JOHN BALDESSARI
14. 3. - 27. 3. 2000
Mit einer Arbeit des amerikanischen Künstlers John Baldessari setzt die Secession ein Projekt fort, das an der Fassade des Hauses künstlerische Statements von österreichischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zur aktuellen politischen Situation in Österreich versammelt. (Offener Brief vom Vorstand der
Secession)
In der Geschichte der Secession wurde der rechte Fassadenteil immer wieder auch als Affichierungsfläche für Ausstellungsplakate oder als Montagefläche für Ausstellungstitel verwendet (zu Beginn der Secession, in den 30er Jahren, besonders wieder in den 70er/80er Jahren). Nun wird sie als Artikulationsfläche für künstlerische Gedanken und Ausdrucksformen zur Verfügung gestellt.
Nachdem die erste Arbeit dieser Serie von Franz West das Motto der Secession, das hoch über dem Haupteingang an der Fassade montiert ist, abgewandelt hat, nimmt John Baldessari nun das international bekannte Motiv des "Happy Face" auf - erfunden in den 70er Jahren in Amerika als Autoaufkleber. Es verbreitete sich unter dem Namen "Smiley" über ganz Europa, wurde zu einem im Alltag überall anzutreffenden Motiv und war vor allem bei Jugendlichen als Ansteckbutton oder Aufkleber beliebt.
Wie so oft in seiner Arbeit benutzt Baldessari ein international bekanntes 'Bild' - hier das grinsende Gesicht, reduziert auf seine einfachsten Zeichen, ein Augenpaar und ein gebogener Mundstrich. Der Künstler zeigt uns die allseits bekannte Originalversion und verändert sie schrittweise: zunächst durch Wegnahme der gelben Gesichtsfarbe, und in einem zweiten Schritt durch Hinzufügen eines schmalen Oberlippenbarts und eines gescheitelten Haaransatzes. So ensteht mit wenigen Interventionen aus dem "Happy Face" oder "Smiley" ein Gesicht mit den bekannten physiognomischen Zeichen Adolf Hitlers. Baldessari zeigt uns Gesichter aus unserer Alltags- und politischen Geschichte - beide als Teil unseres Bilderarchivs und unseres Bildergedächtnisses, die leicht wiedererkannt bzw. decodiert werden können. Gleichzeitig wird die fragile und fließende Grenze zwischen Populärkultur und politischen Images sichtbar.
Die Arbeiten dieses Projekts sind im zweiwöchigen Rhythmus in der Calsi-Technik der Firma Beko zu sehen und werden in einer nachfolgenden Publikation auch gemeinsam dokumentiert. Das Projekt "Fassade" wird ausschließlich durch private Unterstützung finanziert und ist zunächst für die Laufzeit von einem halben Jahr geplant.
Weitere KünstlerInnen u.a. : Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Günter Brus, Jochen Gerz, Renée Green, Joseph Kosuth, Paul McCarthy, Dorit Margreiter, Werner Reiterer, Heimo Zobernig
Projektleitung: Matthias Herrmann
Mitarbeit: Sylvie Liska, Eleonora Louis