GÜNTER BRUS
10. 4. - 24. 4. 2000
Mit einer Arbeit von Günter Brus setzt die Secession ihr Projekt an der
Fassade fort, das an der Fassade des Hauses künstlerische Statements von
österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zur
aktuellen politischen Situation in Österreich versammelt. (Offener Brief vom Vorstand der
Secession an den österreichischen Bundespräsidenten).
In der Geschichte der Secession wurde der rechte Fassadenteil immer wieder
auch als Affichierungsfläche für Ausstellungsplakate oder als Montagefläche
für Ausstellungstitel verwendet (zu Beginn der Secession, in den 30er
Jahren, besonders wieder in den 70er/80er Jahren). Nun wird sie als
Artikulationsfläche für künstlerische Gedanken und Ausdrucksformen zur
Verfügung gestellt.
Brus wurde als einer der Hauptakteure bei der Veranstaltung "Kunst und
Revolution" in Wien 1968, dem sogenannten Uni-Skandal, bekannt. Verurteilt
wegen "Herabwürdigung österreichischer Symbole" und "Verletzung der
Sittlichkeit und Schamhaftigkeit" flüchtete er mit seiner Frau und ihrem
gemeinsamen Kind nach Berlin. Dort gründete er gemeinsam mit Oswald Wiener
und Gerhard Rühm die "Österreichische Exilregierung".
Neben seinen Aktionen, die nach Bildern im abstrakt-expressionistischen
Stil den eigenen Körper in den Mittelpunkt stellten und zusätzlich
verwendete Materialien so weit als möglich zu reduzieren versuchten, begann
Brus aber schon zu dieser Zeit an der Kombination von Bild und Text zu
arbeiten. In diesem Zusammenhang kommt 1971 eine seiner wichtigsten
Veröffentlichungen heraus: "Irrwisch". Ein Jahr später startet seine
Text-Bild-Edition "Der Balkon Europas", die auch den Beginn seiner
'Bild-Dichtungen' markiert.
"Ohne Sprache sei das Bild ein Allerweltswild, vogelfrei und auf der
Abschußliste. Nur das Wort könne Räume und Ausschnitte von der Stunde Null
zur Stunde Eins bewegen aber auch der Rohstoff Wort für sich allein könne
keine Energie erzeugen", meint Brus selbst in Hinblick auf die
künstlerische Methode, Text und Bild zu verbinden (zit.n. J. Schwanberg).
Auch bei der Arbeit für die Secessionsfassade setzt sich das Spiel mit der
Sprache und die Synthese von Visuellem und Sprachlichem fort: Nicht nur in
der Kombination eines Textes ("Normalösterreicher und Wahlösterreicher
fordern ein Ministerium für Wiederbetätigung und Entschuldigung") mit einem
visuellem Hintergrund (der in rot-weiß-rot die österreichische Fahne
zitiert), sondern auch in der visuellen Qualität der Handschrift die das
Zeichnerische, den Gestus des Künstlers im Handschriftlichen, mit den
Buchstaben, die sich zu einem Satz formieren, vereint variiert Günter
Brus die grenzüberschreitende Methode, die Wort und Bild vereint.
Die Arbeiten dieses Projekts sind im zweiwöchigen Rhythmus in der
Calsi-Technik der Firma Beko zu sehen und werden in einer nachfolgenden
Publikation auch gemeinsam dokumentiert. Das Projekt "Fassade" wird
ausschließlich durch private Unterstützung finanziert und ist zunächst für
die Laufzeit von einem halben Jahr geplant.
Weitere KünstlerInnen u.a. : Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Jochen
Gerz, Renée Green, Ilya Kabakov, Joseph Kosuth, Peter Land, Werner
Reiterer, Milica Tomic, Heimo Zobernig.
Laufende Informationen erhalten Sie von Matthias Herrmann, Sylvie Liska und
Eleonora Louis unter der Nummer der Wiener Secession +43-1-587 53 07.