PROJEKT FASSADE
MONICA BONVICINI
10. - 16.10. 2000

Das Fassadenprojekt der Secession, entwickelt um Künstlerinnen und
Künstlern Gelegenheit für eine künstlerische Stellungnahme zur politischen
Situation in Österreich zu geben, geht mit einer Arbeit von Monica
Bonvicini nach acht Monaten zu Ende (den Beginn hatte Franz West Ende
Februar dieses Jahres gemacht). Es folgt eine Publikation, die die
realisierten Arbeiten dokumentiert und eine Zusammenschau über die
unterschiedlichen Möglichkeiten der siebzehn gezeigten künstlerischen
Arbeiten erlaubt. (Offener Brief vom Vorstand der Secession an den österreichischen Bundespräsidenten).
Monica Bonvicini, die in Berlin und in Los Angeles lebt und arbeitet und in
diesen beiden Städten auch studierte, wurde 1999 auf der 48. Biennale von
Venedig mit einem Goldenen Löwen für ihre Arbeit auf der dAPERTuttO
ausgezeichnet. Im selben Jahr waren ihre Werke beim Steirischen Herbst in
der Ausstellung "Der Anagrammatische Körper" und auf der 3.
Österreichischen Triennale zur Fotografie zu sehen. Ein Jahr davor hatte
Bonvicini den Boden der "Jungen Szene" Ausstellung im Hauptraum der
Secession mit brüchigen Rigipsplatten ausgelegt.
Bonvicini begann zunächst mit einem Studium der Malerei. Erst mehrere Jahre
später, während ihres Stipendienaufenthaltes in Los Angeles, begann sie ihr
Interesse und ihre künstlerische Praxis auf andere Gattungen zu verlegen:
"Ich las alles, was ich über Minimalisten, Konzept-Kunst und Architektur
finden konnte." Die Verbindung von Architektur, Macht und Geschlecht wurde
in ihren Installationen und Photographien Hauptthema.
Der 'Marlboro-Man', der auf Bonvicinis Transparent auf der Fassade der
Secession reitet, ist ein prototypisches Bild männlicher Mythen, die nicht
nur von der Werbung immer wieder gerne verwendet werden. Freiheit,
männliche Kameradschaft, Eroberungsgeist und Bereitschaft zum Kampf lassen
sich damit assoziieren. Der voranstürmende Cowboy hält nur mit seiner
linken Hand die Zügel, die andere ist zur Faust geballt und erhoben eine
Geste, die man auch politisch umdeuten kann. Darüberhinaus scheinen Pferd
und Reiter aus einem langen rechteckigen (Marlboro-)roten Streifen heraus
zu galoppieren. Abstrakte Farbfläche und pralle Beredsamkeit des Körpers
treffen unmittelbar aufeinander, und ergeben zusammen ein heftiges
metaphernartiges Bild für den Einsatz und die Wirksamkeit von
Männlichkeitsbildern in Werbung und Politik.
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und
Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.