27. Februar – 21. April 2013
11. Mai – 16. Juni 2013
5. Juli – 1. September 2013
19. September – 10. November 2013
23. November 2013 – Jänner 2014
23. März – 4. November 2012
verlängert bis 7. April 2013
MATHIAS POLEDNA
27. Februar – 21. April 2013
Mathias Poledna, Installationsansicht, Secession 2013, Foto: Margherita Spiluttini
Mathias Poledna beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Verbindungen zwischen Kunst und Unterhaltungskultur, der Moderne in Architektur, Mode und Design, der Sprache des Films und der Geschichte des Ausstellens, wobei insbesondere die spezifische Historizität dieser Phänomene ein zentraler Ausgangspunkt ist. In der jüngsten Vergangenheit hat sie vielfach die Form äußerst konzentrierter filmischer Installationen angenommen, in denen sich eine komplexe Spannung zwischen dem Dargestellten und daran geknüpften Bezügen und kulturellen Vorstellungen entfaltet.
Das Interesse des Künstlers an verschiedenen Ausdrucksformen von Modernität manifestiert sich in den speziellen, oft sehr unterschiedlichen Gegenständen seiner Arbeiten, die von der Musik des Post-Punk bis zu einem Regenwald in Papua-Neuguinea reichen können, ebenso, wie in deren hochästhetischer und formal extrem reduzierter Formensprache. Wiewohl durchwegs neu und vielfach in Zusammenarbeit mit professionellen Kollaborateuren geschaffen, erwecken sie häufig den Eindruck des bereits Vorgefundenen, indem sie der Bildsprache des kollektiven Imaginären aus Gegenwart und Geschichte entnommen zu sein scheinen.
Charakteristisch für die Vorgangsweise von Poledna ist ein konziser Umgang mit kulturellen Bezügen und historischen Zusammenhängen in Verbindung mit Momenten der Wiederholung, Verschiebung, Verdichtung und Auslassung. In seinen filmischen Arbeiten bilden die suggestive Wirkung des projizierten Bildes, das Spannungsverhältnis zwischen Bild und Ton und die komplexe Verschränkung von populärer Musik und filmischer Sprache wiederkehrende Motive.
Seine präzise gesetzten Interventionen im Ausstellungsraum rücken, anknüpfend an seine Auseinandersetzung mit der institutionskritischen Kunst der 1960er und 1970er-Jahre, immer wieder auch konstituierende und begleitende Elemente des Ausstellens – Architektur, Gestaltung, Publikation – von der Peripherie in das Zentrum seiner Praxis.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Mathias Poledna, geboren 1965 in Wien, lebt und arbeitet in Los Angeles.
DOMINIK LANG
Expanded Anxiety
27. Februar – 21. April 2013
Dominik Lang, Expanded Anxiety, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
In subtilen Interventionen und Inszenierungen befragt Dominik Lang die komplexen Beziehungen zwischen BetrachterInnen und Objekt, Objekt und Raum, subjektiver Wahrnehmung und Musealisierung. Häufig lenkt er die Aufmerksamkeit auf etwas bereits Existierendes und macht zuvor Übersehenes sichtbar. Seine Eingriffe in den Galerieraum und die Zusammenstellungen von Objekten, Artefakten und Konstruktionselementen kennzeichnet ein konzeptueller, zum Teil auch absurder und surrealistischer Zugang.
In der Secession setzt sich Lang mit den blinden Flecken der Moderne auseinander und entwickelt eine neue Perspektive auf ihre Werke und deren Kontext. Seine Installation
Expanded Anxiety in der Galerie der Secession basiert auf der expressionistisch-kubistischen Statue
Ùzkost ([Angst] 1911-12) des tschechischen Bildhauers Otto Gutfreund (1889 - 1927). Der Gipsguss wird von Lang in einer den Ausstellungsraum ausfüllenden Größe reproduziert und liegend präsentiert. Die Transformation charakterisiert ein spannendes Wechselspiel zwischen Innen und Außen, Oberfläche und Volumen, Gestaltung und Zufall, Skulptur und Architektur. In Bezug auf die möglichen Wahrnehmungen der ursprünglichen Skulptur erzeugt der Künstler eine nahezu paradoxe Situation: Die monumentale Figur ist so platziert, dass die BetrachterInnen zwar buchstäblich in ihr Inneres vordringen könnten, ihre „eigentliche“, äußere Form ist jedoch nicht sichtbar, sondern bleibt der Imagination vorbehalten.
Lang wurde einem internationalen Publikum unter anderem durch seine Arbeit
Sleeping City bekannt, mit der er 2011 auf der 54. Venedig Biennale den Pavillon der Tschechischen und Slowakischen Republiken bespielte. In dieser Installation interpretierte er die unbekannten spätmodernistischen Skulpturen seines Vaters Jiři Lang (1927–1996) und inszenierte einen Dialog zwischen den zwei durch unterschiedliche Perioden und Kontexte geprägten Arbeitsweisen. 2012 hatte er Einzelausstellungen im Kunsthaus Dresden und in der Nationalgalerie in Prag und war auf der Triennale im Palais de Tokyo, Paris, vertreten.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
Dominik Lang, geboren 1980 in Prag, lebt und arbeitet in Prag.
MIRIAM BAJTALA
in meinem Namen
27. Februar – 21. April 2013
Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Miriam Bajtala beschäftigt sich mit Wahrnehmung und den Parametern, welche diese definieren und verändern, wie Raum, Zeit und Kontext ... Videos, Zeichnungen und Skulpturen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Textarbeiten und performative Installationen.
In jüngeren Arbeiten, wie der Videoarbeit
3 Stimmen (2011) oder der Performance
die Rede (2012), geht es um Fragen der sprachlichen Artikulation von (Selbst-)Ermächtigung, Repräsentation und Vermittlung. Rede, geschriebener Text, Stimmvariationen, Sprachverlust und Sprachaneignung sind zugleich Gegenstand und Mittel der künstlerischen Analyse und Aneignung.
In ihrer neuen, für die Ausstellung in der Secession konzipierten Arbeit
in meinem Namen (2013) thematisiert und befragt Miriam Bajtala ihre Rolle als Künstlerin, indem sie ihre Selbstwahrnehmung den Sichtweisen von vier Kulturschaffenden gegenüberstellt. Die offizielle Rede zur Ausstellung dient Bajtala als Ausgangspunkt, um das Sprechen über künstlerische Produktion – meist in die Hände anderer gelegt – zu verhandeln und sich das Vermitteln der Arbeit selbstreflexiv wieder anzueignen.
Das Grafische Kabinett wird für die Ausstellung in eine Black Box verwandelt, die den realen Raum zugunsten der medial repräsentierten Bilder ausblendet. Auf den sich gegenüberliegenden Wänden werden zwei Videos projiziert, die in einen von der Künstlerin „konzertierten“ Dialog treten. Reden und gegenreden: Während sich die Künstlerin in vier ihr Ich repräsentierenden Reden, die stellvertretend von vier anderen Personen verfasst wurden, sehr eindrücklich inszeniert, ist es still auf der anderen Seite. Sobald diese vier Stimmen jedoch verstummen, erhebt sich ein 50-köpfiger Chor, um die von Bajtala verfasste (Gegen-)Rede zu sprechen.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeanette Pacher
Miriam Bajtala, geboren 1970 in Bratislava, lebt und arbeitet in Wien.
Die
Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Miriam Bajtala.
Unruhe der Form. Entwürfe des politischen Subjekts
Ausstellungsparcours
Ein Projekt von Wiener Festwochen, Akademie der bildenden Künste Wien und Secession
In Kooperation mit Museumsquartier Wien
Kuratiert von Karl Baratta, Stefanie Carp, Matthias Pees, Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer
Display: Johannes Porsch
Pressekonferenz: 10. Mai 2013, 10 Uhr
Eröffnung: 10. Mai 2013, 19 Uhr
Programm zur Eröffnung
11. Mai – 16. Juni 2013, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
AutorInnen-Reden jeden Dienstag und Samstag, 16 bis 18 Uhr
Der Parcours-Pass für € 8,50 berechtigt an zwei frei wählbaren Tagen zum Eintritt.
Dora García, Real Artists Don't Have Teeth, 2011, Foto: Roman Mensing, Courtesy of the artist and Galerie Michel Rein, Paris
KünstlerInnen:
Thomas Arzt*, Volkan Aslan, Neïl Beloufa*, Luo Bing, Brad Butler, Banu Cennetoğlu*, Keti Chukhrov, Antonio Cosentino, Tim Crouch, Cordula Daus, Burak Delier, Elmas Deniz, Carola Dertnig*, J. C. Duenkel, Jimmie Durham*, Barbara Ehnes, Gustav Ernst*, Tim Etchells, Antonio Fian*, Franzobel*, İnci Furni, Dora García*, Thomas Glavinic*, Dmitri Gutov*, Wang Haian, Wen Hui, Hannah Hurtzig*, Elfriede Jelinek, Anna Jermolaewa, Schorsch Kamerun*, Hassan Khan*, Julius Koller* Chris Kondek*, KwieKulik*, Mapa Teatro, Zhang Mengqi, Karen Mirza, Rabih Mroué, Jia Nannan, Marina Naprushkina, Henrik Olesen*, Boris Ondreička*, Ontroerend Goed, Yasemin Özcan*, Mustafa Erdem Özler, İz Öztat, Ewald Palmetshofer*, Judith Nika Pfeifer*, Shu Qiao, Nuno Ramos, Milo Rau, Ad Reinhardt*, David Riff*, Kathrin Röggla*, Pedro Romero, Ferdinand Schmatz*, Franz Schuh*, Tino Sehgal*, János Sugár, Akira Takayama, Vladimir Tatlin*, Miguel Ventura, Tris Vonna-Michell*, Jeronimo Voss*, Wu Wenguang, Tanja Widmann*, Dilek Winchester, Li Xinmin, Zou Xueping, Shiri Zinn* u.a.
* in der Secession
Seit weltweit oft unvorhergesehen und mit unerschöpflichen Energien neue Protestbewegungen entstehen, stellt sich für diejenigen, die sich auf dem künstlerisch-kulturellen Feld mit diesen solidarisieren möchten, eine Reihe brisanter Fragen: Kann die aktuelle Kunst den Widerstand gegen falsche ökonomische Strukturen befördern, an denen sie entschiedenermaßen selbst teilhat? Oder hat sich hinter den Fassaden ihrer als frei gedachten Räume nicht längst die Liquidierung ihrer eigentlichen Potenziale ereignet: des Schwierigen und Nonkonformen? Muss das Projekt einer politischen Ästhetik jenseits eines medial verwertbaren Aktivismus nicht als abgebrochen und verdrängt gelten? Uns scheint, dass die historische Aporie für heute scharf gemacht werden muss für künstlerische Imaginationen eines politischen Subjekts in neuen Formen und Formaten.
Diesen neuen Formen und Formaten widmen sich
Unruhe der Form. Im Projekt werden sich alle Räume der Secession und benachbarte Ausstellungsflächen in der Akademie der bildenden Künste und im MuseumsQuartier in einen Parcours verwandeln, der zwischen bildender und darstellender Kunst die Agora der Zukunft untersucht. Während des gesamten Ausstellungsverlaufs wird sich dieser Parcours temporär beleben mit künstlerischen Interventionen, Lectures, Konzerten und Performances sowie mit zehn politischen Reden von österreichischen Autoren, die sich mit einer fiktiven Identität – einem Sprachexperiment – zur politischen Lageage der Gegenwart oder der Zukunft verhalten, das ansprechen, was im öffentlichen Diskurs fehlt oder stört, und versuchsweise auf den blinden Fleck der Politik schauen. Die circa 15-minütigen Reden werden an verschiedenen Orten der Ausstellung von den Autoren und/oder Performern gehalten und an bestimmten Tagen wiederholt.
ROBERT IRWIN
Three Volumes
5. Juli – 1. September 2013
Robert Irwin, Five x Five, 2007, Museum of Contemporary Art, San Diego, 2008 (installation view), Foto: Philipp Scholz Rittermann
Der kalifornische Künstler Robert Irwin begann seine Laufbahn in den späten 1950er-Jahren mit Malerei. Bald jedoch empfand er die Begrenztheit auf den durch den Rahmen vorgegebenen Raum (wie in der klassischen Tafelmalerei gängig) als zu eng und hinterfragte diesen. Schließlich führte diese kritische Befragung den Künstler zu einer neuen und damals innovativen Haltung. Für diese spielte zum einen die Umgebung, in der Kunst präsentiert wird, eine maßgebliche Rolle. Zum anderen wurde zunehmend die Wahrnehmung – sowohl in der Konzeption als auch in der Rezeption – zu einem zentralen Faktor der Arbeit, die sich in Richtung ortsbezogener Installation entwickelte. Konsequenterweise gab er 1970 sein Atelier auf und realisierte fortan Arbeiten, die unmittelbar für die jeweilige Umgebung entwickelt wurden, diese Orte in der künstlerischen Umsetzung reflektierten und in ihrer Wahrnehmung veränderten. Somit kann Irwin als einer der Wegbereiter ortspezifischer Kunst betrachtet werden.
Als Mittel der Manipulation der Wahrnehmung dienten dem Künstler vorwiegend Licht und Raum – so wird er als einer der wichtigsten Protagonisten der Light and Space Art gehandelt, die ihre Wurzeln in Kalifornien der 1960er-Jahre hat. Diese lose Gruppierung von KünstlerInnen war interessiert an den sich wechselseitig bedingenden Wahrnehmungen von Licht und Raum und experimentierte dazu mit transparenten und lichtbrechenden Materialien wie Glas, Neonlicht und Plexiglas. Irwin verwendet zudem bevorzugt semitransparente Textilien, die Licht absorbieren und zugleich durchlassen und damit eine raumverändernde Wirkung erzeugen können. Beispielhaft kann hier
Untitled (1970) angeführt werden, eine aus Plexiglas gefertigte Säule, die Irwin ursprünglich in seinem Atelier installierte. Dieses transparente und zugleich reflektierende und das Licht brechende architektonische Element ist zugleich an- und abwesend, sichtbar wie unsichtbar – und genau dieses Paradoxon stellt unsere Wahrnehmungsgewohnheiten präzise und prinzipiell in Frage.
Irwins Arbeiten sind nicht so sehr immaterieller Natur als vielmehr eben diese phänomenologische Immaterialität in die Umgebung reflektierende oder absorbierende Oberflächen.
Mit der Eröffnung der Ausstellung von Robert Irwin Anfang Juli beginnt nicht nur eine der seltenen Einzelausstellungen des Künstlers in Europa; die BesucherInnen der Secession werden einer ganz neuen ortsspezifischen Installation begegnen, die der Künstler explizit zu diesem Anlass entwickelt und realisiert hat. Der Hauptraum der Secession wird oft als einer der ersten „White Cubes“ der Ausstellungsgeschichte bezeichnet. Der symmetrische Grundriss mit zwei Seitenschiffen und Apsis bezieht sich zudem auf die typischen Formen der Kirchenarchitektur. Das Licht in dem fensterlosen Raum fällt diffus von oben durch das Mattglas des doppelten Glasdachs, dessen Rasterstruktur die Raumwirkung wesentlich prägt. Robert Irwin hat nun eine Installation entworfen, die die charakteristischen Eigenschaften dieses Raums aufgreift und erweitert. Drei Volumen aus den mit Stoff bespannten Rahmen, die der Künstler als Material besonders schätzt, werden in den Ausstellungsraum eingebracht. Das von oben einfallende Tageslicht unterstreicht die plastische Erscheinung der Stoffstrukturen, die den Saal auf neue Weise rhythmisieren und dadurch eine Verschiebung in der Wahrnehmung des Raums bewirken. Die Hintertür zum Garten hinter der Secession wird durch eine Glasscheibe ersetzt, so dass der Außenraum zumindest optisch zu einem Teil des Innenraums wird. Robert Irwin, geboren 1928 in Long Beach, Kalifornien, lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratiert von Jeanette Pacher
THOMAS LOCHER
Homo Oeconomicus
5. Juli – 1. September 2013
Thomas Locher, OLD AND NEW SUBJECTS, 2006, Ausstellungsansicht, Galeria Helga de Alvear Madrid. Foto: Rafael Suarez
Thomas Locher, dessen Werk seit den späten 1980er-Jahren als richtungsweisend für die neokonzeptuelle Kunst gilt, untersucht in seinen Arbeiten das Regelwerk von Sprache und die Komplexität ihrer Funktionsweise. Seine Auseinandersetzung mit Zeichen- und Kommunikationssystemen zielt darauf ab, ihre politischen Implikationen und die Auswirkungen auf das Zusammenleben und Handeln der Menschen aufzuzeigen. In Text-Bild-Konstruktionen und installativen Situationen koppelt er Bilder und Sprachfelder, um die in der Sprache eingeschriebenen Strukturen sichtbar zu machen, das Allgemeingültige und Gesetzmäßige zu relativieren und alternative Bedeutungen aufzuzeigen.
Bereits mit seinen frühen abstrakten Zahlenbildern übte Locher Kritik an der vermeintlichen Eindeutigkeit von Bedeutungssystemen, indem er Farbfelder und Ziffern derart kombinierte, dass ein mathematisch-logisches Referenzsystem zwar nahegelegt, aber nicht eingelöst wird. Für
Politics of Communication (2000) verknüpfte er auf monochrom lackierten Wandtafeln Fotos von anonymen Büroräumen, genormten Arbeitsplätzen und seriell hergestellten Sitzmöbeln mit Textfeldern, die das Zusammenspiel von Sender, Empfänger, Botschaft, Code und Kontext hinterfragen. Die Zuordnung gestaltet sich als ein vieldeutiges, offenes Wechselspiel, das die Gleichförmigkeit ebenso wie die hierarchischen Strukturen in der Bürokommunikation sichtbar werden lässt.
In neueren Arbeiten thematisiert Locher wiederholt das Verhältnis von Sprache und Ökonomie. Die Text-Bild-Serie
GIFT. TO GIVE. GIVING. GIVEN. GIFT, IF THERE IS ANY … (J.D.) (2006) beispielsweise besteht aus allgemein zugänglichen Medienbildern, die vorwiegend das Motiv des Gebens, der Übergabe, Gesten der Handreichung etc. beinhalten. Diesen Bildern stellt Locher handschriftlich bearbeitete Textfragmente gegenüber, die Jacques Derridas Schrift „Donner le temps“ entnommen sind, in der sich Derrida mit der Gabe als widersprüchlichem Phänomen auseinandersetzt.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
Thomas Locher, geboren 1956 in Munderkingen (DE), lebt und arbeitet in Berlin.
ROSSELLA BISCOTTI
5. Juli – 1. September 2013
Rossella Biscotti, The Trial, 2010–2012, Ausstellungsansicht, dOCUMENTA(13). Foto: Ela Bialkowska / Okno Studio
2004 hat Rossella Biscotti den 1937 von Mussolini zur Eröffnung der römischen Filmstudios Cinecittà verwendeten Slogan „La cinematografia é l’arma più forte“ für eine Wandarbeit aufgegriffen. Damit hat sie zum einen eine Parallele zur politischen Situation in Italien unter der Führung des Medientycoons Berlusconi gezogen und zum anderen die Risiken durch politische und ökonomische Indienstnahme des künstlerischen Feldes reflektiert.
In Videos, Skulpturen, Installationen und räumlichen Interventionen beschäftigt sich Biscotti mit Erinnerung und den Grenzen objektiver Geschichtsschreibung. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die Rekonstruktion historischer Ereignisse, oft aus der jüngeren italienischen Geschichte und der politischen Linken. Indem sie persönliche Erinnerungen z. B. in Form von Interviews und Gesprächen und scheinbar objektive historische Dokumente gegenüberstellt, dekonstruiert sie den Mythos objektiver Wahrheit und stellt hegemonialer Geschichtsschreibung individuelle Vielfalt und Uneindeutigkeit entgegen.
Die 2010 begonnene und bislang fortgeführte multimediale Installation
Il processo (Der Prozess) behandelt das politische Klima Anfang der 1980er-Jahre in Italien, als die Regierung repressiv gegen linke Bewegungen wie die außerparlamentarische Gruppierung Autonomia Operaia vorging. Zahlreiche Intellektuelle, Autoren, Lehrer u.a. wurden terroristischer und staatsfeindlicher Handlungen beschuldigt. Zu den bekanntesten Verurteilten des sogenannten „7.-April-Prozesses“ gehören die Philosophen Antonio Negri und Paolo Virno, zwei im gegenwärtigen Kunstdiskurs einflussreiche Denker. Zeugenaussagen in Form von Text- und Audiodokumenten sind ebenso Teil der Arbeit wie Performancedokumentationen und Abgüsse von jenen Bauteilen des heute nicht mehr als Gericht genutzten Gebäudes, die bei der Adaption der ursprünglichen Fechtschule in ein Hochsicherheitsgericht eingebaut wurden. Die Abgüsse nehmen im Ausstellungskontext wiederum eine ambivalente Position zwischen minimalistischer Skulptur, historischer Dokumentation und politischem Mahnmal ein. Die Wechselbeziehung zwischen Werk, Kunstdiskurs und politischem Kontext hat Biscotti schon in früheren Arbeiten wie z.B.
After Four Rotations of A, B Will Make one Revolution (2009) thematisiert, für die sie das jeweilige Material und Gewicht figurativer sozialistischer Skulpturen in minimalistische Formen übertragen hat.
Die Ausstellung im Grafischen Kabinett der Secession ist Biscottis erste Einzelausstellung in Österreich.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Rossella Biscotti, geboren 1978 in Molfetta (I) lebt und arbeitet in Amsterdam.
ULLA VON BRANDENBURG
19. September – 10. November 2013
Ulla von Brandenburg, Kulisy, 2012, Ausstellungsansicht, Made in Germany Zwei, Hannover, Foto: Jürgen Vorrath
Die Arbeiten der deutschen Künstlerin Ulla von Brandenburg kreisen um das Theater und verwandte Darstellungskonventionen wie Jahrmarktssensationen und volkstümliche Rituale. In ihren Filmen, Installationen, Performances und Zeichnungen ergründet sie Facetten des Bühnenhaften und Theatralischen, das Verhältnis von Zuschauern und Akteuren, die Regelhaftigkeit des Spiels sowie die Schnittstellen von Realität und Illusion.
In ihren frühen Schwarzweißfilmen setzt Ulla von Brandenburg scheinbar bewegungslose Arrangements von Personen und minimale performative Aktionen in Szene, um ritualisierte Verhaltensmuster und das Verhältnis von Sein und Schein zu erkunden. Beispielhaft dafür steht ihr Film
8 aus dem Jahr 2007. In einer einzigen ungeschnittenen Fahrt bewegt sich die Kamera durch die Zimmerfluchten eines barocken französischen Schlosses und trifft in jedem Raum auf Personen oder Figurengruppen, die ebenso geheimnisvolle wie bedeutungsschwere Gesten ausführen. Auch in ihrem jüngeren Film
Shadowplay (2012) werden die Verdoppelung, die im Akt der Schauspielerei liegt und die Spannung zwischen angeleitetem Spiel, der Identifikation mit der Rolle und der Identität einer Person thematisiert. Eine Frau und zwei Männer treffen in der Umkleide eines Theaters aufeinander; sie ziehen ihre Kostüme an, schminken, inszenieren und duellieren sich. Durch die stilisierenden Darstellungsmittel des Schattentheaters und des Lieds, das die Schauspieler abwechselnd singen und das die Dauer des Films bestimmt, haftet dem Film etwas Märchenhaftes und Poetisches an.
Ulla von Brandenburg inszeniert ihre Filme häufig in multidisziplinären, spezifisch auf den Raum abgestimmten Präsentationen, die ein dichtes Netz an kulturellen und historischen Bezügen etablieren. Wiederholt hat sie aus verschiedenfarbigen Stoffbahnen und Theatervorhängen räumliche Strukturen entworfen, die Grenzbereiche zwischen der äußeren Realität und der Künstlichkeit des Theaters erzeugen und zugleich die Schwelle zum geistigen Raum des Unterbewussten und Unausgesprochenen markieren.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
Ulla von Brandenburg,
geboren 1974 in Karlsruhe, lebt und arbeitet in Hamburg, Paris und Rom.
HANNES BÖCK
19. September – 10. November 2013
Hannes Böck, New Hefei, 2008, Film, 16mm, schwarz-und-weiss, Ton, 10 min, Filmstill
Filmästhetische, künstlerische und kulturhistorische Diskurse stellen die Referenzpunkte für die formal reduzierten 16mm-Filme und Fotoserien von Hannes Böck dar. Ausgedehnte Recherchen und Reisen wie beispielsweise nach China, Mexiko, Peru und auf die Galapagosinseln gehen der eigentlichen Entstehung der Arbeiten voraus. Die Wahl dieser Schauplätze legt bereits ein Interesse an postkolonialen Fragestellungen nahe. Der jüngste Film
Las Encantadas (2012) hat ein Romanfragment von Herman Melville als Ausgangspunkt, in dem Kritik sowohl an der spanischen Kolonialpolitik als auch den Naturwissenschaften mitschwingt. Das handelnde Subjekt einer Episode, eine indigene weibliche Robinson Crusoe-Figur, wird von Böck im Drehbuch durch eine mexikanische Schauspielerin ersetzt, die allerdings im Film abwesend bleibt und in der zum Film gehörenden Fotoserie eines Telenovela-Filmsets auftaucht. Der Film, der in zwölf Einstellungen Landschaftsausschnitte bei statischer Kameraposition zeigt, könnte ebenso aus der Vorbereitungsphase für den Filmdreh stammen wie auch als Landschaftsstudie bzw. kritische Untersuchung zu Landschaftsdarstellung gelesen werden. Der 2011 entstandene 16mm-Film
Niches Cut into Bedrock at Sacsayhuamán, Cusco and Inca Stone Quarry at Cachicata, Ollantaytambo ist auf den ersten Blick eine strukturalistische Formstudie, wenn nicht die Ortsangaben im Titel auf die Inka-Kultur verweisen und somit Themen wie Emanzipation und Autonomie im postkolonialen Zusammenhang transportieren würden. Wie sehr medial vermittelte Bilder das kollektive Bildgedächtnis prägen und mitunter zum Maßstab von Wirklichkeitsrezeption werden, zeigt
New Hefei (2007/2008). Dieser Film fokussiert den Bauboom in der prosperierenden chinesischen Provinzhauptstadt Hefei infolge des chinesischen Wirtschaftswunders. Indem Böck die Bildsprache des italienischen (Post-)Neorealismus, konkret von Antonionis
La Notte übernimmt, zieht er ganz bewusst eine Parallele zu den Neubauten infolge des italienischen Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg und verweist auf einen Aspekt des globalen Kapitalismus, wonach ökonomische Entwicklung sich weltweit in bestimmten, offensichtlich ganz ähnlichen städtebaulichen Strukturen niederschlägt. Auf filmtechnischer Ebene kommt es zu einer Funktionsumkehr von Darsteller und Ort: Erst am Ende des Films wird klar, dass der scheinbare Protagonist zu den Filmorten geführt hat und diese nicht wie sonst als Hintergrund der Handlung fungieren.
Für seine Einzelausstellung im Grafischen Kabinett erarbeitet Böck eine neue Filminstallation.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Hannes Böck, geboren 1974 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.
Die
Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Hannes Böck.
SARAH LUCAS
23. November 2013 – Jänner 2014
Sarah Lucas, Suffolk Bunny, 1997-2004, Braune Strumpfhose, blaue Strümpfe, Stuhl, Klemme, Kapok, Draht, 96 x 64 x 90 cm, Courtesy Sadie Coles HQ, London
Seitdem die Young British Artists (YBA) in den späten 1980er-Jahren bekannt wurden, gilt Sarah Lucas als eine ihrer prominentesten VertreterInnen. Deren Hang zu Provokation, gepaart mit kolportiert wildem Lebenswandel und ausgeprägtem Selbstbewußtsein, sorgte vor allem in den 1990er-Jahren in der internationalen Kunstwelt für Furore.
Lucas’ Oeuvre verkörperte von Anfang an ihre kritische Haltung gegenüber gesellschaftlichen Normierungen, sexuellen Stereotypen und geschlechtspezifischen Rollenzuschreibungen. In
Self-Portrait with Fried Eggs (1999) blickt die in Jeans und T-Shirt gekleidete Künstlerin in Macho-Pose in einem schäbigen Sessel lümmelnd, zwei Spiegeleier auf ihren Brüsten, unerschrocken in die Kamera. Die unverblümte Direktheit der Arbeiten, die pornografische oder feministisch motivierte Assoziationen auslösen, wurde stets als Provokation empfunden. Es ist diese Direktheit, mit der die Künstlerin vorherrschende sexuelle Klischees bloßstellt und unterwandert. Beispielhaft dafür sind ihre
Bunny-Objekte (1997): Ausgestopfte Nylonstrumpfwürste, die weibliche Körper versinnbildlichen, sind in lasziver Pose auf unterschiedlichen Stühlen drapiert. Auch Lucas’ Arrangements mit Früchten, Gemüse und Alltagsgegenständen sind leicht als eindeutige sexuelle Anspielungen zu entziffern, wie in
Au Naturel (1994).
Mit ihren Skulpturen, Objekten, Installationen und Fotografien hat Lucas eine unverwechselbare Material- und Bildsprache entwickelt, die stets einen tiefgründigen Humor erahnen lässt. Zu ihren bevorzugten Mitteln zählen scheinbar wertlose, benutzte Alltagsgegenstände wie Kleiderbügel, Bierdosen, Nylonstrümpfen und, immer wieder, Zigaretten und Hausrat wie Matratzen, Toilettenschüsseln und Glühbirnen.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeanette Pacher
Sarah Lucas wurde 1962 in London geboren. Sie lebt und arbeitet in Suffolk, UK.
TOBIAS PILS
23. November 2013 – Jänner 2014
Tobias Pils, OhneTitel, 2012, Mischtechnik/Leinwand, 202 x 155 cm. Foto: Jorit Aust
Die Bilder von Tobias Pils sind Zeit. Sie nehmen sie und schenken sie. Sie bewegen sich auf den Betrachter zu und mit ihm fort. Sie wandeln sich in ihm, da er sie in der Nuance der Eigenzeit verschiebt und neu schafft. Dennoch bleiben sie bestehen, ja sie sind in ihrem Bestehen Grundformen des Dialogs. Dieser fordert weder die Bejahung noch die Verneinung ein, wohl aber Entscheidungen, wenn auch ohne Zwang, für dieses Bild in diesem Moment, also in der Zeit! Die Bäume, so sie welche sind, sind Bäume aus der Erfahrung des Sehens, aber auch aus der Möglichkeit des Entwurfs. Ihre Äste aber erblühen im Wort der Zuschreibung. Ihre Zeit aus Zuständen eröffnet sich – keine Gegenstände, sondern Gegenden, und sie sind heiter und schwarz zugleich. Das ist nicht metaphorisch gemeint, sondern psychisch und physisch. Innere Wirkung und äußere Materialität bilden eine Art von assoziativer Erkenntnis. Nämlich: eine Erkenntnis der Vermischung aus verschiedenen Bereichen der Wahrnehmungen, die sich die Empfindungen rein bewahren wie die dazugehörigen oder sie bezeichnenden Wörter. Oder sie in den Dreck ziehen, aus dem sie nie kommen, sondern der in uns steckt. So dürfen sie das nächste Bild auslösen, das auch eines außerhalb von uns Schauenden ist. Der Dialog hört also nicht auf. Er ist in der Zeit der Bilderfassung, die sich ständig neue Rahmen sucht, die auch in den Wörtern liegen, in deren Bedeutungen, die in die Bilder integriert werden. Und dort nie Hof halten, sondern Zirkus treiben, eine Art Karneval der Leere, das mag sein, aber sie ist die Fülle.
Text: Ferdinand Schmatz
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Tobias Pils, geboren 1971 in Linz, lebt und arbeitet in Wien.
Die
Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Tobias Pils.
GUIDO VAN DER WERVE
23. November 2013 – Jänner 2014
Guido van der Werve, Nummer vier. I don't want to get involved in this. I don't want to be part of this. Talk me out of it, 2005, Film, 35mm, 11:49 min, Zandvoort, Siitama & Enschede NL. Foto: Ben Geraerts
Der niederländische Video- und Performance-Künstler Guido van der Werve sucht in seinen Arbeiten Zugänge zur Welt- und Selbsterfahrung, indem er als Protagonist seiner Filme die Unberechenbarkeit der Natur herausfordert und sich zum Teil großen körperlichen Strapazen und Gefahren aussetzt. Als Soundtrack verwendet der Künstler, der über eine klassische Ausbildung als Pianist verfügt, dabei stets selbst komponierte, klassische Musikstücke. So entstehen Filme, die in ihrem Pathos an die Romantik erinnern und in ihrer Melancholie und der Verarbeitung von Verlust und Einsamkeit Assoziationen an Caspar David Friedrich wecken.
In dem Film
Nummer Negen: The Day I Didn’t Turn with the World (2007) beispielsweise verharrt van der Werve 24 Stunden lang auf dem Nordpol, um sich der natürlichen Drehung der Erde entgegenzusetzen; in
Nummer Vier: I don’t want to get involved in this, I don’t want to be part of this, talk me out of it (2005) sehen wir einen Klavierspieler auf einem ruhig dahinschwimmenden Floß, begleitet von einem ein Requiem singenden Chor, um plötzlich von einem buchstäblich aus dem Himmel fallenden Mann überrascht zu werden.
Neben der klassischen Musik, die in vielen seiner Filme auch thematisch eine Hauptrolle spielt, umkreisen die Arbeiten van der Werves auch Ereignisse, die routinemäßige Abläufe des Lebens, das Vergehen der Zeit und die Unkontrollierbarkeit des Zufalls behandeln. In der Performance
Effugio no. 1 Chamomile, Russia’s national flower or Running to Rachmaninov (2010) für das MoMA P.S.1 in New York forderte er bei seinem zweiten Lauf zum Grab Rachmaninows Kunst- und Sportinteressierte auf ihn zu begleiten, um dort symbolisch eine Kamille niederzulegen. Kamillenblüten sind bekannt für ihre lindernde Wirkung bei Hysterie, an der der Komponist gelitten hat.
Eingeladen vom
Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
In Kooperation mit dem Gartenbaukino
Guido van der Werve, geboren 1977 in Papendrech (NL), lebt und arbeitet in Berlin und Finnland.
Close-up –GUSTAV KLIMT ~ GERWALD ROCKENSCHAUB – Plattform
Ein Projekt der Secession, des Bundesdenkmalamtes und der Akademie der bildenden Künste Wien
23. März –
4. November 2012 verlängert bis 7. April 2013
Gerwald Rockenschaub, Plattform, Foto: MargheritaSpiluttini
Anlässlich von
Klimt 2012 entwickelt Gerwald Rockenschaub für den Raum des Beethovenfrieses in der Secession eine Plattform, die den BesucherInnen ungewohnte Perspektiven und neue Standpunkte in der Wahrnehmung dieses Schüsselwerks von Gustav Klimt ermöglichen. Seine skulpturale Intervention erlaubt es erstmals, den Raum umspannenden und in einer Höhe von 3 bis 5 Metern installierten Fries auf Augenhöhe zu betrachten. Beide Arbeiten, sowohl Klimts
Beethovenfries als auch Rockenschaubs
Plattform, treten dabei in einen gleichberechtigten Dialog. Die Plattform ist zweckmäßig und funktional, behauptet sich aber zugleich in ihrer Objekthaftigkeit als eigenständiges Werk. Rockenschaubs Gestaltung weist zahlreiche charakteristische Merkmale seiner künstlerischen Sprache auf: die Verwendung handelsüblicher Baumaterialien, die Monochromie der Flächen und der zeichenhafte Minimalismus. Mit der Plattform in der Secession führt er zudem eine seit den späten 1980er Jahre entwickelte Werkgruppe von Installationen fort, in denen er mittels Podeste, Sitzbänke, Vorhänge oder Trennwände die BesucherInnen im Ausstellungsraum lenkt, Wahrnehmungsformen verändert und den architektonisch-sozialen Raum neu codiert. So führte er etwa 1993 auf der Biennale in Venedig die BesucherInnen über ein Laufgerüst im Innenraum des Österreichischen Pavillons an Orte, die sie sonst nicht erreichen konnten.
Gerwald Rockenschaub, geboren 1952, lebt und arbeitet in Berlin.
SUSAN PHILIPSZ
Herbst 2013
Friesraum
Seit den späten 1990er-Jahren entwickelt die schottische Künstlerin Susan Philipsz Soundinstallationen. Ohne instrumentale Begleitung singt die Künstlerin ihre Interpretationen von alten Folkballaden, Arbeiterliedern, Film- und Popsongs. Immer sind Susan Philipsz’ Arbeiten ortspezifisch, sie reflektieren Geschichte und Geschichten sowie akustische und musikalische Aspekte eines Ortes oder Ausstellungsraumes. Sie interessiert vor allem die psychische Wirkung von Musik – welche Erinnerungen und Emotionen Lieder assoziativ zu evozieren vermögen und wie Musik die Wahrnehmung eines Raumes beeinflussen kann.
Philipsz’ Soundarbeiten sind für öffentliche Räume konzipiert. „Lowlands“ (2010), drei a capella-Versionen eines alten schottischen Liedes ertönten beispielsweise unter drei Brücken in ihrer Heimatstadt Glasgow. Für diese Arbeit erhielt Philipsz 2010 den Turner Prize. 2011 konzipierte die Künstlerin mit „Surround Me“ einen Liederzyklus für die an den Wochenenden ausgestorbene City of London. Ihr Interesse an der räumlichen Komponente von Sound findet in Mehrkanalaudioinstallationen Ausdruck, mit denen die Künstlerin die räumliche Wahrnehmung des Klangs präzise manipulieren kann.
Geboren 1965 in Glasgow, lebt und arbeitet in Berlin.
PERMANENTE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag Sonntag 10.00 18.00 Uhr
FÜHRUNGEN
jeden Samstag um 15.00 Uhr und Sonntag um 11.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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