JOSEPH KOSUTH
20.6. - 4.7. 2000
Nach dem Beitrag von Marcus Geiger, mit dem das Fassadenprojekt der
Secession seine Reihe an künstlerischen Statements zur aktuellen
politischen Lage in Österreich die erste Hälfte des Monats bestritten hat (Offener Brief vom Vorstand der Secession an den österreichischen Bundespräsidenten),
zeigen wir eine Arbeit von Joseph Kosuth.
Der Künstler, der ein permanentes Studio in New York hat, lebt schon seit
über einem Dezennium in verschiedenen Städten Europas, u.a. Gent, Berlin
und aktuell Rom. Auch zwei Schwerpunkte, die seine Arbeit von Anbeginn an
geprägt haben, haben ihre Wurzeln in der europäischen Geistesgeschichte
die Psychoanalyse Sigmund Freuds und die Sprachphilosophie Ludwig
Wittgensteins. Kosuth gehört zu den Begründern der Concept Art, wobei
gerade Kosuth versuchte, über die Bedingungen und die Bedeutung von Kunst
mit Hilfe ihrer eigenen ästhetischen Mittel zu sprechen. In seinem Buch
"Art after Philosophy", in dem Überlegungen zu diesem Thema seit 1969
zusammengefaßt sind, beruft sich Kosuth auf die analytische Philosophie und
unterscheidet zwischen einem externen Sachbezug und einem internen
Bedeutungsbezug des künstlerischen Werks.
1989 konzipierte Kosuth auf Einladung der Secession "Ludwig Wittgenstein
Das Spiel des Unsagbaren" aus Anlaß des 100. Geburtstages des Philosophen
mit zahlreichen Werken seiner KünstlerkollegInnen. In jüngster Zeit
entwickelte er im Zuge einer Kunst-am-Bau-Direktvergabe eine
Bodeninstallation mit Texten von Ricarda Huch und Thomas Mann für das
Paul-Löbe Haus (Deutscher Bundestag) in Berlin.
Bezug auf Text hat auch die speziell für das Fassadenprojekt entwickelte
Arbeit "Jede Entschuldigung hilft dem Tyrannen". Es ist ein Zitat aus den
Schriften Aesops, eines griechischen Erzählers, der angeblich Mitte des 6.
Jahrhunderts v. Chr. lebte. Die ihm zugeschriebenen Fabeln gehen
wahrscheinlich auf mündliche Überlieferungen zurück und sind nur in
Überarbeitungen erhalten. Die Fabel als literarische Gattung läßt
menschliche Eigenschaften und Charakteristika von Tieren verkörpern, läßt
eine Parallelwelt entstehen, in der gesellschaftliche Realitäten in klaren
Konturen sichtbar werden. Insofern ist auch die Übertragung eines
Textfragmentes aus Aesops Fabelreich auf die aktuelle politische Situation
eine legitime Methode im Sinne der Gattung und Beispiel für den Umgang mit
der internen Bedeutung und den äußeren Bedingungen eines Werks, wie ihn
Kosuth theoretisch wie praktisch formuliert.
Weitere KünstlerInnen u.a.: Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Renée
Green, Paul McCarthy, David Shrigley, Milica Tomic, Werner Reiterer, Heimo
Zobernig.
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und
Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.