MARCUS GEIGER
5. - 19.6.2000
Das Projekt versammelt an der Fassade des Hauses künstlerische Statements
von österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zur
aktuellen politischen Situation in Österreich. (Offener Brief vom Vorstand der Secession an den österreichischen Bundespräsidenten)
In der Geschichte der Secession wurde der rechte Fassadenteil immer wieder
auch als Affichierungsfläche für Ausstellungsplakate oder als Montagefläche
für Ausstellungstitel verwendet (zu Beginn der Secession, in den 30er
Jahren, besonders wieder in den 70er/80er Jahren). Nun wird sie als
Artikulationsfläche für künstlerische Gedanken und Ausdrucksformen zur
Verfügung gestellt.
Nach mehreren im europäischen bzw. amerikanischen Ausland lebenden
Künstlern, die mit ihren Beiträgen zum Fassadenprojekt ein Statement zur
aktuellen politischen Lage in Österreich abgegeben haben, wird mit Marcus
Geiger ein in Wien arbeitender Künstler gezeigt.
Marcus Geiger, im Aargau in der Schweiz geboren, lebt seit über zwanzig
Jahren in Wien. Er begann zunächst ein Architekturstudium, um kurze Zeit
später an der Akademie bis 1982 Bühnenbild zu studieren. In der Malerei,
die in diesem Rahmen entsteht, setzt er sich mit Farbflächen und Räumen
auseinander. Trotzdem oder gerade deshalb ist er kein Maler: "Mir ist keine
Farbe lieber als eine andere." 1990 entstand das Künstlerbuch "Ich rufe
morgen an", das nur aus der Wiederholung dieses einen Satzes auf den Seiten
des Buches bestand. Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre wurde er vor allem
durch seine Frotteearbeiten bekannt. Bei seiner Einzelausstellung 1998
inder Secession nahm er in einem über die gesamte Fläche des Hauptraums
ausgelegten Teppich Bezug auf das Motiv der "feindlichen Gewalten" im
Klimtfries, und setzte damit seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem
Begriff des 'Kunstwerks' fort. Mit seinem roten Farbanstrich auf dem
Secessionsgebäude entfachte er einen über Österreich hinaus bekannt
gewordenen Skandal. "Mein Thema ist Raum in der Auseinandersetzungmit
Kunst." (Marcus Geiger)
Die Farbfläche, die Marcus Geiger für das Fassadenprojekt entwickelt hat,
steht in Bezug zu zwei Räumen dem öffentlichen gesellschaftlichen Raum
und dem konkreten Ort, an dem sich die Arbeit befindet. Die monochrome
Farbfläche basiert auf der kommerziellen Angebotspallette, der käuflich
erwerbbaren und mit Nummern versehenen und damit codierten Farben. Diese
klar differenzierbaren und genormten Ausgangsfarben wurden durch
sorgfältiges Mischen zu einer abstrakten Farbfläche, die sich jeglicher
bedeutungsgeladenen Schwere und der Gefahr eines didaktischen
Verweischarakters, aber auch eines 'Profils' entzieht. Geiger präsentiert
uns quasi eine 'Nicht-Farbe' eine, die nicht symbolhaft definiert ist,
eine, die nicht sofort zu vorgeprägten Assoziationen anregt. Die Arbeit
steht damit auch in äußerstem Kontrast zur symbolbeladenen Architektur des
Secessionsgebäudes und ihres Bauschmucks. Als Statement zur politischen
Lage in Österreich wird man mit einer Oberflächenschicht konfrontiert, die
nichts sofort und eindeutig in Sprache zu Fassendes aussagt.
Weitere KünstlerInnen u.a.: Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Renée
Green, Joseph Kosuth, Paul McCarthy, David Shrigley, Milica Tomic, Werner
Reiterer, Heimo Zobernig.
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und
Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.