Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Miriam Bajtala beschäftigt sich mit Wahrnehmung und den Parametern, welche diese definieren und verändern, wie Raum, Zeit und Kontext. Videos, Zeichnungen und Skulpturen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Textarbeiten und performative Installationen. In jüngeren Arbeiten, wie dem Video
3 Stimmen (2011) oder den Performances
2 Monologe für einen Chor (2011) und
die Rede (2012) thematisiert Bajtala Fragen der sprachlichen Artikulation von (Selbst-) Ermächtigung, Repräsentation und Vermittlung. Rede, geschriebener Text, Stimmvariationen, Sprachverlust und -aneignung sind zugleich Gegenstand und Mittel der künstlerischen Analyse.
Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Die feierliche Rede unterliegt gewissen Konventionen und formalen Regeln, die beitragen, dem Gegenstand der Rede – ein künstlerisches Werk und dessen UrheberIn – Bedeutung zu verleihen und diese entsprechend zu adressieren bzw. zu repräsentieren. Bajtala setzt hier an, um das Sprechen über die künstlerische Arbeit, das in der Regel ExpertInnen wie KuratorInnen, KritikerInnen, TheoretikerInnen überlassen wird, zu verhandeln und sich das Vermitteln des Werks selbstreflexiv wieder anzueignen. So schrieb Miriam Bajtala beispielsweise für ihren Beitrag zur Ausstellung
Kabinenschau eine Rede und engagierte eine Performerin, die diese bei der Eröffnung an Stelle der Künstlerin halten sollte.
Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Mit ihrer für die Ausstellung in der Secession konzipierten und realisierten Arbeit
in meinem Namen (2013) knüpft Miriam Bajtala an das Thema der Rede und den damit verbundenen Repräsentationsfragen an. Sie befragt darin ihre Rolle als Künstlerin, indem sie ihre Selbstwahrnehmung den Sichtweisen von vier Kulturschaffenden gegenüberstellt. Hierfür beauftragte sie eine Künstlerin, eine Kuratorin, einen Kurator und eine Autorin, jeweils eine Rede in ihrem Namen zu verfassen, also stellvertretend für sie über ihre Arbeit zu sprechen. In dem Video
vier Reden stellt die Künstlerin sich selbst dar und repräsentiert zugleich die vier, von ihr autorisierten StellvertreterInnen in ihren unterschiedlichen Rollen. Vor neutralem schwarzem Hintergrund ist die Künstlerin vier Mal nebeneinander im Close-up zu sehen, sie spricht mal direkt in die Kamera, mal aus dem Off oder im Flüsterton.
Miriam Bajtala, in meinem Namen, Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschlaeger
Die eigene, als Reaktion auf die vier in Auftrag gegebene Reden verfasste (Gegen-) Rede inszenierte Miriam Bajtala bereits im Vorjahr auf völlig andere Weise: sie ließ sich vertreten. Diesmal durch einen „Chor“, eine Gruppe an Menschen, die ihrem offenen Aufruf gefolgt waren, an einer Kunstaktion teilzunehmen und gemeinsam einen Text vorzutragen. Im Video
Chor sieht man, wie die Gruppe den Hauptraum der Secession betritt – allein die Größe der Gruppe schrieb einen großen Raum vor –, sich aufstellt und anschließend im Chor die Rede Miriam Bajtalas spricht. Konsequent eröffnet der Satz „Ich möchte laut sein“ die Rede. Übertitel erleichtern es, dem Text zu folgen – ähnlich wie in einer (fremdsprachigen) Oper.
In der Installation werden die Videoarbeiten
Chor und
vier Reden auf einander gegenüberliegende Wände projiziert, die ProtagonistInnen treten abwechselnd in Aktion. Der Perspektivenwechsel – vom Close-up im Video
vier Reden zur Totalen in
Chor – ist auch auf räumlicher Ebene zu verstehen. Der um ein Vielfaches größere Hauptraum wird in das zu einer Black Box verwandelte Grafische Kabinett buchstäblich projiziert. Mit der räumlichen Zusammenführung wirft Miriam Bajtala die Frage nach der jeweiligen Charakteristik sowie dem Repräsentationscharakter des Raumes auf: Das Erhabene des White Cubes konfrontiert sie mit der Intimität des Grafischen Kabinetts.
KATALOG
Miriam Bajtala
in meinem Namen
72 Seiten, Format: 165x222mm
Texte: Christa Benzer, Christian Höller, Jens Kastner, Sarah Kolb, Gabriele Mackert, András Pálffy, Carola Platzek, Dietmar Schwärzler, Claudia Slanar, Andreas Spiegl, Franz Thalmair, Jan Verwoert, Flora Watzal, Sabine Winkler
Deutsch/Englisch
Secession 2013
Vertrieb: Revolver Verlag
Erhältlich im Shop
Die Publikation erscheint mit freundlicher Unterstützung von:
Kunstuniversität Linz
Land Oberösterreich
Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeanette Pacher
BIOGRAFIE
Miriam Bajtala, geboren 1970 in Bratislava, lebt und arbeitet in Wien.
Ausbildung
1989–1996 Studium der Kunstgeschichte, Universität Wien, 1996–1998 Lehrgang für Elektroakustik (ELAK), Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien, 1998–2002 Akademie der bildenden Künste Wien
Einzelausstellungen
| 2011 |
zwei Monologe für einen Chor, Projektraum k48, Wien
Terms of Decision (mit Blue Curry), Austrian Cultural Forum, London
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| 2010 |
home stories, Galeria Krokus, Bratislava
nichts als gespenster (mit Gregor Graf), Forum Stadtpark, Graz
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| 2009 |
satellite me, das weisse haus, Wien
asymmetrical focus (mit Annja Krautgasser), Galerie Stadtpark, Krems
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| 2007 |
die tarnung, swingr, Wien
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| 2006 |
ich und andere leuchten, Passagengalerie, Künstlerhaus, Wien
wilde lösungen, Galerie 5020, Salzburg
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| 2005 |
can’t see nothing (mit Flora Watzal), dreizehn zwei, Wien
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| 2002 |
so als ob, MAK Gegenwartskunstdepot, Gefechtsturm Arenbergpark, Wien
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Gruppenausstellungen (Auswahl)
| 2012 |
Retrospective Video Art 2012, National Art Gallery Bangkok, Bangkok
nach dem Projekt ist …, Abteilung für alles andere, Berlin
Kabinenschau, Kalmusbad, Klagenfurt
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| 2011 |
pixxelpoint, Kulturni dom, Nova Gorica, SI
Parabol Art Magazin #6: The don’t you dare issue (Beitrag)
borders of drawing, das weisse haus, Wien / Vienna
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| 2010 |
Zeichnung, Tiroler Künstlerschaft, Kunstpavillon, Innsbruck
13 x Projektionen in aller Öffentlichkeit, ein Projekt von KÖR Steiermark & Diagonale
Ohne Titel, Kunstverein Medienturm, Graz
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| 2009 |
the center of attention, vienna art week, Wien
Miriam Bajtala, Herwig Kempinger, Loredana & Günther Selichar, Fotohof, Salzburg
unORTnung V, Ankerbrotfabrik, Wien
Performance I, Fotogalerie Wien, Wien
Ohne Namen. 100 Jahre Technisches Museum Wien, Technisches Museum, Wien
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| 2008 |
AUSTRIA conTEMPORARY, Sammlung Essl, Klosterneuburg
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| 2007 |
brauchen kritische räume zuneigung? Kunstraum Goethestraße, Linz
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| 2006 |
meine exzellenz / der gehörige rest, Haus der Forschung, Wien
Himmel, Erde, Hölle, Ursula Blickle Videolounge, Kunsthalle Wien, Wien
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| 2005 |
Galerie im Traklhaus, Salzburg
Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz
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| 2004 |
mandatory, MAK Center for Art and Architecture, Schindlerhaus, Los Angeles
no risk no glory, loop, raum für aktuelle kunst, Berlin
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Stipendien und Preise
| 2012 |
Outstanding Artist Award für bildende Kunst
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| 2009 |
Auslandsatelierstipendium BMUKK, Paris
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| 2008 |
Staatsstipendium für bildende Kunst
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| 2005 |
29. Österreichischer Grafikwettbewerb Innsbruck, Preis der Bundeshauptstadt Wien
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| 2004 |
MAK Schindler Stipendium, Los Angeles
Auslandsatelierstipendium BKA, Rom
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| 2002 |
Auslandsatelierstipendium BKA, Český Krumlov, CZ
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DVD-Editionen
| 2009 |
Video Edition Austria – release 02, Medienwerkstatt Wien
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| 2006 |
as she likes it. Female Performance Art from Austria, INDEX/DVD Edition 023, Medienwerkstatt Wien und sixpackfilm
art_clips / .ch.at.de. 90 Kurzvideos aus Schweiz, Österreich und Deutschland, hg. v. G. J. Lischka und ZKM, Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, ZKM digital arts edition, Hatje Cantz, Ostfildern
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http://miriambajtala.klingt.org
Die
Arbeiterkammer Wien ist Hauptsponsor der Ausstellung von Miriam Bajtala.
Die Secession wird unterstützt von:
Erste Bank Partner der Secession
Wien Kultur
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Die Freunde der Secession
Kooperations-, Medienpartner, Sachsponsoren:
Festool
Ö1 Club
Schremser – Das Waldviertler Bier
Silver Server
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
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