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27. Februar – 21. April 2013
MATHIAS POLEDNA

DOMINIK LANG

MIRIAM BAJTALA




11. Mai – 16. Juni 2013
Unruhe der Form. Entwürfe des politischen Subjekts
Ausstellungsparcours
Ein Projekt von Wiener Festwochen, Akademie der bildenden Künste Wien und Secession
In Kooperation mit Museumsquartier Wien
Kuratiert von Karl Baratta, Stefanie Carp, Matthias Pees, Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer

Dora García, "Real Artists Don't Have Teeth", 2011, Foto: Roman Mensing



5. Juli – 1. September 2013
ROBERT IRWIN

THOMAS LOCHER

ROSSELLA BISCOTTI




19. September – 10. November 2013  
ULLA VON BRANDENBURG

SUSI JIRKUFF

HANNES BÖCK




23. November 2013 – 19. Jänner 2014
SARAH LUCAS

TOBIAS PILS

GUIDO VAN DER WERVE




PERMANENTE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES




ÖFFNUNGSZEITEN

FÜHRUNGEN
Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr

jeden Samstag um 15.00 Uhr und Sonntag um 11.00 Uhr





MATHIAS POLEDNA
27. Februar – 21. April 2013

Mathias Poledna, Installationsansicht, Secession 2013, Foto: Margherita Spiluttini
Mathias Poledna, Installationsansicht, Secession 2013, Foto: Margherita Spiluttini

Mathias Poledna beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Verbindungen zwischen Kunst und Unterhaltungskultur, der Moderne in Architektur, Mode und Design, der Sprache des Films und der Geschichte des Ausstellens, wobei insbesondere die spezifische Historizität dieser Phänomene ein zentraler Ausgangspunkt ist. In der jüngsten Vergangenheit hat sie vielfach die Form äußerst konzentrierter filmischer Installationen angenommen, in denen sich eine komplexe Spannung zwischen dem Dargestellten und daran geknüpften Bezügen und kulturellen Vorstellungen entfaltet. Das Interesse des Künstlers an verschiedenen Ausdrucksformen von Modernität manifestiert sich in den speziellen, oft sehr unterschiedlichen Gegenständen seiner Arbeiten, die von der Musik des Post-Punk bis zu einem Regenwald in Papua-Neuguinea reichen können, ebenso, wie in deren hochästhetischer und formal extrem reduzierter Formensprache. Wiewohl durchwegs neu und vielfach in Zusammenarbeit mit professionellen Kollaborateuren geschaffen, erwecken sie häufig den Eindruck des bereits Vorgefundenen, indem sie der Bildsprache des kollektiven Imaginären aus Gegenwart und Geschichte entnommen zu sein scheinen.

Charakteristisch für die Vorgangsweise von Poledna ist ein konziser Umgang mit kulturellen Bezügen und historischen Zusammenhängen in Verbindung mit Momenten der Wiederholung, Verschiebung, Verdichtung und Auslassung. In seinen filmischen Arbeiten bilden die suggestive Wirkung des projizierten Bildes, das Spannungsverhältnis zwischen Bild und Ton und die komplexe Verschränkung von populärer Musik und filmischer Sprache wiederkehrende Motive. Seine präzise gesetzten Interventionen im Ausstellungsraum rücken, anknüpfend an seine Auseinandersetzung mit der institutionskritischen Kunst der 1960er und 1970er-Jahre, immer wieder auch konstituierende und begleitende Elemente des Ausstellens – Architektur, Gestaltung, Publikation – von der Peripherie in das Zentrum seiner Praxis.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Mathias Poledna, geboren 1965 in Wien, lebt und arbeitet in Los Angeles.



DOMINIK LANG
Expanded Anxiety
27. Februar – 21. April 2013

Dominik Lang, Expanded Anxiety, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Dominik Lang, Expanded Anxiety, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger

In subtilen Interventionen und Inszenierungen befragt Dominik Lang die komplexen Beziehungen zwischen BetrachterInnen und Objekt, Objekt und Raum, subjektiver Wahrnehmung und Musealisierung. Häufig lenkt er die Aufmerksamkeit auf etwas bereits Existierendes und macht zuvor Übersehenes sichtbar. Seine Eingriffe in den Galerieraum und die Zusammenstellungen von Objekten, Artefakten und Konstruktionselementen kennzeichnet ein konzeptueller, zum Teil auch absurder und surrealistischer Zugang.

In der Secession setzt sich Lang mit den blinden Flecken der Moderne auseinander und entwickelt eine neue Perspektive auf ihre Werke und deren Kontext. Seine Installation Expanded Anxiety in der Galerie der Secession basiert auf der expressionistisch-kubistischen Statue Ùzkost ([Angst] 1911-12) des tschechischen Bildhauers Otto Gutfreund (1889 - 1927). Der Gipsguss wird von Lang in einer den Ausstellungsraum ausfüllenden Größe reproduziert und liegend präsentiert. Die Transformation charakterisiert ein spannendes Wechselspiel zwischen Innen und Außen, Oberfläche und Volumen, Gestaltung und Zufall, Skulptur und Architektur. In Bezug auf die möglichen Wahrnehmungen der ursprünglichen Skulptur erzeugt der Künstler eine nahezu paradoxe Situation: Die monumentale Figur ist so platziert, dass die BetrachterInnen zwar buchstäblich in ihr Inneres vordringen könnten, ihre „eigentliche“, äußere Form ist jedoch nicht sichtbar, sondern bleibt der Imagination vorbehalten.

Lang wurde einem internationalen Publikum unter anderem durch seine Arbeit Sleeping City bekannt, mit der er 2011 auf der 54. Venedig Biennale den Pavillon der Tschechischen und Slowakischen Republiken bespielte. In dieser Installation interpretierte er die unbekannten spätmodernistischen Skulpturen seines Vaters Jiři Lang (1927–1996) und inszenierte einen Dialog zwischen den zwei durch unterschiedliche Perioden und Kontexte geprägten Arbeitsweisen. 2012 hatte er Einzelausstellungen im Kunsthaus Dresden und in der Nationalgalerie in Prag und war auf der Triennale im Palais de Tokyo, Paris, vertreten.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
Dominik Lang, geboren 1980 in Prag, lebt und arbeitet in Prag.



MIRIAM BAJTALA
in meinem Namen
27. Februar – 21. April 2013

Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger

Miriam Bajtala beschäftigt sich mit Wahrnehmung und den Parametern, welche diese definieren und verändern, wie Raum, Zeit und Kontext ... Videos, Zeichnungen und Skulpturen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Textarbeiten und performative Installationen. In jüngeren Arbeiten, wie der Videoarbeit 3 Stimmen (2011) oder der Performance die Rede (2012), geht es um Fragen der sprachlichen Artikulation von (Selbst-)Ermächtigung, Repräsentation und Vermittlung. Rede, geschriebener Text, Stimmvariationen, Sprachverlust und Sprachaneignung sind zugleich Gegenstand und Mittel der künstlerischen Analyse und Aneignung.

In ihrer neuen, für die Ausstellung in der Secession konzipierten Arbeit in meinem Namen (2013) thematisiert und befragt Miriam Bajtala ihre Rolle als Künstlerin, indem sie ihre Selbstwahrnehmung den Sichtweisen von vier Kulturschaffenden gegenüberstellt. Die offizielle Rede zur Ausstellung dient Bajtala als Ausgangspunkt, um das Sprechen über künstlerische Produktion – meist in die Hände anderer gelegt – zu verhandeln und sich das Vermitteln der Arbeit selbstreflexiv wieder anzueignen.

Das Grafische Kabinett wird für die Ausstellung in eine Black Box verwandelt, die den realen Raum zugunsten der medial repräsentierten Bilder ausblendet. Auf den sich gegenüberliegenden Wänden werden zwei Videos projiziert, die in einen von der Künstlerin „konzertierten“ Dialog treten. Reden und gegenreden: Während sich die Künstlerin in vier ihr Ich repräsentierenden Reden, die stellvertretend von vier anderen Personen verfasst wurden, sehr eindrücklich inszeniert, ist es still auf der anderen Seite. Sobald diese vier Stimmen jedoch verstummen, erhebt sich ein 50-köpfiger Chor, um die von Bajtala verfasste (Gegen-)Rede zu sprechen.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeanette Pacher
Miriam Bajtala, geboren 1970 in Bratislava, lebt und arbeitet in Wien.
Die Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Miriam Bajtala.



Unruhe der Form. Entwürfe des politischen Subjekts
Ausstellungsparcours
Ein Projekt von Wiener Festwochen, Akademie der bildenden Künste Wien und Secession
In Kooperation mit Museumsquartier Wien
Kuratiert von Karl Baratta, Stefanie Carp, Matthias Pees, Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer
Display: Johannes Porsch

Pressekonferenz: 10. Mai 2013, 10 Uhr
Eröffnung: 10. Mai 2013, 19 Uhr
Programm zur Eröffnung
11. Mai – 16. Juni 2013, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
AutorInnen-Reden jeden Dienstag und Samstag, 16 bis 18 Uhr
Der Parcours-Pass für € 8,50 berechtigt an zwei frei wählbaren Tagen zum Eintritt.

Dora García, "Real Artists Don't Have Teeth", 2011, Foto: Roman Mensing, Courtesy of the artist and Galerie Michel Rein, Paris
Dora García, Real Artists Don't Have Teeth, 2011, Foto: Roman Mensing, Courtesy of the artist and Galerie Michel Rein, Paris

KünstlerInnen: Thomas Arzt*, Volkan Aslan, Neïl Beloufa*, Luo Bing, Brad Butler, Banu Cennetoğlu*, Keti Chukhrov, Antonio Cosentino, Tim Crouch, Cordula Daus, Burak Delier, Elmas Deniz, Carola Dertnig*, J. C. Duenkel, Jimmie Durham*, Barbara Ehnes, Gustav Ernst*, Tim Etchells, Antonio Fian*, Franzobel*, İnci Furni, Dora García*, Thomas Glavinic*, Dmitri Gutov*, Wang Haian, Wen Hui, Hannah Hurtzig*, Elfriede Jelinek, Anna Jermolaewa, Schorsch Kamerun*, Hassan Khan*, Julius Koller* Chris Kondek*, KwieKulik*, Mapa Teatro, Zhang Mengqi, Karen Mirza, Rabih Mroué, Jia Nannan, Marina Naprushkina, Henrik Olesen*, Boris Ondreička*, Ontroerend Goed, Yasemin Özcan*, Mustafa Erdem Özler, İz Öztat, Ewald Palmetshofer*, Judith Nika Pfeifer*, Shu Qiao, Nuno Ramos, Milo Rau, Ad Reinhardt*, David Riff*, Kathrin Röggla*, Pedro Romero, Ferdinand Schmatz*, Franz Schuh*, Tino Sehgal*, János Sugár, Akira Takayama, Vladimir Tatlin*, Miguel Ventura, Tris Vonna-Michell*, Jeronimo Voss*, Wu Wenguang, Tanja Widmann*, Dilek Winchester, Li Xinmin, Zou Xueping, Shiri Zinn* u.a.

* in der Secession

Seit weltweit oft unvorhergesehen und mit unerschöpflichen Energien neue Protestbewegungen entstehen, stellt sich für diejenigen, die sich auf dem künstlerisch-kulturellen Feld mit diesen solidarisieren möchten, eine Reihe brisanter Fragen: Kann die aktuelle Kunst den Widerstand gegen falsche ökonomische Strukturen befördern, an denen sie entschiedenermaßen selbst teilhat? Oder hat sich hinter den Fassaden ihrer als frei gedachten Räume nicht längst die Liquidierung ihrer eigentlichen Potenziale ereignet: des Schwierigen und Nonkonformen? Muss das Projekt einer politischen Ästhetik jenseits eines medial verwertbaren Aktivismus nicht als abgebrochen und verdrängt gelten? Uns scheint, dass die historische Aporie für heute scharf gemacht werden muss für künstlerische Imaginationen eines politischen Subjekts in neuen Formen und Formaten.

Diesen neuen Formen und Formaten widmen sich Unruhe der Form. Im Projekt werden sich alle Räume der Secession und benachbarte Ausstellungsflächen in der Akademie der bildenden Künste und im MuseumsQuartier in einen Parcours verwandeln, der zwischen bildender und darstellender Kunst die Agora der Zukunft untersucht. Während des gesamten Ausstellungsverlaufs wird sich dieser Parcours temporär beleben mit künstlerischen Interventionen, Lectures, Konzerten und Performances sowie mit zehn politischen Reden von österreichischen Autoren, die sich mit einer fiktiven Identität – einem Sprachexperiment – zur politischen Lageage der Gegenwart oder der Zukunft verhalten, das ansprechen, was im öffentlichen Diskurs fehlt oder stört, und versuchsweise auf den blinden Fleck der Politik schauen. Die circa 15-minütigen Reden werden an verschiedenen Orten der Ausstellung von den Autoren und/oder Performern gehalten und an bestimmten Tagen wiederholt.



ROBERT IRWIN
Double Blind
5. Juli – 1. September 2013

Robert Irwin, Five x Five, 2007, Museum of Contemporary Art, San Diego, 2008 (installation view), Foto: Philipp Scholz Rittermann
Robert Irwin, Five x Five, 2007, Museum of Contemporary Art, San Diego, 2008 (installation view), Foto: Philipp Scholz Rittermann

Der kalifornische Künstler Robert Irwin begann seine Laufbahn in den späten 1950er-Jahren mit Malerei. Bald jedoch empfand er die Begrenztheit auf den durch den Rahmen vorgegebenen Raum (wie in der klassischen Tafelmalerei gängig) als zu eng und hinterfragte diesen. Schließlich führte diese kritische Befragung den Künstler zu einer neuen und damals innovativen Haltung. Für diese spielte zum einen die Umgebung, in der Kunst präsentiert wird, eine maßgebliche Rolle. Zum anderen wurde zunehmend die Wahrnehmung – sowohl in der Konzeption als auch in der Rezeption – zu einem zentralen Faktor der Arbeit, die sich in Richtung ortsbezogener Installation entwickelte. Konsequenterweise gab er 1970 sein Atelier auf und realisierte fortan Arbeiten, die unmittelbar für die jeweilige Umgebung entwickelt wurden, diese Orte in der künstlerischen Umsetzung reflektierten und in ihrer Wahrnehmung veränderten. Somit kann Irwin als einer der Wegbereiter ortspezifischer Kunst betrachtet werden.

Als Mittel der Manipulation der Wahrnehmung dienten dem Künstler vorwiegend Licht und Raum – so wird er als einer der wichtigsten Protagonisten der Light and Space Art gehandelt, die ihre Wurzeln in Kalifornien der 1960er-Jahre hat. Diese lose Gruppierung von KünstlerInnen war interessiert an den sich wechselseitig bedingenden Wahrnehmungen von Licht und Raum und experimentierte dazu mit transparenten und lichtbrechenden Materialien wie Glas, Neonlicht und Plexiglas. Irwin verwendet zudem bevorzugt semitransparente Textilien, die Licht absorbieren und zugleich durchlassen und damit eine raumverändernde Wirkung erzeugen können. Beispielhaft kann hier Untitled (1970) angeführt werden, eine aus Plexiglas gefertigte Säule, die Irwin ursprünglich in seinem Atelier installierte. Dieses transparente und zugleich reflektierende und das Licht brechende architektonische Element ist zugleich an- und abwesend, sichtbar wie unsichtbar – und genau dieses Paradoxon stellt unsere Wahrnehmungsgewohnheiten präzise und prinzipiell in Frage. Irwins Arbeiten sind nicht so sehr immaterieller Natur als vielmehr eben diese phänomenologische Immaterialität in die Umgebung reflektierende oder absorbierende Oberflächen.

Mit der Eröffnung der Ausstellung von Robert Irwin Anfang Juli beginnt nicht nur eine der seltenen Einzelausstellungen des Künstlers in Europa; die BesucherInnen der Secession werden einer ganz neuen ortsspezifischen Installation begegnen, die der Künstler explizit zu diesem Anlass entwickelt und realisiert hat. Der Hauptraum der Secession wird oft als einer der ersten „White Cubes“ der Ausstellungsgeschichte bezeichnet. Der symmetrische Grundriss mit zwei Seitenschiffen und Apsis bezieht sich zudem auf die typischen Formen der Kirchenarchitektur. Das Licht in dem fensterlosen Raum fällt diffus von oben durch das Mattglas des doppelten Glasdachs, dessen Rasterstruktur die Raumwirkung wesentlich prägt. Robert Irwin hat nun eine Installation entworfen, die die charakteristischen Eigenschaften dieses Raums aufgreift und erweitert. Drei Volumen aus den mit Stoff bespannten Rahmen, die der Künstler als Material besonders schätzt, werden in den Ausstellungsraum eingebracht. Das von oben einfallende Tageslicht unterstreicht die plastische Erscheinung der Stoffstrukturen, die den Saal auf neue Weise rhythmisieren und dadurch eine Verschiebung in der Wahrnehmung des Raums bewirken. Die Hintertür zum Garten hinter der Secession wird durch eine Glasscheibe ersetzt, so dass der Außenraum zumindest optisch zu einem Teil des Innenraums wird. Robert Irwin, geboren 1928 in Long Beach, Kalifornien, lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratiert von Jeanette Pacher



THOMAS LOCHER
Homo Oeconomicus
5. Juli – 1. September 2013

Thomas Locher, OLD AND NEW SUBJECTS, 2006, Ausstellungsansicht, Galeria Helga de Alvear Madrid. Foto: Rafael Suarez
Thomas Locher, OLD AND NEW SUBJECTS, 2006, Ausstellungsansicht, Galeria Helga de Alvear Madrid. Foto: Rafael Suarez

Thomas Locher, dessen Werk seit den späten 1980er-Jahren als richtungsweisend für die neokonzeptuelle Kunst gilt, untersucht in seinen Arbeiten das Regelwerk von Sprache und die Komplexität ihrer Funktionsweise. Seine Auseinandersetzung mit Zeichen- und Kommunikationssystemen zielt darauf ab, ihre politischen Implikationen und die Auswirkungen auf das Zusammenleben und Handeln der Menschen aufzuzeigen. In Text-Bild-Konstruktionen und installativen Situationen koppelt er Bilder und Sprachfelder, um die in der Sprache eingeschriebenen Strukturen sichtbar zu machen, das Allgemeingültige und Gesetzmäßige zu relativieren und alternative Bedeutungen aufzuzeigen.

Bereits mit seinen frühen abstrakten Zahlenbildern übte Locher Kritik an der vermeintlichen Eindeutigkeit von Bedeutungssystemen, indem er Farbfelder und Ziffern derart kombinierte, dass ein mathematisch-logisches Referenzsystem zwar nahegelegt, aber nicht eingelöst wird. Für Politics of Communication (2000) verknüpfte er auf monochrom lackierten Wandtafeln Fotos von anonymen Büroräumen, genormten Arbeitsplätzen und seriell hergestellten Sitzmöbeln mit Textfeldern, die das Zusammenspiel von Sender, Empfänger, Botschaft, Code und Kontext hinterfragen. Die Zuordnung gestaltet sich als ein vieldeutiges, offenes Wechselspiel, das die Gleichförmigkeit ebenso wie die hierarchischen Strukturen in der Bürokommunikation sichtbar werden lässt.

In neueren Arbeiten thematisiert Locher wiederholt das Verhältnis von Sprache und Ökonomie. Die Text-Bild-Serie GIFT. TO GIVE. GIVING. GIVEN. GIFT, IF THERE IS ANY … (J.D.) (2006) beispielsweise besteht aus allgemein zugänglichen Medienbildern, die vorwiegend das Motiv des Gebens, der Übergabe, Gesten der Handreichung etc. beinhalten. Diesen Bildern stellt Locher handschriftlich bearbeitete Textfragmente gegenüber, die Jacques Derridas Schrift „Donner le temps“ entnommen sind, in der sich Derrida mit der Gabe als widersprüchlichem Phänomen auseinandersetzt.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
Thomas Locher, geboren 1956 in Munderkingen (DE), lebt und arbeitet in Berlin.



ROSSELLA BISCOTTI
5. Juli – 1. September 2013

Rossella Biscotti, The Trial, 2010–2012, Ausstellungsansicht, dOCUMENTA(13). Foto: Ela Bialkowska / Okno Studio
Rossella Biscotti, The Trial, 2010–2012, Ausstellungsansicht, dOCUMENTA(13). Foto: Ela Bialkowska / Okno Studio

2004 hat Rossella Biscotti den 1937 von Mussolini zur Eröffnung der römischen Filmstudios Cinecittà verwendeten Slogan „La cinematografia é l’arma più forte“ für eine Wandarbeit aufgegriffen. Damit hat sie zum einen eine Parallele zur politischen Situation in Italien unter der Führung des Medientycoons Berlusconi gezogen und zum anderen die Risiken durch politische und ökonomische Indienstnahme des künstlerischen Feldes reflektiert.

In Videos, Skulpturen, Installationen und räumlichen Interventionen beschäftigt sich Biscotti mit Erinnerung und den Grenzen objektiver Geschichtsschreibung. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die Rekonstruktion historischer Ereignisse, oft aus der jüngeren italienischen Geschichte und der politischen Linken. Indem sie persönliche Erinnerungen z. B. in Form von Interviews und Gesprächen und scheinbar objektive historische Dokumente gegenüberstellt, dekonstruiert sie den Mythos objektiver Wahrheit und stellt hegemonialer Geschichtsschreibung individuelle Vielfalt und Uneindeutigkeit entgegen.

Die 2010 begonnene und bislang fortgeführte multimediale Installation Il processo (Der Prozess) behandelt das politische Klima Anfang der 1980er-Jahre in Italien, als die Regierung repressiv gegen linke Bewegungen wie die außerparlamentarische Gruppierung Autonomia Operaia vorging. Zahlreiche Intellektuelle, Autoren, Lehrer u.a. wurden terroristischer und staatsfeindlicher Handlungen beschuldigt. Zu den bekanntesten Verurteilten des sogenannten „7.-April-Prozesses“ gehören die Philosophen Antonio Negri und Paolo Virno, zwei im gegenwärtigen Kunstdiskurs einflussreiche Denker. Zeugenaussagen in Form von Text- und Audiodokumenten sind ebenso Teil der Arbeit wie Performancedokumentationen und Abgüsse von jenen Bauteilen des heute nicht mehr als Gericht genutzten Gebäudes, die bei der Adaption der ursprünglichen Fechtschule in ein Hochsicherheitsgericht eingebaut wurden. Die Abgüsse nehmen im Ausstellungskontext wiederum eine ambivalente Position zwischen minimalistischer Skulptur, historischer Dokumentation und politischem Mahnmal ein. Die Wechselbeziehung zwischen Werk, Kunstdiskurs und politischem Kontext hat Biscotti schon in früheren Arbeiten wie z.B. After Four Rotations of A, B Will Make one Revolution (2009) thematisiert, für die sie das jeweilige Material und Gewicht figurativer sozialistischer Skulpturen in minimalistische Formen übertragen hat.

Die Ausstellung im Grafischen Kabinett der Secession ist Biscottis erste Einzelausstellung in Österreich.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Rossella Biscotti, geboren 1978 in Molfetta (I) lebt und arbeitet in Amsterdam.



ULLA VON BRANDENBURG
Innen ist nicht Außen
19. September – 10. November 2013

Ulla von Brandenburg, Kulisy, 2012, Ausstellungsansicht, Made in Germany Zwei, Hannover, Foto: Jürgen Vorrath
Ulla von Brandenburg, Kulisy, 2012, Ausstellungsansicht, Made in Germany Zwei, Hannover, Foto: Jürgen Vorrath

Die deutsche Künstlerin Ulla von Brandenburg ergründet in ihren Filmen, Installationen, Performances und Zeichnungen die Facetten des Bühnenhaften und Theatralischen, das Verhältnis von ZuschauerInnen und AkteurInnen, die Regelhaftigkeit des Spiels sowie die Schnittstellen von Realität und Illusion.

In ihrer ersten Einzelausstellung in Österreich zeigt Ulla von Brandenburg als Teil einer spezifisch auf den Hauptraum der Secession zugeschnittenen Installation ihren neuen Film Die Straße. Die Kamera des Schwarz-Weiß Films verfolgt in einer einzigen ungeschnittenen Einstellung die Aktionen der DarstellerInnen, die von Brandenburg in einer ephemeren Kulissenstadt aus weißen Leinwänden unter freiem Himmel in Szene gesetzt hat. Durch die stilisierende Szenerie, die geheimnisvollen und rätselhaften Rituale, welche die Interaktion der SchauspielerInnen untereinander bestimmen, und das Lied, das sie abwechselnd singen, haftet dem Film eine besondere Poesie an.

Wie der Film so lotet auch die Installation die verschiedenen Wirklichkeitsebenen und Grenzbereiche zwischen dem Sein und Schein aus. Vor die Filmprojektion stellt von Brandenburg eine begehbare Bühnenkonstruktion und initiiert durch verschiedenfarbige Theatervorhänge, Treppen, Tribünen und ZuschauerInnenebenen ein Spiel mit dem Davor und Dahinter, Außen / Innen und letztlich eine Konfrontation der BetrachterInnen mit sich selbst und ihrer Rolle. Wie häufig im Werk Ulla von Brandenburgs dient der Vorhang als ein Mittel, um einen Übergang zu markieren von der realen Welt in jene des Theaters, in einen geistigen Raum, in dem die Imagination, Träume und das Unbewusste regieren und keine zeitlichen oder räumlichen Schranken existieren.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
Ulla von Brandenburg, geboren 1974 in Karlsruhe, lebt und arbeitet in Paris.



SUSI JIRKUFF
Wild Wood
19. September – 10. November 2013

Susi Jirkuff, Boyz In The Wood, 2013, Aquarell auf Papier
Susi Jirkuff, Boyz In The Wood, 2013, Aquarell auf Papier

Zu den bevorzugten künstlerischen Medien von Susi Jirkuff, die in Linz und London Bildhauerei studierte, zählen die Zeichnung, die Videoanimation und die Rauminstallation. In ihren Werken, die international in Ausstellungen und auf Filmfestivals gezeigt wurden, verhandelt Jirkuff die mediale Konstruktion von Realität, soziale Isolation, Popkultur als identitätsstiftende Kraft sowie die Darstellung von (sub)urbanem Leben und anonymisierten Räumen. Bilder aus Zeitungen, Fernsehen und Internet dienen ihr für ihre Zeichnungen und Animationen dabei ebenso als Quelle und Vorlage wie eigene Fotografien. Dabei geht die Künstlerin spielerisch und in einer reduziert stilisierten Formensprache mit den unterschiedlichen Mitteln zur Erzeugung filmischer Illusion um und entwirft eine eigene, zeichnerisch mediale Realitätsebene.

Susi Jirkuffs als räumliche Inszenierung konzipierte Ausstellung Wild Wood in der Galerie der Secession besteht aus Wandzeichnungen und -tapeten, aus auf geometrische Körper projizierten Animationen, abstrahierten skulpturalen Elementen und Soundscapes. Die sich über drei Räume erstreckende Installation bildet eine Art lebensgroße, begehbare filmische Kulisse, in der die Künstlerin auch erstmals ihre dreiteilige Videoanimation Boyz in the Wood (2013) zeigt, deren Titel eine Referenz an den Kinofilm Boyz n the Hood ist, in dem Regisseur John Singleton 1991 ein authentisches Porträt des Ghettolebens in South Central L.A. zeichnete.

In der Ausstellung thematisiert sie – nicht ohne Ironie – die Diskrepanz zwischen dem medial propagierten Paradigma eines Alles-ist-Möglich auf der einen und (realen) individuellen wie gesellschaftlichen Beschränkungen / Unfreiheiten auf der anderen Seite.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeanette Pacher
Susi Jirkuff, geboren 1966 in Linz, lebt und arbeitet in Wien.



HANNES BÖCK
Fünf Skulpturen aus den ägyptischen Heiligtümern im Museo del Sannio, Benevento: n. 252 Hockender Pavian,
Diorit; n. 253 Falke, Amphibolit; n. 255 Falke, Gabbro; n. 256 Hockender Pavian, Diorit; n. 280 Apis-Stier, Diorit

19. September – 10. November 2013

Hannes Böck, New Hefei, 2008, Film, 16mm, schwarz-und-weiss, Ton, 10 min, Filmstill
Hannes Böck, New Hefei, 2008, Film, 16mm, schwarz-und-weiss, Ton, 10 min, Filmstill

Filmästhetische, künstlerische und kulturhistorische Diskurse stellen die Referenzpunkte für die formal reduzierten 16mm-Filme und Fotoserien des Wiener Künstlers Hannes Böck dar. Ausgedehnte Recherchen und Reisen wie beispielsweise nach China, Mexiko, Peru und auf die Galapagosinseln gehen der eigentlichen Entstehung der Arbeiten (Las Encantadas, 2012; Niches Cut into Bedrock at Sacsayhuamán, Cusco and Inca Stone Quarry at Cachicata, Ollantaytambo, 2011; New Hefei, 2007/2008) voraus. Die Wahl dieser Schauplätze legt bereits ein Interesse an postkolonialen Fragestellungen nahe.

In seiner jüngsten Filminstallation Fünf Skulpturen aus den ägyptischen Heiligtümern im Museo del Sannio, Benevento: n. 252 Hockender Pavian, Diorit; n. 253 Falke, Amphibolit; n. 255 Falke, Gabbro; n. 256 Hockender Pavian, Diorit; n. 280 Apis-Stier, Diorit setzt sich Hannes Böck mit dem komplexen Verhältnis von Archäologie, Kunstgeschichte, Fotografie und den dazugehörigen Bildsprachen auseinander. In der eigens für das Grafische Kabinett der Secession entwickelten Installation reflektiert der Künstler den kulturellen Einfluss Ägyptens auf das antike Griechenland und das Römische Reich und lässt dabei den steinernen ProtagonistInnen seines 16mm-Films Raum, ihre Individualität zu entfalten. Die in postkolonialen Debatten problematisierten Ein- und Ausschlussmechanismen absoluter Geschichtsschreibung dienen ihm hierfür ebenso als Ausgangspunkt wie eine medienreflexive Betrachtung historischer Bildproduktion.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Hannes Böck, geboren 1974 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.
Die Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Hannes Böck.



SARAH LUCAS
NOB
+ Gelatin
23. November 2013 – 19. Jänner 2014

Sarah Lucas, Suffolk Bunny, 1997-2004, Braune Strumpfhose, blaue Strümpfe, Stuhl, Klemme, Kapok, Draht, 96 x 64 x 90 cm, Courtesy Sadie Coles HQ, London
Sarah Lucas, Suffolk Bunny, 1997-2004, Braune Strumpfhose, blaue Strümpfe, Stuhl, Klemme, Kapok, Draht, 96 x 64 x 90 cm, Courtesy Sadie Coles HQ, London

Sarah Lucas ist eine der herausragenden britischen KünstlerInnen ihrer Generation. Mit ihren Skulpturen und Objekten, die Sarah Lucas aus leicht verfügbaren Materialien wie Hausrat oder Nahrungsmitteln herstellt, sowie fotografischen Selbstporträts hat sie eine unverwechselbare Bild- und Materialsprache entwickelt. Durch die unverblümte Direktheit sexueller Anspielungen, die für ihre Arbeiten charakteristisch ist, stellt die Künstlerin sexuelle Stereotype bloß und unterwandert diese zugleich. Ihre tiefe Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Normierungen und genderspezifischen Rollenzuschreibungen bringt Lucas dabei stets mit tiefgründigem Humor zum Ausdruck.

In der Secession wird Sarah Lucas neue, großformatige Skulpturen präsentieren: Überlebensgroße phallische Objekte aus Beton lehnen auf Sockeln aus gepressten Autowracks und spiegeln sich auf den polierten Bronzeoberflächen zweier rekordverdächtig großer Kürbisskulpturen. Der weibliche Körper ist als Motiv auf raumhohen Tapeten präsent, wenn auch fragmentiert und androgyn. Weitere vor Ort angefertigte Elemente verleihen der Ausstellung eine Aktualisierung und Verortung.

Zur Ausstellung erscheint ein gemeinsam mit Julian Simmons konzipiertes und gestaltetes Künstlerbuch, das in Texten und Bildern Einblicke in den Herstellungsprozess der skulpturalen Arbeiten von Sarah Lucas gibt.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeanette Pacher
Sarah Lucas, geboren 1962 in London, lebt und arbeitet in Suffolk, UK.



TOBIAS PILS
Secession
23. November 2013 – 19. Jänner 2014

Tobias Pils, OhneTitel, 2012, Mischtechnik/Leinwand, 202 x 155 cm. Foto: Jorit Aust
Tobias Pils, OhneTitel, 2012, Mischtechnik/Leinwand, 202 x 155 cm. Foto: Jorit Aust

Tobias Pils' großformatige abstrakte Malerei – mitunter durchsetzt von gegenständlichen Fragmenten – entwickelt sich aus Fragestellungen, die eng mit dem Malprozess selbst verknüpft sind. Für seine große Einzelpräsentation in der Galerie hat er einen umfassenden neuen Werkzyklus produziert. Der Titel der Ausstellung lautet schlicht Secession. Hinter dieser minimalistischen Ansage steht eine Ausstellung, die unter anderem historische Bezüge rund um die Secession und den Zeitgeist des anbrechenden 20. Jahrhunderts in Wien aufgreift.

Pils' Bezugnahme auf die Secession ist völlig wertfrei und beschränkt sich nicht auf formale Aspekte. Das führt in der Ausstellung zu einem Spiel mit Materialien, Techniken und ungewöhnlichen Referenzen wie beispielsweise auf U-Bahn-Schächte und den bekannt secessionskritisch eingestellten Adolf Loos.

Ornamentale Elemente und charakteristische Formen wie beispielsweise das Motiv der Lorbeerkuppel – das Markenzeichen der Secession schlechthin – flossen wie selbstverständlich in die Bildsprache des Künstlers ein. Die Präsentation der Arbeiten ist als Erweiterung des Ausstellungsraums konzipiert und von einem experimentellen Verständnis malerischer Inszenierung gekennzeichnet. Lange vor dem eigentlichen Malprozess hatte Pils eine Art künstlerisches Leitsystem konzipiert, das die BesucherInnen vom Foyer der Secession in die Ausstellungsräume der Galerie im Untergeschoss begleitet. Teil dieser Inszenierung ist das Treppenhaus zum Untergeschoss, das mit handgefertigten und mit blauen Wellenlinien bemalten Keramikfliesen ausgekleidet wird sowie zwei großformatige runde Gemälde, die mittels Blickregie die BesucherInnen in die eigentlichen Ausstellungsräume in der Galerie führen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von András Pálffy, Texten von Richard Shiff und Roberto Ohrt sowie zahlreichen Abbildungen.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Bettina Spörr
Tobias Pils, geboren 1971 in Linz, lebt und arbeitet in Wien.
Die Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Tobias Pils.



GUIDO VAN DER WERVE
at war with oneself
23. November 2013 – 19. Jänner 2014

Guido van der Werve, Nummer vier. I don't want to get involved in this. I don't want to be part of this. Talk me out of it, 2005, Film, 35mm, 11:49 min, Zandvoort, Siitama & Enschede NL. Foto: Ben Geraerts
Guido van der Werve, Nummer vier. I don't want to get involved in this. I don't want to be part of this. Talk me out of it, 2005, Film, 35mm, 11:49 min, Zandvoort, Siitama & Enschede NL. Foto: Ben Geraerts

Der niederländische Video- und Performance-Künstler Guido van der Werve stellt sich als Protagonist seiner Filme großen körperlichen Anforderungen. In seinen Arbeiten sucht er Zugänge zur Welt- und Selbsterfahrung, indem er den existenzialistischen Wettbewerb mit sich selbst in Szene setzt. Dies dient ihm neben der klassischen Musik als Ausgangspunkt für komplexe Erzählungen über physisches Durchhaltevermögen, das Vergehen von Zeit und die unkontrollierbare Dynamik des Zufalls zu verdichten. Strukturell verankert van der Werve, der auch über eine klassische Ausbildung als Pianist verfügt, seine Erzählungen häufig durch Bezüge zu Biografien von Komponisten wie Rachmaninow oder Chopin sowie durch eigene Kompositionen. So entstehen Arbeiten, die mittels körperlicher Anstrengung die Determinanten von Raum und Zeit vermessen und zugleich von einer tiefen Melancholie und der Verarbeitung von Einsamkeit zeugen.

In dem 56-Minuten-Film Nummer veertien, home absolvierte van der Werve einen 1.700 km-Triathlon – die siebenfache Strecke des Ironman-Triathlons. Schwimmend, radfahrend und laufend legte er den Weg von Warschau nach Paris zurück, um jenen Pfad, den Chopins Herz reiste, bevor es begraben wurde, in der entgegengesetzten Richtung zurückzuverfolgen. Die Dreiteilung der filmischen Erzählung entspricht nicht nur dem Triathlon, sondern ebenso dem Requiem, das van der Werve zu diesem Anlass selbst komponiert hat und als Soundtrack verwendet.

Nummer veertien, home zählt zur jüngsten Werkgruppe van der Werves, in der er neben der klassischen Musik auch den Sport thematisiert. Mit seinem anlässlich der Ausstellung in der Secession entstandenen Künstlerbuch Nummer vijftien, at war with oneself plant er diese zusammenzufassend abzuschließen. Die umfangreiche Publikation beinhaltet Text- und Bilddokumente sowie Selbstreflexionen und Analysen zu seinen Arbeiten der letzten fünf Jahre.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck
In Kooperation mit dem Gartenbaukino
Guido van der Werve, geboren 1977 in Papendrech, NL, lebt und arbeitet in Berlin und Finnland.



PERMANENTE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES



ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr


FÜHRUNGEN
jeden Samstag um 15.00 Uhr und Sonntag um 11.00 Uhr sowie nach Vereinbarung



Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:

Erste Bank – Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Katharina Schniebs
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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