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23. Februar – 15. April 2012
RUDOLF STINGEL

MICHAEL SNOW




23. März – 4. November 2012
verlängert bis 7. April 2013
GERWALD ROCKENSCHAUB




3. Mai – 17. Juni 2012
David Claerbout

Stephan Dillemuth

Slavs and Tatars




29. Juni – 2. September 2012
Mutatis Mutandis
Gruppenausstellung kuratiert von Catherine David




21. September – 25. November 2012
Kerry James Marshall


Anne Hardy


Anja Kirschner & David Panos




7. Dezember 2012 – 10. Februar 2013
Yael Bartana

Liz Deschenes

Fiona Rukschcio




PERMANENTE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES




ÖFFNUNGSZEITEN

FÜHRUNGEN
Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr

jeden Samstag um 15.00 Uhr und Sonntag um 11.00 Uhr





Rudolf Stingel
23. Februar – 15. April 2012

Installation view of "Rudolf Stingel", Whitney Museum, New York 2011, Photograph by Stefan Altenburger, Courtesy of the artist
Installation view of "Rudolf Stingel", Whitney Museum, New York 2011, Photograph by Stefan Altenburger, Courtesy of the artist

Mit seinen Arbeiten befragt Rudolf Stingel seit nunmehr über 20 Jahren den Begriff der Malerei und erweitert dessen Definition. Die in den 1980er-Jahren durchaus noch gängige Vorstellung vom Künstler als Genie und Erfinder entzauberte er, als er unter dem Titel „Instructions / Istruzioni / Anleitung“ ein Buch publizierte, das den Herstellungsprozess seiner abstrakten Bilder offenlegte und für jedermann zur Nachahmung mit einer entsprechenden Anweisung versah.

Außer den klassischen Mitteln der Malerei wie Farbe und Leinwand verwendet Stingel industrielle Materialien wie Isolierplatten, Styropor, Teppich und Ton. Seit den frühen 1990er-Jahren „tapeziert“ er damit wechselweise Böden und Wände von Ausstellungsräumen und bestimmt so auf signifikante Weise die gegenwärtige Diskussion um das Verhältnis von Malerei und Raum. Ausgekleidet mit einem monochromen Teppich oder silbrigen Isolierplatten wird der Raum selbst zum Träger der „Malerei“ oder besser: der monochromen Farbe. Die eingesetzten Materialien sind für den Künstler auch ob ihrer spezifischen Oberflächenqualitäten und Modulierbarkeit interessant: Während Abdrücke auf einem Teppich leicht verwischt werden können, somit eine Tabula rasa wiederhergestellt werden kann, sind die graffitiartigen Gravuren in die Isolierplatten bleibende Spuren einer menschlichen Interaktion.

2005 hat Stingel mit einem Porträt seiner Galeristin Paula Cooper sein zuvor abstraktes Werk um dieses klassische Genre erweitert und mit einer Reihe von fotorealistischen Selbstporträts, gemalt in Grautönen und basierend auf s/w-Fotografien, bis heute fortgesetzt.

In der Secession zeigt Rudolf Stingel eine speziell für diesen Kontext produzierte neue Arbeit.
Rudolf Stingel, geboren 1956 in Meran (IT), lebt und arbeitet in New York (USA) und Meran (IT).



Michael Snow
Recent Works
23. Februar – 15. April 2012

Michael Snow, Piano Sculpture, 2009, Installation with four projections, 15 min looped
Michael Snow, Piano Sculpture, 2009, Installation with four projections, 15 min looped

Michael Snow. Recent Works ist die erste Einzelausstellung des einflussreichen kanadischen Künstlers Michael Snow in Österreich. Er zeigt eine Auswahl seiner fotografischen Arbeiten und Filminstallationen aus den vergangenen zehn Jahren, die exemplarisch das Spektrum seines Schaffens vorführen. Als experimenteller Filmemacher, Maler, Bildhauer, Fotograf und professioneller Jazzmusiker arbeitet Snow seit über 50 Jahren in einer Vielzahl von Medien. Sein anhaltendes künstlerisches Interesse gilt zum einen Fragen der Wahrnehmung von Wirklichkeit und ihrer bildhaften Repräsentation, zum anderen den Darstellungsmitteln selbst. Konsequent untersucht er die Strukturen, Verfahren und Beschränkungen der verschiedenen Medien, wobei er häufig in Zwischenräumen operiert und ein Medium intermedial aus der Perspektive eines anderen ergründet. Jede seiner Arbeiten verfolgt eine spezifische Strategie. Die in der Secession gezeigten Werke thematisieren unter anderem die Simultaneität im Zusammenspiel von Bild und Ton, die Projektionsebene als Grundlage der Wahrnehmung von Filmbildern, Betrachterperspektiven und das Objekthafte des Dargestellten beziehungsweise den Realismus der Fotografie.

Michael Snow, geboren 1929 in Toronto (CA), lebt und arbeitet in Toronto (CA).
In Kooperation mit dem Filmmuseum, Wien



Close-up –GUSTAV KLIMT ~ GERWALD ROCKENSCHAUB – Plattform
Ein Projekt der Secession, des Bundesdenkmalamtes und der Akademie der bildenden Künste Wien
23. März – 4. November 2012 verlängert bis 7. April 2013

Gerwald Rockenschaub, Plattform, Photo: MargheritaSpiluttini
Gerwald Rockenschaub, Plattform, Foto: MargheritaSpiluttini

Anlässlich von Klimt 2012 entwickelt Gerwald Rockenschaub für den Raum des Beethovenfrieses in der Secession eine Plattform, die den BesucherInnen ungewohnte Perspektiven und neue Standpunkte in der Wahrnehmung dieses Schüsselwerks von Gustav Klimt ermöglichen. Seine skulpturale Intervention erlaubt es erstmals, den Raum umspannenden und in einer Höhe von 3 bis 5 Metern installierten Fries auf Augenhöhe zu betrachten. Beide Arbeiten, sowohl Klimts Beethovenfries als auch Rockenschaubs Plattform, treten dabei in einen gleichberechtigten Dialog. Die Plattform ist zweckmäßig und funktional, behauptet sich aber zugleich in ihrer Objekthaftigkeit als eigenständiges Werk. Rockenschaubs Gestaltung weist zahlreiche charakteristische Merkmale seiner künstlerischen Sprache auf: die Verwendung handelsüblicher Baumaterialien, die Monochromie der Flächen und der zeichenhafte Minimalismus. Mit der Plattform in der Secession führt er zudem eine seit den späten 1980er Jahre entwickelte Werkgruppe von Installationen fort, in denen er mittels Podeste, Sitzbänke, Vorhänge oder Trennwände die BesucherInnen im Ausstellungsraum lenkt, Wahrnehmungsformen verändert und den architektonisch-sozialen Raum neu codiert. So führte er etwa 1993 auf der Biennale in Venedig die BesucherInnen über ein Laufgerüst im Innenraum des Österreichischen Pavillons an Orte, die sie sonst nicht erreichen konnten.

Gerwald Rockenschaub, geboren 1952, lebt und arbeitet in Berlin.



David Claerbout
Diese Sonne strahlt immer
3. Mai – 17. Juni 2012

David Claerbout, Long Goodbye, 2007
David Claerbout, Long Goodbye, 2007

Der belgische Künstler David Claerbout arbeitet vorwiegend mit zeitbasierten Medien wie Animation, Video und Sound ebenso wie mit Fotografie. In kontemplativen Installationen erkundet er die Qualitäten dieser ehemals autonomen Medien kurz vor ihrer Auflösung. Die Arbeiten erfordern Ruhe und Ausdauer; oft werden Charakteristika wie Bewegung versus Stillstand, Dauer versus Moment, Vergänglichkeit und Veränderung versus Beständigkeit und Kontinuität parallel eingesetzt. In seiner ersten Einzelausstellung in Österreich zeigt David Claerbout eine Auswahl zumeist jüngerer Arbeiten. Der Ausstellungstitel Diese Sonne strahlt immer ist ein Verweis auf elektrisches Licht als Ersatz für die Sonne. Den Künstler fasziniert, dass im Gegenlicht gefilmte Aufnahmen als besonders intensiv empfunden werden, obwohl es sich nur um schwache, projizierte Lichtstrahlen handelt, die auf einer gewöhnlichen weißen Wand reflektiert werden. In seinen Arbeiten drückt sich ein Bedauern um den Verlust an Sinneserfahrung aus, beschäftigt sich Claerbout doch mit natürlichen Phänomenen wie Spiegelung, Wind und Sonnenlicht.

Seine frühen medienkritischen Videoarbeiten, wie z.B. Kindergarten Antonio Sant’Elia, 1932 (1998), basieren auf gefundenen Fotografien, während seine Spielfilme das Konzept der Simultaneität von Antagonismen noch einen Schritt weiterführen: die Narration tritt dabei in den Hintergrund und natürliche, nicht kontrollierbare Phänomene wie beispielsweise das Sonnenlicht im 13-stündigen Bordeaux Piece (2004) werden zum Hauptakteur in Echtzeit. Um Claerbouts Arbeiten erfahren zu können, ist daher eines besonders wichtig: sich Zeit zu lassen.

David Claerbout, geboren 1969 in Kortrijk (BE), lebt und arbeitet in Antwerpen (BE) und Berlin (DE).
Die Ausstellung von David Clearbout erfolgt in Kooperation mit der Flämischen Regierung.



Stephan Dillemuth
Öffentliche Verkehrsmittel
3. Mai – 17. Juni 2012

Stephan Dillemuth, Brunnen, Foto: Oliver Ottenschläger
Stephan Dillemuth, Brunnen, Foto: Oliver Ottenschläger

Stephan Dillemuth begreift seine Möglichkeiten als bildender Künstler vor dem Horizont der sich verändernden modernen Öffentlichkeit. Im Nachdenken über die eigene Rolle und künstlerische Handlungsmöglichkeiten geht er beispielweise der Frage nach, inwieweit Selbstorganisation und persönliche und kollektive Integrität im Rahmen unserer Kontrollgesellschaft herzustellen sind. Kunst schafft für ihn mit den ihr innewohnenden Methoden der Reflexion, Analyse und des Experiments zwar Schönheit, besitzt aber auch ein gesellschaftsveränderndes Potenzial.

Mitunter untersucht Dillemuth zur Überprüfung aktueller Fragestellungen historische Bewegungen (z.B. Lebensreformbewegung, alternative Erneuerungsversuche der 1970er Jahre) und gesellschaftliche Umbruchsituationen (Räterepublik), stellt seine eigenen Recherchen jedoch stets mit experimentellen künstlerischen Mitteln in Frage und führt sie so zu neuen Ergebnissen. Das Resultat dieser Experimente sind Installationen, Inszenierungen und kollaborative Arbeiten ebenso wie Videos, Vorträge und Publikationen.

Stephan Dillemuth, geboren 1954 in Büdingen (DE), lebt und arbeitet in München (DE).
www.societyofcontrol.com/



Slavs and Tatars
Not Moscow Not Mecca
3. Mai – 17. Juni 2012

Slavs and Tatars, Not Moscow Not Mecca, 2012, Foto: Oliver Ottenschläger
Slavs and Tatars, Not Moscow Not Mecca, 2012, Foto: Oliver Ottenschläger

Das Kollektiv Slavs and Tatars versteht sich als „eine Faktion der Polemik und Intimität, die sich mit dem als Eurasien bekannten Gebiet östlich der ehemaligen Berliner Mauer und westlich der Chinesischen Mauer beschäftigt.“ Die Arbeit des Kollektivs erstreckt sich über unterschiedliche Medien und Disziplinen und deckt ein breites Spektrum kultureller Register von U bis E ab. Slavs and Tatars haben Kidnapping Mountains (Book Works, 2009), Love Me, Love Me Not: Changed Names (onestar press, 2010) und Molla Nasreddin: the magazine that would've, could've, should've  (JRP-Ringier, 2011) veröffentlicht. Ihre Arbeiten wurden im Salt, Istanbul, in der Tate Modern, bei der 10th Schardscha, bei der 8. Mercosur, und bei der 3. Thessaloniki Biennale gezeigt.  In den vergangenen fünf Jahren widmete sich das Kollektiv hauptsächlich zwei Zyklen, nämlich einer Feier der Komplexität im Kaukasus (Kidnapping Mountains, Hymns of No Resistance) und dem unerwarteten gemeinsam Erbe von Iran und Polen (Friendship of Nations: Polish Shi’ite Showbiz, 79.89.09, A Monobrow Manifesto). Gegenwärtig arbeiten Slavs and Tatars an ihrem dritten Zyklus, The Faculty of Substitution, über mystischen Protest und die revolutionäre Rolle des Heiligen und des Synkretistischen. Der neue Zyklus von Arbeiten beinhaltet sowohl Beiträge bei Gruppenausstellungen - Reverse Joy im GfZK, Leipzig, PrayWay für die New Museum Triennale und Régions d’Être bei der Asia Pacific Triennale – als auch Einzelbeiträge wie Not Moscow Not Mecca in der Secession, Wien, Khhhhhhh in der Mährische Galerie, Brünn, Beyonsense im MoMA, NY und im Künstlerhaus Stuttgart.

Das Kollektiv Slavs and Tatars wurde 2006 gegründet.



Mutatis Mutandis
Gruppenausstellung kuratiert von Catherine David
mit: Babak Afrassiabi, Edgar Arceneaux, Hany Armanious, Louidgi Beltrame, Andrea Branzi, Elisabetta Benassi, Luke Fowler, Suzanne Treister
29. Juni – 2. September 2012

Secession Wien, Hauptraum
Secession Wien, Hauptraum

2012 ist die französische Kuratorin Catherine David eingeladen, ein Ausstellungsprojekt für alle Ausstellungsräume der Secession zu entwickeln. Catherine David war von 1994 bis 1997 künstlerische Leiterin der Documenta X in Kassel und von 2002 bis 2004 Direktorin des Witte de With in Rotterdam. Nach ihrem Studium der Linguistik und Kunstgeschichte war sie zunächst als Kuratorin am Centre Georges Pompidou in Paris (1981-1990), danach am Jeu de Paume (1990-1994) tätig. Seit 1998 leitet David das Projekt Représentations Arabes Contemporaines, das Ausstellungen, Seminare und Veröffentlichungen in verschiedenen europäischen Städten realisiert. 2005-2006 war sie Gastwissenschaftlerin am renommierten Wissenschaftskolleg in Berlin, wo sie ihre Arbeit zur arabischen Welt fortsetzte. 2007 organisierte sie die interdisziplinäre Veranstaltung Di/Visions. Kultur und Politik des Nahen Ostens am Haus der Kulturen der Welt in Berlin und die Bahman Jalali -Retrospective in der Tapiès Fondation in Barcelona. 2009 kuratierte David den ADACH (Abu Dhabi Authority for Culture and Heritage) Pavilion auf der Biennale Venedig. Zuletzt publizierte sie Hassan Sharif. Works 1973-2011 (Hatje Cantz).



Kerry James Marshall
Who's Afraid of Red, Black and Green
21. September – 25. November 2012

Kerry James Marshall, Black Star II, 2012
Kerry James Marshall, Black Star II, 2012

Der amerikanische Künstler Kerry James Marschall thematisiert in seinen figurativen, häufig als Historienmalerei angelegten Bildern die sozialen und kulturellen Erfahrungen von Afroamerikanern sowie – allgemeiner gefasst – die vielfältige Kodierung von Identitäten und ihre Marginalisierung innerhalb einer dominanten Kultur. Seine Darstellungen des täglichen Lebens in städtischen Sozialbauten (Garden Projects-Serie, 1994–95) und Mittelklassewohnzimmern mit Bildergalerien verehrter Bürgerrechtler (Souvenir-Serie, 1997–98) und seine historisch anmutenden Paarporträts (Vignettes, 2003–07) sind eine Hommage an die Utopien der Bürgerrechtsbewegung und definieren in einer selbstbewussten und reflektierten Art die sich verändernden Ideen von Integration und Geschichte, Selbstverwirklichung und Freiheit. Die Ambiguität seiner Szenen und ihre Darstellungsweise werfen dabei immer auch die Frage auf, wie wir die Bilder lesen und auf welcher Basis wir unsere Urteile fällen.

Der Logik der Collage folgend hat Marshall eine komplexe Bildsprache entwickelt, die kulturübergreifend Bezüge zur westlichen Kunstgeschichte mit den Stilelementen einer Schwarzen Ästhetik („black aesthetics“) verbindet. Zugleich ist sie geprägt von einem malerischen Interesse an den formalen Eigenschaften der Flachheit. Zum einen findet er für die Realität des Schwarz-Seins (Blackness) eine Umsetzung mit schwarzen Schattierungen, die das Figurative nahezu abstrakt erscheinen lassen, zum anderen durchbricht er mit Texturen aus Tropfen, Spritzern und Pinselspuren das klassische Konzept der räumlichen Tiefe und suggeriert einen Bruch mit der Realität und dem Naturalismus, der gemeinhin mit Historienmalerei assoziiert wird.

Kerry James Marshall, geboren 1955 in Birmingham, AL (USA), lebt und arbeitet in Chicago (USA).



Anne Hardy
21. September – 25. November 2012

Anne Hardy, Incidence, 2009, Courtesy Maureen Paley, London
Anne Hardy, Incidence, 2009, Courtesy Maureen Paley, London

Anne Hardys großformatige Fotografien sind mehrdeutige Abbilder von artifiziellen Räumen, die einzig zum Zweck ihrer fotografischen Dokumentation hergestellt werden. In oft monatelanger, akribischer Arbeit baut die Künstlerin im Atelier detailreiche lebensgroße „Bühnenbilder“ aus Fundstücken, Gegenständen aus Second-Hand-Läden, Resten und Abfall, aufgesammelt von der Straße. Von den Sets macht Hardy stets nur eine Aufnahme, um die Darstellung und insbesondere die Perspektive auf diese fiktionalen Räume präzise vorzugeben und zu kontrollieren. Als Dokumente nunmehr verschwundener Orte zeigen die Bilder oft verwirrende räumliche Situationen voll von Spuren menschlicher Präsenz und rätselhafter Aktivitäten, deren fiktive ProtagonistInnen jedoch immer auf verstörende Weise abwesend sind. Ein weiteres charakteristisches Element, das sich durch ihre Arbeit zieht, ist der raffinierte Einsatz von Spiegeln. Sie werden gezielt verwendet, um auf der zweidimensionalen Oberfläche der Fotografien einen Eindruck von Räumlichkeit zu erzeugen – allerdings einen, der fragmentiert oder durch außergewöhnliche Blickwinkel gekennzeichnet ist. Hardy selbst bezeichnet ihre Fotografien als „fiktionale Dokumentation“. Die Frage des Realen in Bildmedien verhandelt sie dabei auch, indem sie die Wahrnehmung von Realität durch deren – offenbare – Konstruktion gekonnt ins Wanken bringt. Anne Hardys Ausstellung in der Secession präsentiert ihre Arbeiten erstmals in Österreich.

Anne Hardy, geboren 1970 in St Albans, Hertfordshire (UK), lebt und arbeitet in London (UK).



Anja Kirschner & David Panos
Ultimate substance
21. September – 25. November 2012

Anja Kirschner & David Panos, Courtesy of the artists and Hollybush Gardens, Foto: Alessandra Chila
Anja Kirschner & David Panos, Courtesy of the artists and Hollybush Gardens, Foto: Alessandra Chila

In den Filmen von Anja Kirschner und David Panos stoßen historische und literarische Elemente auf Referenzen der Populärkultur und bilden komplexe Dramen, die die Rolle der Kunst in der Gesellschaft und ihr Verhältnis zu gesellschaftspolitischen Erscheinungen wie Gentrifizierung und Finanzspekulation widerspiegeln. Ihre fragmentarische Erzählweise bewegt sich auf der Basis einer gewissenhaften Recherche zwischen Dokumentation, historischer Aktualisierung, melodramatischer Inszenierung und kritischer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gattungsmerkmalen und Darstellungsweisen.

Ihre jüngsten Filme werfen einen Blick auf die historische Entwicklung der Kunst in Beziehung zu Macht und Klassenverhältnissen. The Last Days of Jack Sheppard (2009) spielt im 18. Jahrhundert und dramatisiert die Begegnung zwischen dem Dieb und Ausbruchskünstler Jack Sheppard und dem Unternehmer und Autor Daniel Defoe, um die Kopplung von Fiktion, Abstraktion und Finanzkapital aufzuzeigen. Im Blickpunkt von The Empty Plan (2010) stehen die Theorie und Praxis im Werk Bertolt Brechts. Der Film entwickelt spielerisch Szenen aus Brechts kalifornischem Exil, wo er an einem unabgeschlossenen theoretischen Dialog Der Messingkauf arbeitet, und verschränkt diese mit Proben für das 1931 verfasste Bühnenstück Die Mutter, in dem Brechts Technik mit Konstantin Stanislavkis Naturalismus kontrastiert wird.

In der Secession planen Kirschner und Panos die Premiere eines neuen Films, an dem sie ein Jahr lang in Griechenland gearbeitet haben. Er untersucht – in Bezugnahme auf Archäologie, Philosophie, Pädagogik und Ritual – wie Geldwirtschaft und industrielle Produktionsformen die menschliche Wahrnehmung und Darstellung der Welt verändert haben, und wie sich diese auf konkretes Handel und Fühlen auswirken.

Ultimate Substance wurde in Auftrag gegeben von Secession (AT), Extra City Kunsthal Antwerpen (BE), Liverpool Biennial und FACT (UK) mit Unterstützung durch Neuer Berliner Kunstverein (DE), CentrePasquArt Biel (CH), DEMERGON Daskalopoulos Foundation for Culture and Development (GR) und Artscouncil England.

Anja Kirschner (geboren 1977 in München, DE) und David Panos (geboren 1971 in Athen, GR) leben und arbeiten in London (GB) und Athen (GR).
http://kirschner-panos.info/



Yael Bartana
Wenn Ihr wollt, ist es kein Traum
Fragen an Herzl und Freud
7. Dezember 2012 – 10. Februar 2013

Yael Bartana, Mur i Wieża, 2009, Courtesy of Annet Gelink Gallery, Amsterdam and Sommer Contemporary Art Gallery, Tel Aviv
Yael Bartana, Mur i Wieża, 2009, Courtesy of Annet Gelink Gallery, Amsterdam and Sommer Contemporary Art Gallery, Tel Aviv

Die israelische Künstlerin und Filmemacherin Yael Bartana verhandelt in ihren Arbeiten geltende soziale Rituale und Strukturen im Allgemeinen sowie Fragen nach der kulturellen Identität ihres Geburtslandes, seiner historischen Konstruktion und den daraus resultierenden Spannungen und Konflikten im Besonderen. In der ihr eigenen poetischen Weise erzeugt sie eine Balance zwischen Faktischem und Erfundenem, Dokumentation und Propaganda, um mit einem ironischen Unterton Gewissheiten zu untergraben, Symbole auf den Kopf zu stellen und multiple neue Bedeutungen zu eröffnen.

2007 rief Bartana die Jewish Renaissance Movement in Poland (kurz: JRMiP) ins Leben, gleichermaßen politische Bewegung wie künstlerisches Projekt, die zur Rückkehr von 3,3 Millionen Juden in das Land ihrer Vorfahren aufruft. Zwischen Wirklichkeit und Fiktion oszillierend und an die kollektive politische wie gesellschaftliche Vorstellungskraft appellierend haben sowohl die JRMiP als auch die um deren Aktivitäten kreisende Filmtrilogie And Europe Will Be Stunned international für Diskussionen gesorgt und Anerkennung erlangt. Bartana zeigte die komplette Filmtrilogie erstmals 2011 – Polen repräsentierend – auf der 54. Biennale in Venedig.

Im Mai 2012 fand der erste internationale Kongress der JRMiP in Berlin statt. Die drei Tage währende Veranstaltung diente als Forum, um notwendige gesellschaftliche und politische Veränderungen in der EU, in Polen und in Israel zu diskutieren, um der Rückkehrforderung der JRMiP adäquat begegnen zu können und lud ein, diese Utopie kollektiv zu imaginieren. Der zum Kongress entstandene Film soll in der Secession zum ersten Mal gezeigt werden und zum Weiterdenken bereits ins Rollen gebrachter Ideen sowie zur Entstehung neuer Perspektiven anregen.

Yael Bartana, geboren 1970 in Kfar Yehezkel (IL), lebt und arbeitet in Tel Aviv (IL) und Amsterdam (NL).



Liz Deschenes

7. Dezember 2012 – 10. Februar 2013

Liz Deschenes, Tilt / Swing (360° field of vision, version 1), 2009, Installation view, Courtesy Miguel Abreu Gallery, New York, Photo: John Berens
Liz Deschenes, Tilt / Swing (360° field of vision, version 1), 2009, Installation view, Courtesy Miguel Abreu Gallery, New York, Photo: John Berens

„My work is in reaction to the limited scope that photography is often understood by. I think photography is capable of much more than representing a particular moment in time.“ (Liz Deschenes)

Liz Deschenes Fotografien sind konkret, selbstreflexiv und gleichzeitig geheimnisvoll. Deschenes verweist auf die Autonomie der Fotografie als künstlerisches Medium jenseits tradierter Aufgaben und Nutzungen. Seit einigen Jahren produziert sie fast ausschließlich Fotogramme – kameralos erzeugte Bilder –, deren Oberflächen die Spuren der Bearbeitung sowie der chemischen Behandlung tragen. Im Dialog mit Malerei, Skulptur und Architektur lotet Deschenes die Grenzen der Fotografie aus, stets in engem Bezug zur Fotografiegeschichte. Mit subtilen räumlichen Interventionen und ortsspezifischen Fotoinstallationen setzt sie sich in jüngster Zeit vermehrt mit den Bedingungen des Ausstellens auseinander und bietet den BetrachterInnen die Möglichkeit, nicht nur herkömmliche Sichtweisen von Fotografie, sondern auch die eigenen Sehgewohnheiten zu hinterfragen.

„The monochrome and other selfreflexive practices do not have a deep history in the photographic medium, mainly because of the medium's inherent ability to record and document.“ (Liz Deschenes) Deschenes Arbeit an einem erweiterten Fotografiebegriff bezieht sich kritisch auf die zentrale Eigenschaft der Fotografie, die (scheinbar) wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Realität, die seit Anfang an sowohl den Gebrauchswert der Fotografie als auch ihre künstlerische Praxis dominiert und selbstreflexiven sowie monochromen künstlerischen Strategien wenig Raum gelassen hat.

„Die Kamera gibt das Gesichtsfeld des Zyklopen wieder, nicht das des Menschen!“ (Pierre Francastel)
Deschenes eigens für die Secession konzipierte ortsspezifische Installation ist eine kritische Reflexion über fotografisches Sehen (im doppelten Sinn von „sehen“ und „gesehen werden“). Konkret spielt Deschenes auf Stereoskopie an, eine Hybridform zwischen mechanischem/apparateabhängigem und menschlichem/natürlichem Sehen, die das räumliche Sehen des Menschen simuliert und gleichzeitig Charakteristika des fotografischen zweidimensionalen Bildes beibehält. Deschenes Installationen sind ebenso subtil wie ihre Werke, die „nicht automatisch alles enthüllen“ (LD).

Liz Deschenes (*1966 in Boston) lebt und arbeitet in New York.



Fiona Rukschcio
retaped Rape.
7. Dezember 2012 – 10. Februar 2013

Fiona Rukschcio, Dans la peau la Mémoire, Collage, 2009
Fiona Rukschcio, Dans la peau la Mémoire, Collage, 2009

Fiona Rukschcio thematisiert in ihren Filmen, Collagen und Projekten weibliche Rollenzuweisungen, fremde und eigene Identitätsentwürfe sowie emotionale Grenzerfahrungen. Indem sie Recherche- und Dokumentationsmaterialien mit ihren subjektiv aufgeladenen Wahrnehmungen kombiniert, entwickelt sie eine heterogene visuelle Sprache, in der Archivmaterial und Alltagsästhetik aufeinandertreffen.

Für die Secession hat sie einen neuen Film produziert, der auf Yoko Onos und John Lennons Film Rape von 1968 basiert. Die filmische Vorlage, in der eine junge Frau vom Kameramann durch die Londoner Innenstadt und in ihrer Wohnung verfolgt wird, hat Rukschcio mit den exakt gleichen Kameraeinstellungen an den Originalschauplätzen nachgedreht, jedoch ohne Protagonistin. Durch diese Verschiebung eröffnen sich eine Reihe von Fragen nach dem Zusammenhang von Kamerasprache, Blickregime, Gewalt, aber auch nach Orten als kollektive Speicher von Erinnerungen.

Fiona Rukschcio, geboren 1972 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.



PERMANENTE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES



ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr


FÜHRUNGEN
jeden Samstag um 15.00 Uhr und Sonntag um 11.00 Uhr sowie nach Vereinbarung



Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:

Erste Bank – Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Katharina Schniebs
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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