieren keine Atmosphäre, sondern entwickeln immer existentielle Erfahrungsebenen." (Pauhof)

"Bedenken habe ich nur gegen freiwillige Kleinheit in der Architektur. Das ist das einzige, mit dem ich schwer zurecht komme, und das ich für überholt erklären würde." (Kwinter)



"Wir haben so zum Beispiel im Zentrum für Irritation gesorgt, indem wir ein 3 km langes Gebäude vom Praterstern zur UNO-City entworfen haben, und es wird uns gerade immer wieder vorgeworfen, nicht vorsichtig genug zu sein." (Pauhof)


Francois Roche

"Wir befinden uns in einer Situation, wo wir nicht wissen, was los ist, also sind wir in der Stadt und machen Mikroarchitektur. Wenn man mit einem Virus anfängt, kann man alles verändern, eben mit dem System der Kontamination." (R&Sie)



"Bei Trends wie Parasitismus, Camouflage und Software-Wahn, die aus der Szene, in der ich lebe und arbeite, schon verschwunden sind, will ich immer den Kontext kennen, der denjenigen Bedeutung verleiht, die sie verwenden." (Kwinter)

"Wir erleben das Ende der US-Hegemonie in der Architektur." (R&Sie)


Lucas Verweij

"Autonomie ist ein sehr beliebter Wunschtraum in der westlichen Gesellschaft." (Schie 2.0)

"Seid Ihr sicher, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Produkt ist, eine weitere liberale Geschichte?" (R&Sie)

"Während die Arbeit von Architekten im Allgemeinen als etwas Externes angesehen wird, ist es wichtig zu wissen, dass ein großer Teil der Architekturproduktion sowohl in seiner kreativen als auch in seiner institutionellen Formulierung in erster Linie ein Akt der Selbstdarstellung ist." (Schürer)


Sam Jacobs

"Was ist der nächste Schritt, sind es ‚supergroups' [Riesen-Teams]?" (FAT)

"Es ist immer wichtig, wie die NutzerInnen mit den von Architekten errichteten Strukturen konfrontiert werden." (The next ENTERprise)


Marc Ries

"Wir müssen uns mit der Vielfältigkeit der Globalisierung auseinandersetzen. Wir müssen eine neue Lebensfähigkeit entwickeln." (Ries)

"Die Architektur muss sich selbst vollkommen neu erfinden, wenn sie auf diese neuen medialen Parameter reagieren will ... Meine Frage lautet: Wie sehen die Reaktionen des medialen Raumes innerhalb des konkreten sozialen Raumes aus?" (Ries)

"Die Erfindung des Fernsehens in den fünfziger Jahren fand in der Architektur einen schockierend geringen Niederschlag." (Schie 2.0)

"Der Inhalt, den die neuen medialen Räume liefern, ist insofern spannend, als der körperliche Raum beinahe irrelevant wird." (Schie 2.0)


Claudia Schmid

"Man muss immer auf den menschlichen Bezugspunkt zurückkommen, nämlich das körperliche Sein, den Körper, seine physischen Grenzen, und genau hier bleibt die Architektur relevant. Wir können uns noch nicht auflösen." (C2S2)


Robert Thum

"Die Unterscheidung zwischen bebautem Raum und sozialem Raum wird traditionellerweise als eine Anordnung von Materie, von Dingen gesehen, und die Architektur beschäftigt sich in ihrer theoretischen Tradition sehr oft mit diesen Themen. Ich meine, dass es einen anderen Zugang zu gebautem Raum gibt, nämlich ihn als die Eigenschaften, die durch Interaktionen von einzelnen Gruppen entstehen, zu verstehen." (Thume)

"Viele von euch verwenden bereits jetzt Verfahren auf unterschiedliche Art und Weise, um eine Form mit einem interaktiven Problem zu erzeugen." (Thume)

"Mit Marshall McLuhan sagen wir: eine Glühbirne ist Information." (FAT)


Splitterwerk

"Den Raum verwenden wie im Hip Hop, wo der Raum zwischen den Dingen, die verwendet werden und ihren Bezug anderswo haben - der Raum zwischen Objekten genauso wichtig wird." (FAT)

"Seid ihr sicher, dass die Ikonen, die ihr verwendet, wirklich so populär sind?" (R&Sie)


Peter Trummer

"Wir haben die Frage nie beantwortet, ob wir uns für Popkultur interessieren, oder ob wir überhaupt Populisten sind. Ich glaube nicht, dass wir das sind, wir sind wahrscheinlich unglaublich elitär." (FAT)

"Wir haben Projekte gemacht, die gewissermaßen neo-klassizistisch sind, aber auch eine Kreuzung mit Gordon Matta-Clark." (FAT)

"Wir bringen in ein Projekt üblicherweise Taktik ein, nicht Ästhetik." (FAT)



"Ihr habt eine romantische, eine nostalgische Sicht der Popkultur - heutzutage geht es in der Popkultur nur um die Darstellung von Sex, euer Verständnis der Popkultur weist in die Vergangenheit, in die Zeit der Postmoderne." (R&Sie)

"Wenn man die Dinge auf wissenschaftliche Weise stichhaltig machen will, muss man das Problem auf so einfache Art darstellen, dass es sehr schwierig wird, Individualität einzubringen - ein Problem, dem ich selbst und die empirische Wissenschaft im Allgemeinen gegenüberstehen." (C2S2)


con:

"Wir sind ein Büro für Raumplanung und Architektur, wir bewegen uns von der Architektur zur temporären Raumplanung, zum kreativen Prozess-Management, zum Mediations-Management." (con:)

"OK, dann wussten wir, dass das Projekt in den medialen Raum übergegangen war, und es war uns bewusst, dass wir den Raum nicht mehr schufen." (con:)



TAG 1 – Samstag, 22. Juni 2002: MODES OF TRESPASSING

Am ersten Tag finden jeweils ca. zwanzigminütige Präsentationen der teilnehmenden ArchitektInnenteams statt. Für die Präsentationen erhält jedes Team oder jede/r ArchitektIn ein kurzes Einzelbriefing auf Basis der Atelierinterviews. Diese Briefings fassen zentrale Anliegen, Interessen und Strategien der jeweiligen Arbeit zusammen, wie sie zuvor in den Trespassing-Interviews diskutiert wurden. Sie betonen auch spezifisch aufgetretene Fragen, die wir gerne weiter diskutieren würden. Um Feedback zu bekommen, wird es zusätzlich theoretische Kommentare (inkl. Kurzvorträge) und Diskussionen geben.

     
10.00   1. SESSION: Social? Mapping? (Sozial? Kartierung?)
   
"mental maps" - Medienraum - Neukartierung sozialer Codes und sozialer Prozesse - auf der Suche nach neuen Typologien - Subversions- und Ausbruchsstrategien: das Individuum und die Gesellschaft
         
    Begrüßung, Einführung, Moderation:   Angelika Fitz, Sandrine von Klot
10.15 – 11.45   Präsentationen:   C2S2 (AUT),  con: (AUT),  FAT (GB),  Splitterwerk (AUT)
12.00 – 12.45   Theoretische Kommentare:   Marc Ries (AUT),  Robert Thum (GB)
13.00 – 13.30   Diskussion    
         
13.30   Mittagspause (Büffet wird am Veranstaltungsort bereitgestellt)
         
         
14.30   2. SESSION: Modelling Regulations - Modelling Space (Regulationsmodelle - Raummodelle)
   
motivierte Form - das Allgemeine zitieren - die Permanenz der Prozesse / Aspekte des performativen Raums - Antitypologien - kollektive und private Raumdiagramme - gegensätzliche Objektlösungen
         
    Einführung, Moderation:   Angelika Fitz, Sandrine von Klot
14.45 – 16.15   Präsentationen:   The next Enterprise (AUT),  Offshore (NL),  Pauhof (AUT),  Schie 2.0 (NL)
16.30 – 17.15   Theoretische Kommentare:   Michael Mönninger (GER),  Oliver Schürer (AUT)
17.30 – 18.00   Diskussion    
         
18.00   Imbiss / Kaffeepause    
         
         
18.30   3. SESSION: no more figure, no more ground (keine Figur mehr, kein Hintergrund mehr)
   
die Neukonfiguration des Kontexts - die Re-Konstruktion des Raums, des Programms und der NutzerInnen - biologische/ ökologische/ technologische Oberflächen - das Potential hybrider Identitäten
         
    Einführung, Moderation:   Angelika Fitz, Sandrine von Klot
18.45 – 19.45   Präsentationen:   R & Sie (F),  Stattmann (AUT),  Tschapeller (AUT)
20.00 – 20.30   Theoretische Kommentare:   Sanford Kwinter (USA)
20.30 – 21.00   Diskussion    
         
21. 30   Abendessen (Ende von Tag 1)    
   



   
Tag 2 – Sonntag, 23. Juni 2002:
 

MODES OF TRESPASSING
Kommunikationsstrategien - Architektur vermitteln und darstellen


10.00   1. SESSION: "Architectural Exhibition" as a Format (Die "Architekturausstellung" als Format)
   
(Selbst-)Darstellung von Architektur - (Selbst-)Darstellung eines ProduzentInnenforums - Raumkonzepte ausstellen - dreidimensional, kommunikativ und referenziell: Hinterfragen der Installation innerhalb der Institution
         
    Einführung, Moderation:   Angelika Fitz, Sandrine von Klot
10.15 – 10.45   Führung:   durch das Gebäude der Secession, Annette Südbeck (Secession)
11.00 – 11.20   Präsentation 1:   Der historische und gegenwärtige Kontext der Secession als selbstorganisierter Raum zur künstlerischen Selbstdarstellung, Rike Frank (Secession)
11.30 – 11.50   Präsentation 2:   Kurzvortrag zu technischen und operativen Fragen, Annette Südbeck (Secession)
11.30 – 12.00   Fragen/Diskussion    
         
12.00   Mittagspause (Büffet wird am Veranstaltungsort bereitgestellt)
         
         
13.00 – 15.30   2. SESSION: Arbeitssitzung
   
Die teilnehmenden ArchitektInnen entwickeln Strategien/Formate für die Präsentation/Installation
         
         
16.00 – 18.00   3. SESSION: Schlussdiskussion
   
Präsentation der Ausstellungskonzepte/-strategien/-formate - Schlussdiskussion mit allen teilnehmenden ArchitektInnen und Theoretikern.



Informationen

Die Workshopsprache ist Englisch. Es wird von Französisch nach Englisch und von Deutsch nach Englisch gedolmetscht. Übersetzung von Englisch nach Französisch oder Deutsch auf Anfrage. Alle Präsentationen und Kurzvorträge/theoretische Kommentare werden auf Englisch abgehalten und jeweils nicht länger als ca. 20 Minuten dauern.


Präsentationen der Secession

Annette Südbeck (Secession, AUT)
Rike Frank (Secession, AUT)


Übersetzerin/Dolmetscherin

Judith Wolfframm



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Urte Schmitt-Ulms
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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