Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler
Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler

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Nahaufnahmen des Beethovenfrieses aus restauratorischer und künstlerischer Sicht

Mit den zwei Ausstellungsprojekten Close-up – Gustav Klimt ~ Gerwald Rockenschaub – Plattform reflektieren der Künstler Gerwald Rockenschaub, das Bundesdenkmalamt und die RestauratorInnen der Akademie der bildenden Künste Wien ein Schlüsselwerk des künstlerischen Aufbruchs in das 20. Jahrhundert. Anlässlich des 150. Geburtstags von Gustav Klimt bietet die Secession BesucherInnen einen detailreichen Blick auf den Beethovenfries und beleuchtet diese kulturhistorische Ikone sowohl aus wissenschaftlicher wie auch aus künstlerischer Perspektive.


Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler
Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler


GERWALD ROCKENSCHAUB, Plattform (2012)

Die von Gerwald Rockenschaub für den Raum des Beethovenfrieses in der Secession entwickelte Installation ermöglicht BesucherInnen ungewohnte Perspektiven und neue Standpunkte in der Wahrnehmung dieses Werks. Seine skulpturale Intervention erlaubt es erstmals den raumumspannenden und in einer Höhe von 3 bis 5 Metern installierten Fries auf Augenhöhe zu betrachten. Beide Arbeiten, sowohl Klimts Beethovenfries als auch Rockenschaubs Plattform, treten dabei in einen gleichberechtigten Dialog. Die Plattform ist zweckmäßig und funktional, behauptet sich aber zugleich in ihrer Objekthaftigkeit als eigenständiges Werk. "Die Plattform soll sich bis zu einem gewissen Punkt auch in diesem Rahmen als Kunstwerk abbilden, nicht nur reine Gebrauchsarchitektur sein", so Gerwald Rockenschaub.


Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler
Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler


Rockenschaubs Gestaltung weist zahlreiche charakteristische Merkmale seiner künstlerischen Sprache auf: die Verwendung handelsüblicher Baumaterialien, der zeichenhafte Minimalismus und die Monochromie der Flächen. "Farbe", so der Künstler, "ist quasi die minimalste Maßnahme, die man ergreifen kann, um den Objektcharakter zu erhöhen. Ich greife relativ unbelastet oder kindlich-kindisch in den großen Farbtopf." Mit der Plattform in der Secession führt Rockenschaub zudem eine seit den späten 1980er-Jahren entwickelte Werkgruppe von Installationen fort, in denen er mittels Podesten, Sitzbänken, Vorhängen oder Trennwänden die BesucherInnen im Ausstellungsraum lenkt, Wahrnehmungsformen verändert und den architektonischsozialen Raum neu codiert. "Es ist immer eine respektvolle Herangehensweise, nie ein ironischer Kommentar", betont der Künstler.


Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler
Gustav Klimt - Beethovenfries, Gerwald Rockenschaub - Plattform, Foto: Wolfgang Thaler


Kurzbiografie
Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin.
Ausgewählte Einzelausstellungen: 2012 Embrace Romance/Remodeled, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg; 2011 If I ever had the chance again, I'd probably do the same, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg; 2010 Gone is back again, House of Art Ceske Budejovice, Budweis; 2009 Promise vs. Reality, Villa Stuck, München
Ausgewählte Gruppenausstellungen: 2012 Utopie Gesamtkunstwerk, Belvedere, 21er Haus, Wien; 2011 Carte Blanche a John Armleder. All of the above, Palais de Tokyo, Paris; 2010 Bilder über Bilder, MUMOK, Wien; Amsterdam – Berlin, De Service Garage, Amsterdam; maximal pleasure, Souterrain, Berlin; 2009 Don´t Follow Me I´m Lost Too, Substitut, Berlin; Wiener Musterzimmer, Orangerie - Österreichische Galerie Belvedere, Wien; Spacioux, Lambretto Art Project, Mailand; 2007 Documenta 12, Kassel



Gustav Klimt - Beethovenfries, Poesie, Akademie der bildenden Künste, Foto: Wolfgang Thaler
Gustav Klimt - Beethovenfries, Poesie, Akademie der bildenden Künste, Foto: Wolfgang Thaler


Close-up – GUSTAV KLIMT

Anlass und Thema der "Nahaufnahme" des Beethovenfrieses sind seine jüngste restauratorische und naturwissenschaftliche Untersuchung. Über 25 Jahre nach der letzten Restaurierung durch das Bundesdenkmalamt wird der aktuelle Zustand genauestens dokumentiert und die Grundlage für alle künftigen Restaurierungsmaßnahmen geschaffen. "Eines unserer zentralen Anliegen ist die umfassende Befundung sowie die fachgerechte Konzepterstellung im Vorfeld von Restaurierungen," unterstreicht Landeskonservator Univ.-Doz. Dr. Friedrich Dahm die Wichtigkeit des gemeinschaftlichen Projekts des Bundesdenkmalamts, der Akademie der bildenden Künste Wien und der Secession: "Beim Beethovenfries stellen wir die höchsten Ansprüche. Hier spielen wir in der Spitzenliga."

Die Präsentation im Entrée des Ausstellungsraums kreist um eine an der Akademie der bildenden Künste Wien hergestellte Kopie eines Ausschnittes des Beethovenfrieses (Die Poesie). Sie dient der genauen Analyse des entstehungszeitlichen Herstellungsprozesses des Bildträgers und der Malerei von Gustav Klimt. "Unser Wirkungsfeld besteht in der Erfüllung der komplexen Aufgabe, Kunstwerke und Kulturgut für kommende Generationen in einem möglichst am Original orientierten bzw. authentischen Zustand zu erhalten und somit dem Verfall durch Alterungsprozesse oder durch unbeabsichtigte Schäden entgegenzuwirken," so o.Univ.-Prof. Mag. Dipl.-Ing. Wolfgang Baatz, Leiter des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Akadmie der bildenden Künste: "Diese Zielsetzung ermöglicht das Fortwirken der künstlerischen Manifestation in der Zukunft und die Erhaltung des kulturellen Erbes für die Nachwelt."

Mit zwei unterschiedlichen Begleitfilmen wird BesucherInnen zum einen die schrittweise Konstruktion der Replik, zum anderen der Prozess der wissenschaftlichen Begutachtung und Befundung des Meisterwerks vermittelt. Auszüge aus der hoch auflösenden Digitalisierung des Originals, die der langfristigen Dokumentation des Zustands des Werks dienen, ergänzen das Filmmaterial zusätzlich. Ein Streiflicht auf die komplexen Herausforderungen der letzten Restaurierung der originalen Wandmalerei in den 1970er- und 1980er-Jahren im Bundesdenkmalamt rundet schließlich den restauratorischen Blick auf den Beethovenfries ab.



Gustav Klimt, Beethovenfries (1902)

"Aber hier hört der Spaß auf, und ein brennender Zorn erfaßt jeden Menschen, der noch einen Rest von Anstandsgefühl hat. Was soll man zu dieser gemalten Pornographie sagen? [...] Für ein unterirdisches Local, in dem heidnische Orgien gefeiert werden, mögen diese Malereien passen, für Säle, zu deren Besichtigung die Künstler ehrbare Frauen und junge Mädchen einzuladen sich erkühnen, nicht." (S.G., 22. April 1902, zitiert nach: Hermann Bahr, Gegen Klimt, 1903, S. 70)

"Im linken Seitenschiff hat Gustav Klimt ein entzückendes Friesgemälde geschaffen, so voll seiner kühnen, selbstherrlichen Persönlichkeit, daß man sich zurückhalten muß, um dieses Gemälde nicht sein Hauptwerk zu nennen." (Ludwig Hevesi, Acht Jahre Secession, 1906, S. 392-393)

Im Sommer 1901 beschlossen die Mitglieder der Vereinigung bildender Künstler Österreichs eine Ausstellung zu zeigen, die das Zusammenspiel zwischen Architektur, Malerei, Plastik und Musik in höchster Vollendung veranschaulichen sollte. Nur ein Jahr später, in der XIV. Ausstellung, erfuhr dieser Gedanke eines secessionistischen Gesamtkunstwerks unter der Leitung von Josef Hoffmann seine Umsetzung. Zahlreiche Mitglieder der erst kurz zuvor gegründeten KünstlerInnenvereinigung inszenierten ihre Arbeiten rund um die 1902 fertig gestellte Beethoven-Plastik von Max Klinger. Thematisch bezieht sich der Beethovenfries von Gustav Klimt, der ebenfalls in dieser Ausstellung zu sehen war, auf Richard Wagners Interpretation der IX. Symphonie Ludwig van Beethovens, in der es um die menschliche Sehnsucht nach Glück geht. Im Beethovenfries hat die schwache Menschheit feindliche Gewalten wie Krankheit, Wahnsinn, Unkeuschheit oder Unmäßigkeit zu überwinden und findet erst durch die Künste zum ewigen Glück.



Geschichte des Beethovenfrieses

1902       Ursprünglich wird der Beethovenfries für den Zeitraum der XIV. Ausstellung angefertigt und soll danach wieder von den Wänden des Secessionsgebäudes entfernt werden.

1903 Die Wandmalerei bleibt jedoch bis 1903 am Ort ihrer Entstehung, bis sie in den Besitz des Industriellen Carl Reininghaus übergeht. Reininghaus lässt den Beethovenfries nach Beendigung der XVIII. Secessionsausstellung, einer Klimt-Retrospektive, samt Unterbau von den Wänden nehmen.

1915 Durch Vermittlung von Egon Schiele verkauft Carl Reininghaus den Beethovenfries an die Industriellenfamilie Lederer, die der Österreichischen Galerie, die sich ebenfalls für einen Kauf des Kunstwerks interessiert, zuvorkommt.

1936 In der Zwischenkriegszeit werden Teile des Beethovenfrieses in der Secession ausgestellt.

1939 Nach der Enteignung der Familie Lederer im Zuge der Arisierung durch die Nationalsozialisten wird der Beethovenfries im Depot einer Wiener Speditionsfirma verwahrt.

1943 Teile des Beethovenfrieses werden während des Zweiten Weltkriegs in der Secession gezeigt und im Anschluss wegen Beschädigungsgefahr von Wien nach Schloss Thürntal bei Fels am Wagram in Niederösterreich gebracht, wo das Kunstwerk im Kapellenraum gelagert wird.

1945 Nach Ende des Zweiten Weltkriegs geht der Beethovenfries in den rechtmäßigen Besitz der Sammlung Erich Lederer in Genf über. Nach Klärung der Besitzverhältnisse wird über den Beethovenfries von Seiten des österreichischen Staates ein Ausfuhrverbot verhängt und er verbleibt im Schloss Thürntal.

1956 Der Beethovenfries wird nach Stift Altenburg im Waldviertel gebracht. Zum Schutz des Frieses und aus konservatorischen Gründen setzt sich Erich Lederer für einen erneuten Standortwechsel ein.

1961 Die Wandmalerei wird in das Depot der Österreichischen Galerie in den ehemaligen Pferdestallungen des Prinz Eugen im Schloss Belvedere gebracht.

1973 Die Republik Österreich erwirbt den Beethovenfries von Erich Lederer. Der damalige Kaufpreis beträgt 15 Millionen Schilling.

1974 Die Restaurierung des Beethovenfrieses durch das Bundesdenkmalamt beginnt. Die vollständige Restaurierung dauert mehr als zehn Jahre.

1985 Die Restaurierung des Beethovenfrieses wird Ende Jänner mit der Montage der einzelnen Teilstücke auf Stahlrahmen abgeschlossen. In der Ausstellung Traum und Wirklichkeit – Wien 1870-1930 im Wiener Künstlerhaus wird der Fries in einer vom Atelier Hans Hollein erarbeiteten Rekonstruktion seiner ursprünglich von Josef Hoffmann entworfenen architektonischen Umrahmung gezeigt. Nach Ende der Ausstellung im Künstlerhaus kehrt der Beethovenfries in einen von Architekt Adolf Krischanitz eigens dafür geschaffenen Raum in die Secession zurück.

2009 Ein Viertel Jahrhundert nach Abschluss der Restaurierung beginnen die laufenden Untersuchungsarbeiten zum konservatorischen Zustand des Beethovenfrieses.



Weiterführende Publikation
GUSTAV KLIMT – BEETHOVENFRIES
AutorInnen: Gerbert Frodl, Margarethe Szeless, Marian Bisanz-Prakken, Markus Brüderlin
Erhältlich im Shop



Weiterführende Informationen zum Beethovenfries



Der Beethovenfries in der Secession: Vermittlungsangebot
(Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch)

Öffentliche Führung:
Gustav Klimt und der Beethovenfries Termine: 3. April, 8. Mai, 5. Juni, 3. Juli, 7. August, 4. September, 2. Oktober, 6. November, 4. Dezember 2012, jeweils um 17.00 Uhr, für alle Altersgruppen geeignet

Spezialführung:
Gustav Klimt und der Beethovenfries – unter Einbezug von Beständen des umfassenden Archivs der Wiener Secession. Termine nach Vereinbarung.



In Kooperation mit:
Akademie der bildenden Künste Wien, Institut für Konservierung-Restaurierung
Bundesdenkmalamt



Die Secession wird unterstützt von:
Erste Bank – Partner der Secession
Wien Kultur
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Die Freunde der Secession

Kooperations-, Medienpartner, Sachsponsoren:
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Schremser – Das Waldviertler Bier
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