PROJEKT FASSADE
 
DORIT MARGREITER
27. 3. - 9. 4. 2000
 


 
 
Mit Arbeiten von Franz West und John Baldessari startete die Künstlervereinigung Secession vor einem Monat ein Projekt, das an der Fassade des Hauses künstlerische Statements von österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zur aktuellen politischen Situation in Österreich versammelt. (Offener Brief vom Vorstand der Secession)
 
In der Geschichte der Secession wurde der rechte Fassadenteil immer wieder auch als Affichierungsfläche für Ausstellungsplakate oder als Montagefläche für Ausstellungstitel verwendet (zu Beginn der Secession, in den 30er Jahren, besonders wieder in den 70er/80er Jahren). Nun wird sie als Artikulationsfläche für künstlerische Gedanken und Ausdrucksformen zur Verfügung gestellt.
 
Die Arbeiten dieses Projekts sind im zweiwöchigen Rhythmus in der Calsi-Technik der Firma Beko zu sehen und werden in einer nachfolgenden Publikation auch gemeinsam dokumentiert. Das Projekt "Fassade" wird ausschließlich durch private Unterstützung finanziert und ist zunächst für die Laufzeit von einem halben Jahr geplant.
 
Mit einer Arbeit der österreichischen Künstlerin Dorit Margreiter setzt die Secession nun dieses Projekt von 27.3. - 9.4. 2000 fort. Nachdem die ersten beiden Arbeiten dieser Serie einerseits sehr spezifisch auch auf den Ort, die Secession und ihr Motto, andererseits auf die internationalen Bildzeichen eingingen, plaziert Dorit Margreiter ihre konkrete Forderung an die Regierung auf das Fassadentransparent: "Rücktritt der Bundesregierung als Voraussetzung für eine antirassistische Politik". Diese schwarzen Lettern, der Zusatz in der rechten unteren Ecke "Gegen Rassismus, Nationalismus und Sexismus" und eine Art Logo, ein sternförmiger roter Fleck mit den Worten Get to Attack, sind über ein Foto als gemeinsamer Hintergrund gelegt.
 
Dieses zeigt eine extreme schräg positionierte Nahaufnahme eines Plakats von gettoattack, die sich weder als Verein noch als fixe Gruppe verstehen, sondern als Plattform für Einzelpersonen, die sich vernetzen möchten und in wechselnden Gruppierungen und Aktionen ihre Meinung zur politischen Situation artikulieren. Die homepage von gettoattack ist unvollständig und verschwommen auf dem Foto noch erkennbar. Ganz im Vordergrund, am unteren Transparentrand liegt ein in der Realität kleiner, durch die Nahaufnahme unverhältnismäßig groß erscheinender elektrischer Widerstand. Im Spiel mit unterschiedlichen Strukturen und Verhältnissen, in der Verschiebung der Relationen zwischen Nah und Fern, Groß und Klein, Präzise und Unscharf, Objektrealität und Logokürzel wird individuelle Haltung in einer klaren ästhetischen und inhaltlichen Form sichtbar.
 
Weitere KünstlerInnen u.a.: Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Günter Brus, Jochen Gerz, Renée Green, Joseph Kosuth, Paul McCarthy, Werner Reiterer, Heimo Zobernig
 
 
Projektleitung: Matthias Herrmann
Mitarbeit: Sylvie Liska, Eleonora Louis