PAUL McCARTHY
12. - 26.9. 2000
 
 

 
 
Nach David Shrigley zeigt die Secession an ihrer Fassade nun das künstlerische Statement von Paul McCarthy zur politischen Situation in Österreich. (Offener Brief vom Vorstand der Secession an den österreichischen Bundespräsidenten).  

 

 
 
Paul McCarthy arbeitet ­ wie so oft bei seinen Videos und Installationen ­ auch bei seinem Projekt für die Secessionsfassade mit Bildern, die sich Kulturen gegenseitig von einander machen, mit Bildern, die nicht differenziert sind, sondern in die Kategorie der Klischees fallen. Die Vorlage für das Motiv an der Fassade ist eine Art Visitkarte zu dem Film "Meine Lieder Meine Träume", der im amerikanischen Original unter dem Titel "Sound of Music" (mit Julie Andrews) bekannt wurde und noch immer in aller Welt in verschiedensten Synchronisationen regelmäßig gespielt wird. Er erzählt die Geschichte der österreichischen Familie Trapp, die vor den Nationalsozialisten von Salzburg in die USA flüchtete und dort mit österreichischen Vollksliedern mit größtem Erfolg auftrat. Die Familie ist in den USA bis heute berühmt. Man kann ja noch immer von einem regen amerikanischen "Sound of Music"-Tourismus sprechen, der den Drehorten in Salzburg nachgeht. Die Visitkarte mit den Namen der beiden Komponisten der Filmmusik liegt auf einer grünen Fläche, einer Wiese, die auf die Naturverbundenheit und 'Natürlichkeit' der Familie Trapp und ihrer Lieder verweisen soll.
 
McCarthy ist nicht an der Film-Erzählung selbst interessiert. Das unterstreicht McCarthy auch mit dem rückwärts abgespielten Videoband auf dem Monitor im Foyer der Secession, das ohne Ton und mit der irritierenden und die Geschichte nicht nachvollziehbar machenden Abspielmethode unsere Aufmerksamkeit auf die Art des Films und nicht auf seine Erzählung lenken soll.
 
McCarthy interessieren vielmehr die 'Bilder', die (in diesem Fall) Hollywood dem amerikanischen Publikum präsentiert ­ die Tracht (Dirndlkleid und Lederhosen), die Musik ­ und diese verallgemeinernd als typisch österreischisch ausgibt. Der Film ist für den Künstler ein typisches Beispiel für die über Medienbilder laufende Zuschreibung von Codes, die die Identität bzw. Erkennbarkeit von Kulturen auf wenige Klischeebilder reduzieren. McCarthy versucht, diese Bilder, die uns über Freizeit- und Massenmedien täglich erreichen, aufzuspüren, auf sie hinzuweisen und sie zu verfremden wenn nicht gleich zu zerstören.

 
Weitere KünstlerInnen u.a. : Monica Bonvicini, Milica Tomic, Heimo Zobernig
 
 
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.