Francis Upritchard, IN DIE HÖHLE, Installationsansicht, Secession 2010,
Foto: Wolfgang Thaler
Francis Upritchard schafft skulpturale Installationen, in denen bunt bemalte menschliche Figuren eine Welt voller an ihre Bedürfnisse angepasster gefundener Gegenstände bewohnen. Diese werden auf eigens angefertigten oder gefundenen Möbelstücken gezeigt. Upritchard verwendet auf die Möbel und ihre Bearbeitung nicht weniger Sorgfalt als auf die Figuren selbst, und so sind künstlerische und handwerkliche Aspekte und die Präsentation in ihrer Arbeit gleichermaßen von Bedeutung: Die Gestaltung und Inszenierung innerhalb des Ausstellungsraums ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Kunst.
Francis Upritchard, IN DIE HÖHLE, Installationsansicht, Secession 2010, Foto: Wolfgang Thaler
Upritchard setzt die gewohnten Wertungen spezifischer Materialien und Kontexte außer Kraft; ihre Figuren, deren Alter, kultureller Hintergrund, und Hierarchie unklar bleiben, stellen wertende Wahrnehmungen und Vorurteile der BetrachterInnen in Frage. Ihre Anordnungen bilden künstliche Welten, innerhalb derer die Figuren das menschliche Dasein in seiner ganzen Vielfalt verkörpern — sie erscheinen mal in sich versunken, mal fröhlich, elend oder unbehaglich. Upritchard stellt auf raffinierte Weise die gewohnte Sicht auf die Produkte menschlicher Zivilisation auf den Kopf, indem sie Alltagsgegenstände der westlichen Kultur in Gerätschaften kultischer Rituale fiktiver archaischer Völker verwandelt; Badmintonschläger werden zu Zeptern, massenhaft hergestellte Nachahmungen viktorianischer Vasen zu Urnen.
Francis Upritchard, IN DIE HÖHLE, Installationsansicht, Secession 2010, Fotos: Wolfgang Thaler
Für die Secession entwickelt Francis Upritchard eine neue Installation, zu deren Themen die Ausstellungsgeschichte der Institution selbst wie auch die Gegenkulturen der Hippies und des New Age zählen. Mit ihrer Installation
IN DIE HÖHLE in der Galerie hinterfragt Upritchard vorherrschende Haltungen der etablierten Kultur wie etwa ihre Definition des ‚Exotischen’ oder die Unterscheidung zwischen ‚kritischer’ und ‚dekorativer’ Kunst.Mit einer Mischung von Zeiten und kulturellen Bezügen befragt Upritchard die Idee von populärer Kunst: In der Gegenüberstellung banaler Auffassungen von ‚Kultur’ mit dem, was sie ausschließen und ablehnen, zerfällt die Tyrannei der Vernunft in eine Vielzahl von Lesarten und Interpretationen. Hier sind sie alle versammelt, erhellt von Lustern, deren Gestaltung auf Entwürfen der Wiener Werkstätte beruht – Figuren, die ihren heimatlichen Zusammenhängen (und manchmal dem festen Griff der Originalkunstwerke, wie etwa Gustav Klimts
Beethovenfries oder Sol LeWitts Wandmalereien) entrissen wurden und leihweise neue Geschichten erhalten haben: Maoris im Schottenrock, die dem Ende der Welt entgegensehen; imaginäre Anhänger des lang in Vergessenheit geratenen Kults um ein Familienmitglied; aus gerauchten Zigaretten hergestellte heilige Insignien; japanische und indische Traditionen, die (wie schon in der Vergangenheit) mit denen der Hippies verschmolzen sind; Cowboys, die dem richtigen Hut hinterher jagen; und unsere wunderschönen Aussteiger, der Abschaum, der dem Göttlichen unerschrocken ins Gesicht sieht.
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| Francis Upritchard, The Tea Lady, 2009 |
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Francis Upritchard, Blue/Black Modern Necklace, 2009 |
Courtesy Kate MacGarry, London
Francis Upritchard (*1976 in Neuseeland) lebt und arbeitet in London.
Katalog
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FRANCIS UPRITCHARD
68 Seiten, Format: 20 x 28 cm, ca. 48 Abbildungen
Text: David Mitchell, dt./engl.
Secession 2010, ISBN 978-3-902592-29-3
Vertrieb: Verlag der Buchhandlung Walter König
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Erhältlich im Shop |
Einzelausstellungen (Auswahl)
2009
Save Yourself, 53. Biennale Venedig, Repräsentantin Neuseeland, Palazzo Mangilli-Valmarana; 2008
Rainwob II, Artspace Sydney und Gertrude Contemporary Art Spaces, Melbourne;
Rainwob I, Govett-Brewster Art Gallery, New Plymouth, Neuseeland; 2007
Bogagnome, Ivan Anthony Gallery, Auckland, Neuseeland; 2006
Francis Upritchard, Kate MacGarry, London; 2005
Francis Upritchard, Andrea Rosen Gallery, New York; Einzelprojekt für Salon 94, New York;
Francis Upritchard, The Bakery, Annet Gelink Gallery, Amsterdam;
Doomed, Doomed, All Doomed, Artspace, Auckland, Neuseeland; 2004 Artist in Residence, Camden Arts Centre, London; 2003
Francis Upritchard, Kate MacGarry, London;
New Work, Ivan Anthony Gallery, Auckland, Neuseeland; 2001
Ich Dien, Ivan Anthony Gallery, Auckland, Neuseeland;
Untitled (Boxing arms), Rear View, Dunedin Public Art Gallery, Neuseeland; 2000
Prince Charles, Antichrist, warehouse space, London.
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2009
Feierabend: Francis Upritchard, Martino Gamper, Karl Fritsch, Kate MacGarry, London; 2008
Free Radicals, Artnews Projects Berlin;
Life is a Funny Old Dog, Tanja Pol Galerie, München;
The Big Chill Festival, Eastnor Castle, Herefordshire;
Dadadandy Boutique, Artprojx Space, London;
The Institute of Psychoplasmics, Pump House Gallery, London;
Martian Museum of Terrestrial Art, Barbican Art Gallery, London; 2007
The Crown Jewels, Salon 94 Freemans, New York;
Of Deities and Mortals, Christchurch Art Gallery Te Puna o Waiwhetu, Christchurch, Neuseeland;
An Archaeology, 176 -Zabludovicz Collection, London;
Reboot, The Jim and Mary Barr Collection, Christchurch Gallery Te Puna o Waiwhetu und City Gallery Wellington
Re/ Trato, Travelling Gallery, Schottland;
Metrosideros Robusta, Schmuckmuseum Pforzheim;
Tiere II, Overbeckgesellschaft Lübeck;
Effigies, Stuart Shave/ Modern Art; 2006
Six Feet Under – Autopsy of Our Relation to the Dead, Kunstmuseum Bern;
Le Nouveau Siécle, Museum Van Loon, Amsterdam;
The Walters Prize 2006, Auckland Art Gallery, Neuseeland;
Around The World In Eighty Days, South London Gallery;
Pasifika Styles – Artists inside the museum, University of Cambridge Museum of Archaeology and Anthropology;
HIGH TIDE: new currents in art from Australia and New Zealand, Zaçheta National Gallery of Art, Warschau & CAC - Contemporary Art Centre, Vilnius, Litauen.
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