Mona Vătămanu & Florin Tudor, All Power to the Imagination!,
Installationsansicht, Secession 2009,
Foto: Wolfgang Thaler
All Power to the Imagination! ist eine neue, speziell für das Grafische Kabinett und die Fassade der Secession entwickelte Installation der rumänischen Künstlerin Mona Vătămanu und des rumänischen Künstlers
Florin Tudor.
Das seit 2000 zusammenarbeitende Künstlerpaar erforscht damit Potenziale
von Widerstand, wobei sie Widerstand weniger als dogmatische, didaktische Idee denn als poetische, subtile Handlung verstehen. Das Interesse an einer solchen Betrachtungsweise deckt sich mit einer Skepsis der Künstlerin und des Künstlers gegenüber politischen Symbolen oder Slogans, die einen Wahrheitsanspruch stellen.
Mona Vătămanu & Florin Tudor, All Power to the Imagination!, Installationsansicht, Secession 2009, Foto: Wolfgang Thaler
Die Installation besteht aus mehreren, in unterschiedlichen Techniken ausgeführten Arbeiten, die inhaltlich wie formal zueinander in Bezug stehen.
Im Mittelpunkt der räumlichen Inszenierung im Grafischen Kabinett steht eine schwebende Bühne mit einer fragmentarischen Darstellung der rot-schwarzen Fahne des Anarchosyndikalismus – heute globales Symbol für die Auflehnung gegen hegemoniale Gesellschaftsverhältnisse. Beim Betreten dieses doppelten Bodens ist ein Gefühl der Instabilität zu spüren. Die damit einhergehende Verunsicherung symbolisiert jene gesellschaftliche Conditio, die sich
als Folge des grundlegenden Wertewandels in den letzten beiden Dekaden entwickelt hat.
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Mona Vătămanu & Florin Tudor, Poem, 2009
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Die in der räumlichen Komposition evidente materielle Verdichtung wird mit der Leere des projizierten Films
Poem (2009) konterkariert. Der Film zeigt die handwerkliche Herstellung jenes Transparents mit der Aufschrift
Trăiască şi înflorească Capitalismul! („Lang lebe und gedeihe der Kapitalismus!“), das an der Fassade der Secession montiert ist. Der Text ist eine Abwandlung des sozialistischen Slogans „Lang lebe und gedeihe der Sozialismus!“, der im kommunistischen Rumänien omnipräsent war; er spiegelt den nahtlosen Übergang von einem System in ein anderes wider. Die Serie kleinformatiger Gemälde,
Riots (2009), greift das Symbol des anarchistischen Widerstands in Form der schwarz-roten Fahnen wieder auf.
Den Arbeiten von Mona Vătămanu und Florin Tudor liegt eine
Politik des Erinnerns zugrunde, die dem kollektiven Trauma, das im Vergessen und Verdrängen der Ereignisse der jüngsten Geschichte Rumäniens liegt, diametral entgegensteht. In durchaus symbolischen Akten der Sichtbarmachung und Wiedergutmachung setzen sie sich aktiv für die Thematisierung und Aufarbeitung von Geschichte ein. Diese ist für die Künstlerin und den Künstler Voraussetzung, die gegenwärtige postkommunistische Gesellschaft verstehen
zu können.
Mona Vătămanu (*1968 in Constanţa, RO) und Florin Tudor (*1974 in Genf, CH) leben und arbeiten in Bukarest.
Katalog
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MONA VĂTĂMANU & FLORIN TUDOR
36 Seiten, Format: 23 x 31 cm, ca. 45 Farbabbildungen
Mit einem Text von Adam Szymczyk und einem Interview von Jeanette Pacher mit Mona Vatamanu & Florin Tudor
Secession 2009, ISBN 978-3-902592-25-5
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Erhältlich im Shop |
Einzelausstellungen (Auswahl)
2009
All Power to the Imagination!, Secession, Wien;
Surplus Value, BAK - basis voor actuele kunst, Utrecht;
Dissolving Absolute Structures, Kunstverein Ludwigsburg, Ludwigsburg; 2008
Appointment with History, Lombard-Freid Projects, New York;
August, Andreiana Mihail Gallery, Bukarest;
Living Units, Mercer Union, Toronto; 2007
August, Play Gallery, Berlin; 2006
Re-animating the City, Cooper Gallery, Dundee; 2005
Unitati de locuit, CIAC, Bukarest; 2004
Orase de Consum, Galeria Vector, Iaşi;
Consuming the City, Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck; 2003
Living Units, Project Room, Ludwig Museum, Budapest.
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2009
Liquid Times, Westfälischer Kunstverein, Münster;
Cultural Memories / Récits Parallèles, Galerie Insitu Fabienne Leclerc, Paris;
Pièces de résistance: Forms of Resistance in Contemporary Art, Kunstmuseum Thun, Thun;
Europe: In Between Document and Fiction, Centrul National al Dansului, Bukarest;
Nothing is worth more than this day, Andreiana Mihail Gallery, Bukarest;
Dada East? Contextes roumains du Dadaisme, Musée des Beaux-Arts Tourcoing, Lille;
Blind Spots, Akademie der bildenden Künste Wien;
Sounds and Visions, Tel Aviv Museum of Art, Tel Aviv; 2008
5. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, Berlin;
6. Gyumri Biennial, Transformation of History or Parallel Histories, Gyumri;
Art as Gift, Periferic Biennial 8, Iaşi;
Like an Attali Report, but different. On fiction and political imagination, Kadist Art Foundation, Paris;
Since we last spoke about monuments, Stroom den Haag, Den Haag;
Another City, Another Life, Zacheta National Gallery of Art, Warschau;
Communism never happened, Pavillon de Normandie, Caen; 2007 52. Biennale di Venezia, Rumänien-Pavillon:
Low-Budget Monuments; The Building Show, Exit Art Gallery, New York; Prague Biennale 3,
Der Prozess, Collective memory and social history; Coded Cinema, SMART Project Space, Amsterdam;
Transforming Memory. The Politics of Images, 24 Nadezda Petrovic Memorial, Cacak; 2006
How to Do Things? - In the Middle of (No)where, Kunstraum Kreuzberg Bethanien, Berlin;
Urban Contact Zone, sharing areas - using places, Westwerk, Hamburg;
Fair:Play, Play Gallery, Berlin;
Accidentes, Associação Cultural Videobrasil, São Paulo.
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