Anna Artaker, Installationsansicht, Secession 2010, Fotos: Wolfgang Thaler


Anna Artaker, Installationsansicht, Secession 2010, Fotos: Wolfgang Thaler
Anna Artaker, Installationsansicht, Secession 2010, Fotos: Wolfgang Thaler


In ihrem Werk befasst sich Anna Artaker mit Bildproduktion im Kontext von Geschichtsschreibung, also mit Bildern, die zur Konstruktion und Vermittlung von Geschichte herangezogen wurden und so Teil einer bestimmten Historiografie geworden sind.

In den letzten Jahren hat sich Artaker intensiv mit den Totenmasken des armenisch-sowjetischen Bildhauers Sergei Merkurov (1881–1952) auseinandergesetzt. Merkurov war „Staatskünstler“ der jungen Sowjetunion und hat zahlreiche monumentale Heldenbildnisse geschaffen. Zudem hat er prominenten Persönlichkeiten der Sowjetunion Totenmasken abgenommen. Diese Gesichtsabdrücke von u.a. Lenin und seiner Frau Nadeschda Krupskaja, Sergei Eisenstein und Maxim Gorki, aber auch Parteifunktionären wie Felix Dserschinski, Leiter der gefürchteten Geheimpolizei, oder Andrei Schdanow, verantwortlich für die repressive Kulturpolitik und Zensur unter Stalin, wurden zu einem Teil der offiziellen Geschichtsschreibung der Sowjetunion. Dass solche Totenmasken, deren Ursprung eigentlich im Religiösen und Kultischen liegt, im Rahmen eines historiografischen Projekts der Moderne entstanden sind, macht sie einzigartig.

Anna Artaker, Farbfotografie, 2010 Anna Artaker, Farbfotografie, 2010 Anna Artaker, Farbfotografie, 2010 Anna Artaker, Farbfotografie, 2010
Anna Artaker, Farbfotografie, 2010


Für ihre Einzelausstellung in der Secession setzt Artaker ihre Arbeit mit den Totenmasken fort, die sie bisher in der Fotoserie und den beiden gleichnamigen Filmversionen 48 Köpfe aus dem Merkurov Museum (2008, 2009) festgehalten hat. In der Secession wird sie Stereofotos der Masken in speziell angefertigten Schaukästen präsentieren. Das Prinzip der Stereofotografie ist ein altes und relativ simples fotografisches Verfahren, das sich die optischen Fähigkeiten des menschlichen Auges zunutze macht. Bei richtiger Betrachtung der Fotos ergibt sich die Illusion eines dreidimensionalen Objekts.

Mit der Wahl dieser Aufnahmetechnik thematisiert die Künstlerin die medientheoretischen Implikationen der Masken und ihrer fotografischen Reproduktion. Sowohl Totenmaske oder Gesichtsabdruck als auch Fotografie sind Verfahren zur Übertragung eines Gegenstands oder Körpers in eine andere Ordnung zum Zwecke der Konservierung, Vervielfältigung, Untersuchung etc. Die Verwandtschaft der beiden Medien Fotografie und Abdruck wird durch den plastischen Eindruck der Stereofotografie zusätzlich betont, der die Vorstellung von Fotografie als Abdruck evoziert.

Bezugnehmend auf Walter Benjamins These vom Verlust der Aura von Kunstwerken durch technische Reproduktion kann Anna Artakers Ausstellung auch als Untersuchung des Auratischen, das seit Benjamin vor allem eine Frage des Mediums ist, gelesen werden.


Anna Artaker (*1976 in Wien) hat in Paris und Wien Philosophie, Politikwissenschaften und Kunst studiert. Sie lebt und arbeitet in Wien.

Katalog

Katalog ANNA ARTAKER

104 Seiten, Format: 16,5 x 22,2 cm, ca. 50 Farbabbildungen, ca. 10 SW-Abbildungen
Texte: Sabeth Buchmann, Thomas Macho, dt./engl.
Secession 2010, ISBN 978-3-902592-32-3
Vertrieb: Revolver Verlag
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Erhältlich im Shop


Ausstellungsgespräch
Anna Artaker im Gespräch mit Thomas Macho
Samstag, den 19. Juni 2010, um 17 Uhr
anlässlich der Ausstellung von Anna Artaker im Grafischen Kabinett der Secession
Eine Veranstaltung der Freunde der Secession

Einzelausstellungen (Auswahl)
2009 Some of the names of Photoshop, Künstlerhaus (Plakatwand), Wien; 48 Köpfe aus dem Merkurov Museum, Salzburger Kunstverein, Salzburg; 2008 Show me yours, I’ll show you mine (mit Marlene Haring und GirlsOnHorses), Mama’s Hostel, Krakau und Kronika Gallery, Bytom, Polen; 2003 Did you ever dream of becoming barbarian?, Public>, Paris (mit Meike Schmidt-Gleim, Kat.).

Gruppenausstellungen (Auswahl)
2010 El Principio Potosí, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (in Vorbereitung, Kat.); 10,000 Lifes, Gwangju Biennale, Gwangju, Südkorea; 2009 Modernologies, MACBA, Barcelona (Kat.); Fortsetzung folgt, Kunstraum Niederoesterreich, Wien; Europe: In Between Document and Fiction, National Centre of Dance, Bukarest (Kat.); Figure/ Ground, Galerie Transit, Mechelen, Belgien; 2008 Am Sprung, O.K. (Offenes Kulturhaus Oberösterreich), Linz; Urban Signs, Local Strategies, Fluc, Wien; Transformation of History or Parallel Histories, 6. Internationale Gyumri Biennale, Armenien (Kat.); as bring collective, Künstlerhaus, Passagengalerie, Wien; 2007 Tension, Sex, Despair, Aber hallo, na und?, Kunsthalle Exnergasse, Wien (Kat.); !Forradalom?, Műcsarnok/Kunsthalle, Budapest (Kat.); Lange nicht gesehen, Museum auf Abruf, Wien (Kat.); 2006 !Revolution?, Collegium Hungaricum, Berlin (Kat.); 2005 Medialisierung/ Spatialisierung/Repolitisierung, Fluc, Wien (Kat.); Tip 3, Art radonica Lazareti, Dubrovnik; 2004 Playlist, Palais de Tokyo, Paris (Kat.); 2003 Künstlerbücher, Kupferstichkabinett, Wien; 2002 Rirkrit Tiravanija (Schindler Workshop), Secession, Wien (Kat.); Schmarotzer, Semper Depot, Wien (Kat.); Cinéma Générique, Les Laboratoires d’Aubervilliers, Aubervilliers (workshop Fabrice Reymond).



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JIŘÍ KOVANDA    FRANCIS UPRITCHARD AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2010



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