TRESPASSING - Konturen räumlichen Handelns

EINLEITUNG INTERVIEWS
März – Mai 2002
WORKSHOP
22. – 23. 6. 2002
AUSSTELLUNG
13. 9. – 3. 11. 2002
TEILNEHMERINNEN ENGLISH



Phase1 – Ateliergespräche

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes Trespassing werden in Phase 1 Interviews mit interessierten Architekturschaffenden geführt, ohne damit bereits eine Selektion für eine mögliche Teilnahme zu implizieren. Diese Interviews dienen vorrangig dazu, einen etwas weiter gefassten Blick auf das Selbstverständnis, auf architektonische und gesellschaftspolitische Ansätze der ProduzentInnen im Feld der Architektur zu entwickeln. Die Fragen werden auf Anfrage zur Vorbereitung auf das Gespräch zugesandt. Die Interviews finden in den Atelierräumen statt. Sie werden mit Zustimmung der Interviewten aufgezeichnet und transkribiert sowie für nachfolgende Arbeitsschritte aufbereitet.


Interviews mit den ArchitektInnenteams

con: (Wien), C2S2 (Innsbruck), Ammar Eloueini (Paris), fasch/fuchs (Wien), FAT ltd. (London), Bureau des Mésarchitecture (Paris), Noncon:form (Wien), Offshore (Amsterdam), Ortlos (Graz), PPAG (Wien), PAUHOF (Wien), R & Sie (Paris), Schie 2.0 (Rotterdam), Softroom (London), SPLITTERWERK (Graz), Klaus Stattmann (Wien), Stiefel (Wien), The next ENTERprise (Wien), Wolfgang Tschapeller (Wien)



Auszüge aus den Trespassing Ateliergesprächen


"... Die Idee zu der Open-Source-Plattform ist eigentlich dadurch entstanden, dass ich mir überlegt habe, wie könnte ich meine Doktorarbeit publizieren. Also neben dem, dass man da ein Buch veröffentlichen kann oder wird, sind ja letztendlich auch vor allem die Nachvollziehbarkeit der Programme, der empirischen Studien natürlich interessant. Und was liegt in der heutigen Zeit näher, als das im Web zu machen? ..." (C2S2)

"Ja, meine wissenschaftliche Arbeit, mein Ph.D., an der UIL in London ist für mich persönlich meine interessanteste Arbeit. Es ist ein langfristiges Projekt ist, das auf fünf Jahre insgesamt angelegt ist, wo ich mich sozusagen auf der einen Seite einer wissenschaftlichen Tradition verpflichtet fühle, sprich, einer systemtheoretischen Tradition, und auf der anderen Seite auch einer Entwicklung in der Architektur, die jetzt gerade aktuell stattfindet. Wo ich sozusagen für mich endlich nach langem Suchen eigentlich auch die Chance sehe, das alles zu vereinen, weil ich eben jetzt auch in der Architektur die Möglichkeit habe, systemtheoretische Begriffe erstens anzuwenden und zweitens mit Hilfe von Computerprogrammen umzusetzen." (C2S2)

"Auch wie man vom Projekt zur Weise, wie es dann gebaut wird, kommt, das ist sehr wichtig. Das Problem, das ich nämlich mit vielen Arbeiten habe, die digital gemacht werden, ist dass sie zu einem gewissen Grad zu einer formalen Sache werden, und dann bleiben sie einfach auf dieser Ebene, sie gehen nicht darüber hinaus, und ich glaube, wenn es darum geht, dass man versucht ... einen Brückenschlag versucht zwischen etwas, das am Computer gemacht wird, und sich ansieht, wie man es bauen kann, das ist eine sehr interessante Beziehung." (Elouini)

"An Linien ist so interessant, dass sie die einfachste geometrische Form sind, die man verwenden kann, aber dass sie gleichzeitig mehr als jede andere Form für Interpretationen offen stehen, und der ganze Gedanke hinter dem Diagramm liegt darin, es für Deutungen offen zu lassen und es nicht von Anfang an einzuschränken. Sobald man nämlich anfängt, mit dem Primitiven zu arbeiten, gibt es diese Art von direkter Verbindung, dass man ein Diagramm als Form liest." (Elouini)

"Ich meine, dass natürlich einer der Schlüsselfaktoren, der die ganze Sache als Thema erschlossen hat, der Computer war, der PC, weil das Gerät, das man als Architekt auf seinem Schreibtisch stehen hat, das gleiche ist, das ein Graphik-Designer oder ein Video-Designer auf seinem Schreibtisch hat, es ist praktisch das selbe Gerät. Und die Software ist in all diesen Fällen ziemlich ähnlich, manchmal auch identisch, und die Arbeitsmethoden, die wir verwenden, sind sicherlich sehr ähnlich, natürlich hat jeder seine kleinen Eigenheiten, also sind die Computer eher für dieses oder jenes eingestellt, aber es ist alles sehr gebräuchlich, also hat man die Möglichkeit, alle diese verschiedenen Software-Elemente zu verwenden, und alle diese Techniken zu nutzen, die sich eigentlich auf ein breites Spektrum von Aufgaben anwenden lassen." (Softroom)

"... Wir haben in Holland gelernt, dass es zwei Phänomene gegeben hat. Zum einen gibt es komplett neue Auftraggeber, Auftraggeber, die nicht mehr genau wissen, was sie wollen. Das zweite war, dass durch diese Auftraggeber komplett neue Projekte entstanden sind. 50% von den Projekten, mit denen wir zu tun haben, haben mit einer klassischen Beschreibung, einer GOA, oder in Holland heißt das SR, nichts zu tun. Das sind also Aufgaben, die eigentlich nicht von vornherein definiert sind. Plötzlich sind Techniken aufgekommen, mit denen man überhaupt diese anders gelagerten Projekte kommunizieren konnte. Wir meinen damit nicht ‚Techniken' im akademischen Sinn, als Entwurfsmethode, sondern eigentlich wie in der Praxis, also wie mit den Klienten die Aufgabenstellung formuliert wird." (Offshore)

"... Wie gehst du innerhalb einer Imageproduktion, einer repräsentativen Produktion (das sind wir - wir sind nur repräsentativ - wir bauen nicht wie Kiesler - wir sitzen nicht im Haus und bauen unser Haus), wie gehen wir damit um? Genau dort liegt die Schwierigkeit. Kann man sich davon so weit entfernen? Auf der einen Seite brauchen wir sie, um zu kommunizieren. Auf der anderen Seite können wir sie so weit manipulieren, dass es zu einem anderen Effekt kommt. Deswegen hoffen wir, von sämtlicher Repräsentation wegzukommen. Im Moment gibt es die Tendenz, dass viele gar keine Bilder mehr anschauen können, weil man nicht unterscheiden kann, woher dieses ‚fucking rendering' kommt. Wir hoffen, dass es wieder eine Kultur- bzw. eine Architektur-Produktion gibt, an der wir auch teilhaben können, in der das Produkt an sich zur Diskussion steht ... und wir hoffen, von der Repräsentation wegzukommen und wieder operative Dinge entwerfen zu können." (Offshore)

"... Der Kern ist jetzt eigentlich, sind Architekten, wobei der Ivan einen ganz einen starken Bezug hat, also er ist ausgebildet als Programmierer. Daher die Kompetenz, diese digitale Plattform zu entwickeln. Dann der Martin Frühwirt ist auch Architekt, hat aber ganz einen starken Bezug zum Design, also graphische Gestaltung und Design, und ich bin Architektin, hab auch die Ziviltechnikerprüfung, hab eigentlich die Bauerfahrung. So stellt sich jetzt einmal diese Kompetenzzusammenstellung unseres Teams dar." (Ortlos)

"Wir arbeiten eben nicht mehr mit Ebenen, Linien, Durchdringungen, das interessiert uns alles nicht mehr, Verhältnisse interessieren uns auch nicht mehr, Materialien, wie sie zueinander stehen, interessieren uns nicht, Fußboden, Wand, Decke interessieren uns auch nicht. Uns ist es wichtig, wenn du in einem Innenraum ein Foto machen würdest, und du den Raum nicht ganz super ausleuchten würdest, dann würde der Raum auf dem Foto wie eine Fotografie von einem Bild ausschauen, ganz flach, wie diese Bilder, die wir da jetzt gesehen haben, weil man die Tiefe nicht mehr wirklich erkennt, wenn man es mit einem nicht-geometrischen Muster überzieht. Das irritiert, man kann fast nichts mehr erkennen, außer dem Muster selbst." (SPLITTERWERK)

F: "Nach außen, wie ist es dann, bildet sich dann doch wieder ein Objekt aus, nicht? Wie geht ihr mit dem um?"
A: "Seit drei, vier Jahren ist unsere Vorgehensweise eine, die versucht ... Objekte zu erdenken, die an ihren Orten eigentlich nicht passen; wo man sagt, das stimmt dort nicht, das darf dort so nicht sein, wo ihr sicher auch sagt, nein, also das ist zu groß dort, oder das ist total unpassend dort. Also bei dem Kunsthaus zum Beispiel ... sind wir einfach ganz strikt an die gerade noch möglichen Baugrenzebenen herangegangen .... also es hat keine Form, es geht einfach überall an die Grenze heran, und beansprucht den größtmöglichen Rahmen für sich. Es geht uns dabei auch um Unformen ..."

"… Ich habe nie das Bedürfnis verspürt, ein Haus zu machen. Ich habe nie eines entworfen, es hat für mich keinen Sinn, ein weiteres Haus zu bauen. (...) Jetzt versuchen wir, ein Haus zu machen, das von der Idee her komplett anders ist als diese 800.000. Ich hoffe, dass das der Anfang wird für eine andere und lockerere Art von Haus, eine bewegtere Art von Haus, es ist eine nachhaltige Art, lockerer mit dem Gelände umzugehen." (Schie 2.0)

"... Wie kann ein sinnvoller Beitrag zu einer postmodernen, wohlhabenden Gesellschaft wie der holländischen aussehen? Ich habe mir über diese Frage wirklich schwer den Kopf zerbrochen." (Schie 2.0)

"... Die Architekten verlassen den Schreibtisch und gehen als Arbeiter in die Stadt, das war sozusagen das Motto. Und was suchen wir dort, und da war letztendlich die Frage, wie können wir auch für uns selbst noch andere Erfahrungen dem Raum abgewinnen, als die, die über diese Expertisen und Analysen, die mit unseren Fachbegriffen gemacht werden, hinausgehen. ...Wir sind konditioniert durch unser Fachwissen, und wir wollen aber letztendlich uns auch wieder befreien davon und eine Unmittelbarkeit jetzt von Realität wieder suchen ..." (con:)

"... Wir glauben schon, dass Begriffe eine Kraft haben, Dinge anders lesen zu lassen, also da sind wir bei der Lesbarkeit, und haben dann ganz bewusst nicht gesagt, das ist Küche, das ist jetzt Schlafen, also was können diese Nischen, sondern haben dann versucht, auch mit dem Begriff Tankstelle zum Beispiel, oder dem Begriff Aggregat verschiedene Phänomene einfach zu umschreiben, die dann ein programmatisches Spektrum zulassen ..." (con:)

"... Prinzipiell sind wir ganz stark von unseren persönlichen Bedürfnissen ausgegangen, die man an eine Stadt hat, oder wie man sich zum Beispiel in einer Stadt bewegen möchte, oder wie man sie auch benutzen möchte - ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Es gab kein Programm, sondern nur das Bewusstsein, dass alles, was interessiert, inspiriert, alles, was diese Lust vermittelt, aktiv in Dinge einzutreten ..." (The next ENTERprise)

"Der Benutzer ist bei unseren Projekten immer sehr wichtig. Und was ich ganz am Anfang gesagt habe, dass wir zuerst von den eigenen Bedürfnissen ausgehen und das eigene Agieren untersuchen, das ist auch etwas, was man ja letzten Endes durch die Raumstrukturen, die man macht, auch bei den Benutzern in irgendeiner Form auslösen möchte." (The next ENTERprise)

"Vor allem heute, mit dieser Art von Vorstellung, dass die Maschine statisch ist, und einer Art von frühmodernem Vergleich zu Ozeandampfern, und dass das Dekorative entfernt werden sollte, dass Dekoration kriminell wäre. Dass heißt ja gewissermaßen, einen großen Teil von dem zu verleugnen, worum es bei Architektur geht, nämlich um das Symbolische, und um wichtige, gewissermaßen kommunikative Gesten. Wir bezweifeln eben, dass die Moderne als solche ein dekorativer und ästhetischer Zusatz ist, und überhaupt kein wesentlicher Bestandteil irgendeiner Funktion." (FAT)

"Der Gedanke, dass Architektur Information ist, erscheint besonders relevant, wenn wir nicht in einer Industriegesellschaft leben. Vor allem hier in Westeuropa, und ganz besonders hier in diesem Land, wo es bei 80% der Wirtschaft um Ideen geht, um Dienstleistungen. Es geht also um etwas Unsichtbares. Es geht um Kommunikation, ob nun im wörtlichen Sinn wie beim Fernsehen, oder um die Kommunikation der Finanzmärkte. Wir glauben also, dass das als eine Art Kontext, in dem wir Architektur produzieren, der Schlüssel ist." (FAT)

"... Zu den wichtigsten Dingen gehört eigentlich der Blick in andere Bereiche, die für Architekten äußerst relevant sein können. Für uns waren das Bereiche wie die schönen Künste und Dinge wie Werbung, Kommunikation. ... Eigentlich waren wir aus zwei Gründen interessiert an dem Raum zwischen dem, was ein Architekt ist, und dem, was ein Künstler ist. Wegen der Art und Weise, wie Künstler neu definieren, was es heißt, ein Künstler zu sein. Und was es ist, das sie produzieren, und wie es funktioniert, und was es vermittelt, und lauter solche Dinge. Und wir interessieren uns auch für diese Art von Wirtschaft, wie Kunst kommunizieren kann, im Gegensatz zur Architektur. ... Wir interessieren uns also für die Art und Weise, wie Kunst über alle möglichen Dinge sprechen kann, die sehr wichtig im Leben der Menschen sind, und wir meinen, dass der Großteil der Architektur diese Dinge vollkommen ignoriert, sie nicht als relevant anerkennt, und sich überhaupt nicht mit ihnen beschäftigen will ..." (FAT)

"…die Form an und für sich ist in der Architektur undenkbar, sich auf formal-ästhetische Untersuchungen zu beschränken nicht zielführend. Nimmt man die Probleme der Gegenwart ernst, bedarf es der Erfindungen, muss die Schaffung neuer Wirklichkeiten angestrebt werden." (Pauhof)

"… Monumentalität, im Sinne geistiger Konzentration, ist für uns eine essentielle Kategorie, weil Bedeutungen nicht mehr über Form und kultische Symbole vermittelbar sind. Es gibt eine klare Idee von Dichte, mit der inhärenten Möglichkeit der Differenz, ohne strikt definierte Hierarchien, ohne Zentrum. Der Schwebezustand ist wörtlich zu verstehen. Die Fluchtpunkte lösen sich auf. Wir suchen die Unbegrenztheit im exakt Bestimmten." (Pauhof)

"Es gibt deshalb auch einen Begriff, der total oft verwendet wird, dass sind Mehrwertbudgets, die in der Architektur entstehen, wo ich schon glaube, wo Qualitäten zu finden sind, wobei das nicht erschöpft, was der Begriff ist. Aber ich glaube schon, dass Architektur, gut oder schlecht, so was schafft wie Ereignisräume, die Frage ist nur, wie man sie zugänglich macht. Und ich glaube, je mehr die Architektur diese ermöglicht, um so spannender ist sie." (Noncon:form)

F: "Das Anreichern durch den Kontext, durch den politischen bei eben diesem Projekt, ist das dann ein textliches Anreichern vor allem, oder wie schlägt sich das dann in Projekten nieder?"
A: "Es war ein Verdringlichen von Themen und Ansätzen und politischen Hintergründen oder Haltungen, die wir eh haben und auch einbringen, das sich daraus ergeben hat. ... Wir sind - das klingt jetzt ein bisschen kitschig - aber wir sind partiell ein politisches Projekt als Architekten. Und ein sozioökonomisch reflektierendes. Bei der Kunsthalle ging es stark darum, Wahrnehmungsreflexionen für die Nutzerinnen und Nutzer einzubauen, und so etwas ist immer auch politisch: dass das auch mit Politik zu tun hat, dass es mit Emanzipation zu tun hat, dass es mit selbstbestimmten und sich selbst reflektierenden Menschen zu tun hat, das wurde einfach dringlicher durch die Situation, also haben wir noch mehr über Politik geredet." (Stiefel)

"... dann bleibt es dabei, dass sich Architektur für mich als ein Form-Fall von konstruierter Wirklichkeit darstellt, die abhängig ist, eben von dem Potential, was durch Sozialisierung eben die verschiedensten Spezialfälle von Gesellschaft in sich bergen. Also in Afrika würde ich zu anderen Ergebnissen kommen als in Neuseeland, als in England, als in Deutschland, und das wäre auch die Herausforderung, sozusagen das kulturelle Potential, wo man, oder wo ich den Anreiz darin sehe, dass Architektur als Kulturfall überprüft werden kann, also damit kann ich was anfangen." (Stattmann)

"... Wo sich viele Wünsche [ergeben], und sage ich einmal, also das Haus als Erweiterung des Wunschpotentials, das man als Rezipient dem Objekt gegenüber aufbringt, finden keine Auslöschungen statt, sondern es dient eigentlich viel mehr wie ein Hologramm. Also ein dreidimensionales Objekt, das verschiedenste Standpunkte oder auch Interpretationsebenen zur gleichen Zeit durchdringen lässt." (Stattmann)

"Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen, also ... die Gesellschaft, die sich ihren Durchschnittswünschen überlässt. Also so was wird irgendwie der Entropietod schlechthin, in punkto Langweiligkeit ..." (Stattmann)

"Für das Projekt selbst wurde diese Wabenform zur ‚kritischen Instanz', zu einer Art Filter, der a) die Vorstellungen des Auftraggebers, b) das vorgegebene Raumprogramm, c) vorgestellte Materialitäten und d) die Position des Objektes in der Stadt bestimmen und modulieren kann. (...) Die Wahl der Wabenform, sozusagen als kritische Instanz der Projektentwicklung, verschiebt natürlich das Fadenkreuz vom Nutzer auf das Lagergut. Die Wabe ist eine Organisationsform der Ware, des Lagerns und des Ruhens der Ware. Sie ist sicher keine Organisationsform für die Bewegung des Nutzers, die Raster sind für den Körper zu unpassend und zu eng, zudem verbogen. Die Bewegungen des Nutzers werden wie Ameisengänge in der Dichte der Ware kartographiert." (Tschapeller)

"In einer Diskussion entwickelte Stellarc einmal ein Szenario zum Verhältnis von Körper und Maschine, ich notierte ... ‚mit der zunehmenden Mikro-Miniaturisierung der Maschinen ist der Körper nun eine Landschaft, in der Maschinen funktionieren können ...' und ich möchte jetzt diesen Ansatz so verwenden ... dass mit zunehmender Bebauung und zunehmender Modulation der Oberflächen alles zum Gebäude werden wird (geworden ist), und dass jedes Bauen nur mehr ein Bauen in Gebautem sein kann. Landschaft als topographische Erscheinung verschwindet, jedoch bleiben gewisse prädikativische Züge von Landschaft erhalten (z. B. Erosionen)." (Tschapeller)

"… In den neunziger Jahren sind wir also in einer zweideutigen Phase. Wir beschließen alle, dass wir die digitalen Architekturen vorantreiben müssen, weil es dabei um virtuellen Raum geht, und dass wir jegliche Verbindung mit der Wirklichkeit vergessen können, und wir beschließen, mit Charles Jencks, dass Architektur tot ist. Oder wir versuchen, sie mit der Territorialisierung zu konfrontieren, oder mit ... das ist wirklich schwierig ..."
F: "Was ist also Deine Position in diesem Zwiespalt?"
A: "Irgendwo in der Mitte! … Ich weiß nicht, ob das möglich ist, wir versuchen uns auf Messers Schneide zu halten, aber es wird sehr gefährlich hier auf Messers Schneide. Ich bin selbst schon verwundet worden. Ich habe mich verletzt. Jetzt gibt es einen zweiten Weg, vielleicht ist das interessant, keine Geisteshaltung, aber interessante Werke über Genetik. Das wurde entwickelt von ... vielleicht kennst Du Michel Houellebecq, den französischen Schriftsteller, mit seinen ‚Elementarteilchen', und auch Sloterdijk in Deutschland. Sie bringen etwas ein ... oder wieder ein ... nicht die Schuldhaftigkeit, aber die Art und Weise, wie man mit der genetischen Mutation umgeht." (R&Sie)



Fragenkatalog

Was für Projekte werden im Büro bearbeitet?
Welche Felder umfassen Ihre Aufträge? (Wohnbau, Schulen, Kulturbauten, ....?) Welche sind am häufigsten?
Welche Bereiche würden Sie besonders interessieren?

Wie viel Zeit investieren Sie in die Architektur? Wochenstunden? Büro? "Nebenjobs"?
Arbeiten Sie in einem Team? Warum? Vor- und Nachteile der Teamarbeit? Gibt es Spezialisierungen, Rollenzuweisungen im Team?

Norm Auftraggeber: wie wird die Position des Auftraggebers/der Auftraggeberin in bezug zum nachfolgenden Architekturentwurf eingeschätzt? Wie wird mit einem vorgegebenen Programm gearbeitet?

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden abgesehen von vorgegebenen programmatischen Parametern gesetzt? Welche Parameter stehen im Zentrum der entwerferischen Tätigkeit und Auseinandersetzung?
Inwieweit folgt der Entwurfsprozess einer inhärenten Logik der Problemlösung?
Existiert, bezogen auf die Bearbeitung der Projekte, ein Begriff der Überschreitung?

Wie wird Überschreitung aufgefasst? An welcher Stelle der Projektbearbeitung wird Überschreitung in der Arbeit selbst thematisiert, ablesbar?
Handelt es sich hierbei um programmatische Ebenen oder sprachliche, gestalterische Ebenen, die infolgedessen den Begriff der Überschreitung behandeln?

Politik der Form: Welche Aktualität hat dieser "Aufruf" der Moderne noch? Beeinflusst das Paradigma der "Politik der Form" formal-gestalterische Entscheidungen? Kann Form überhaupt politisch sein? Und wenn wie?
Kann Form, wie in der Moderne angenommen, aufklärend und emanzipatorisch wirken?
Oder kann sie, wie im Dekonstruktivismus angenommen, Machtverhältnisse, Überkommenes, Gewohntes durch Dekonstruktion auflösen?
Was wären neue, zeitgemäße Strategien für eine Politik der Form?
Inwiefern ist zum Beispiel die Architektur konzeptuelles Objekt oder Informationsträger, wenn Informationen digital vermittelt werden?

Norm-Benutzer: Wie wird das Gegenüber, wie werden die BenutzerInnen konstruiert? Werden die BenutzerInnen als homogene Gruppe von Normsubjekten gedacht? Oder als viele verschiedene einzelne Individuen? Oder als Gruppen, Communities mit Teilidentitäten?
Werden Marginalisierungen von Gruppen, Individuen, die normalerweise "passieren", diskutiert? Wie wird gegengesteuert?

Können Überschreitungen in der Architektur neue Handlungsspielräume für BenutzerInnen eröffnen? Neue Handlungsmuster? Neue handelnde Personen? Teilnahme? Selbstverwirklichung? Freiräume?

Welche Erlebnis-, Erfahrungs- und Überprüfungskriterien werden für den realisierten Raum/die gebaute Architektur angenommen?
Inwieweit wird der einmal geplante Raum als gestalteter Erfahrungsraum aufgefasst?
Steht das Nachvollziehen im Vordergrund oder die nicht-vorgesehene Nutzung?
Wie wird auf Zufälle, Nicht-Vorhersehbares, kulturelle, divergierende Lesarten etc. bereits im Entwurf reagiert?

Wie geht man mit dem Unvorhersehbaren um, wenn die Wahrnehmung und Nutzung von Raum letztlich nicht dem Einfluss des Gestalters/der Gestalterin unterliegt?



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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