JOCHEN GERZ
25. 4. - 8. 5. 2000
 
 
   
 
 
Nach Günter Brus wird das Projekt an der Fassade der Wiener Secession mit einer Arbeit von Jochen Gerz fortgesetzt, ein Projekt, das an der Fassade des Hauses künstlerische Statements von österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zur aktuellen politischen Situation in Österreich versammelt. (Offener Brief vom Vorstand der Secession an den österreichischen Bundespräsidenten)
 
Gerz, in Berlin geboren, lebt seit 1966 in Paris. Zunächst im Umfeld der Visuellen und Konkreten Poesie und als Übersetzer arbeitend, verwendet er den öffentlichen Raum für Interventionen. Ein Jahr später beginnt er mit seinen Foto/Textarbeiten, um in den kommenden Jahren sein Spektrum für eine künstlerische Befragung von Sprache und Bild um Videokunst, Performance und Installationen zu erweitern. Texte und Fotos bleiben die beiden "Vektoren" (Gerz) seiner Arbeit. Das Thema der Kommunikation, im speziellen der verschiedenen Mediatisierungen der Sprache, läßt sich in Gerz' Arbeiten seit dieser Zeit verfolgen.
 
Seit 1984 entstehen Projekte zusammen mit Esther Shalev-Gerz. Internationale Aufmerksamkeit erlangen sie durch das 1986 entstandene "Monument gegen den Faschismus" in Hamburg-Harburg, eine Säule, auf deren bleierner Oberfläche Passanten ihren Kommentar abgeben konnten, während die Säule langsam im Boden versank. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an Kunstakademien entsteht zusammen mit StudentInnen 1993 in Saarbrücken "2146 Steine - Monument gegen den Rassismus". Das Anfang der 90er Jahre mit dem 1. Preis prämierte und zur Realisation bestimmte Mahnmal von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz für Graz-Feliferhof ("Die Gänse vom Feliferhof") wurde allerdings nachträglich zu Fall gebracht.
 
Der wie einem Wörterbuch entnommene Text für das Fassadenprojekt auf Gerz' typisch rotbraunem Hintergrund stammt von ihm selbst ("Barbar, gr.m. Mensch, der sich von Moral blenden läßt, / daher Mitmenschen als solche nicht mehr erkennt, d.h. im / Namen der Moral vernichten kann. /Barbarei, gr. f. Kulturphänomen (betr. meist Taten, die /von Gruppen verübt werden (Österreich).") und wurde in ähnlich großem Format als Leuchtkasten wie auch als Plakat 1993 in Düsseldorf gezeigt - mit (Deutschland) statt (Österreich) als Länderkennzeichnung. Gerz zieht damit die Frage nach authentischer Vermittlung in einer Medienwelt weiter, übernimmt die Methoden und Muster der Öffentlichkeit von Sprache: "... Text als sprachlich reflektierte Mitteilung: Der Gebrauch eines Mediums ist für Gerz zugleich Bewußtmachung der Problematik dieses Gebrauchs." (Christina Weiss).
 
KünstlerInnen u.a. : Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Marcus Geiger, Renée Green, Ilya Kabakov, Joseph Kosuth, Peter Land, Milica Tomic, Werner Reiterer, Heimo Zobernig
 
 
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.