RICHARD PRINCE
22.5. - 4.6. 2000
Das Projekt versammelt an der Fassade des Hauses künstlerische Statements von österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zur aktuellen politischen Situation in Österreich. (Offener Brief vom Vorstand der Secession an den österreichischen Bundespräsidenten)
In der Geschichte der Secession wurde der rechte Fassadenteil immer wieder auch als Affichierungsfläche für Ausstellungsplakate oder als Montagefläche für Ausstellungstitel verwendet (zu Beginn der Secession, in den 30er Jahren, besonders wieder in den 70er/80er Jahren). Nun wird sie als Artikulationsfläche für künstlerische Gedanken und Ausdrucksformen zur Verfügung gestellt.
Das Projekt an der Fassade der Secession wird mit einer Arbeit von Richard Prince fortgesetzt und hat damit nun drei Monate Laufzeit hinter sich.
Richard Prince verwendete ab 1975 schon Fotografie und Text, die er collagierte. Um diese Zeit herum arbeitete Prince auch für das Magazin Time-Life, wobei er Zeitungsausschnitte sammelte und für die Magazin-Autoren nach Themenschwerpunkten zusammenstellte. 1977 begann er, Werbesujets abzufotografieren, oder auch 'öffentliche' Texte zu verwenden , wie in seinem ersten ein Jahr davor publizierten Text "Eleven Conversations" angebliche Zitate von Elvis Presley, die damals auf der Rückseite von Kaugummipapier gedruckt waren. Mit der Verwendung von 'öffentlichem' Material, Bildern und Texten, führte Prince eine Methode in sein Werk ein, die er, wenn auch in Variationen, bewahrt hat. Mit Hilfe der 'ready mades', der gefundenen Bilder und Worte, befragt er ihre Echtheit und Authentizität, prüft, ob sie im öffentlichen Raum vielleicht Teil einer gemeinsamen Sprache sind, die wir alle verstehen. Und er fragt, wo und wer der Autor ist?
Prince nannte die künstlerische Isolierung des Bild/Textmaterials aus seinem ursprünglichen Zusammenhang und die oftmalige Wiederholung derselben Motive in seinen Bildern eine "Social Science Fiction": normal und unheimlich, öffentlich und privat, Fakt und Fiktion sind Unterscheidungen, die bei Richard Prince in ihrer klaren Unterscheidung aufgehoben werden.
Den Witz verwendet Prince seit Mitte der 80er Jahre, zunächst handgeschrieben und mit dazugehörigen Zeichnungen versehen - den Witz, der uns mit Themen wie sexuelle Identität, Klassen- und Rassenzugehörigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz konfrontiert. 1987 begann er dabei mit Siebdruck zu experimentieren, und kam schließlich zu großen, monochromen Leinwänden mit einem einzigen Witz in Siebdruck darauf. Bei aller formalen Weiterentwicklung in seinem Werk beschäftigt sich Prince weiterhin intensiv mit dem in Amerika verbreiteten Humor, seinem Stil, seiner Haltung zu Sex, Rassen, Identität und sozialen Klassen - wie auch auf dem für die Secessionsfassade ausgewählten Witzzitat. Für das Fassadenprojekt der Secession wählte Prince, der sich vor kurzem anläßlich seiner Ausstellung im MAK in Wien aufhielt, einen dieser Witze aus seinem Repertoire aus. So wie die Werbebilder repräsentieren die Witze einen Teil der low-culture, zu deren Charakteristikum besonders auch die Autorenlosigkeit, die Anonymität des Erfinders gehört (Prince spricht von sich als Künstler als "almost me").
Weitere KünstlerInnen u.a. : Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Marcus Geiger, Renée Green, Joseph Kosuth, Paul McCarthy, Milica Tomic, Werner Reiterer, Heimo Zobernig
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und
Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.