Micol Assael, Fomuska, 2009, Photo: Nils Klinger
Micol Assael, ФОМУШКА, Secession 2009


Die italienische Künstlerin Micol Assaёl zeigt im Hauptraum der Secession in ihrer ersten Einzelpräsentation in Österreich großformatige Wandzeichnungen aus der neuen Werkserie Красный Октябрь (Roter Oktober), sowie eine Installation bestehend aus der titelgebenden Maschine ФОМУШКА (Fomuška), die mittels Wasserdampf ein elektrostatisches Feld produziert, und zwei zusätzlichen Industrieventilatoren.


Micol Assael, Fomuska, 2009, Photo: Nils Klinger
Micol Assael, ФОМУШКА, Secession 2009


Ausgehend von einer leidenschaftlichen Faszination für wissenschaftliche Theorien und physikalische Prinzipien wie Elektrostatik, Gravitation und Windkraft verstärkt Micol Assaёl in ihren Rauminstallationen vielfach natürliche oder physikalische Phänomene. Ihre minimalen Arrangements spielen dabei mit dem Spektrum sinnlicher Wahrnehmungen und erlauben ungewöhnliche Erfahrungen, die durchaus unangenehme und beunruhigende Momente einschließen.



Micol Assael, ФОМУШКА, Secession 2009


Die Industrieventilatoren konfrontieren die BesucherInnen in zyklischem Rhythmus mit einem starken Windstrom und Motorenlärm, während die zentral positionierte Arbeit ФОМУШКА bewirkt, dass der menschliche Körper in ihrer Nähe elektrisch aufgeladen wird. Form und Funktionsweise der Maschine, die von Assaёl in enger Zusammenarbeit mit dem Moskauer Elektroenergeticevsky Institute entwickelt wurde, gehen auf eine russische Versuchsanlage für die Simulation von Blitzentladungen zurück. Zu den spürbaren Effekten von ФОМУШКА zählt, dass einem buchstäblich die Haare zu Berge stehen und dass man bei der Berührung von anderen Personen und Objekten kleine elektrische Schocks erfährt.



Micol Assael, ФОМУШКА, Secession 2009


Die Installation provoziert die psychologische Spannung einer unspezifischen Bedrohung, die durch das Wechselspiel von unsichtbaren elementaren Kräften und unmittelbar auf den Körper bezogenen Wirkungen erzeugt wird. Assaёl verweist damit auf die potenziellen Schrecken von Technologien; zugleich eröffnet sie einen ästhetischen Zugang zu industriellen Apparaturen und der geheimnisvollen Kraft immaterieller Energie.

Ähnlich wie die Installation zeichnen sich auch die Wandzeichnungen Красный Октябрь durch eine vielschichtige Spannung zwischen Schwerem und Leichtem, Kraft und Sensibilität aus. Affichierte Ausdrucke elektrischer Schaltpläne, die Assaёl in der stillgelegten Moskauer Schokoladenfabrik Красный Октябрь gefunden hat, werden von schwarzen, biomorphen Tuschezeichnungen überlagert. Letzteren ist eine ausbalancierte Formgebung eigen, welche die opake Materialität der Tusche, die den Eindruck eines massiven Objekts hervorruft, mit der Leichtigkeit einer organisch fließenden Gestalt verbindet.


Micol Assaёl (*1979 in Rom) lebt und arbeitet in Rom und Moskau.

Einzelausstellungen (Auswahl)
2009 ФОМУШКА, Secession, Wien; Inner Disorder, Johann König, Berlin; ZERO…, Milano; ФОМУШКА, Kunsthalle Fridericianum, Kassel; Gakona, Palais de Tokyo, Paris; Fundacja Galerii Foksal, Warzawa; 2008 Altrove – Elsewhere, Galleria nazionale d'arte moderna, Roma; Porta di concentrazione gravitazionale, Edicola Notte, Roma; 2007 Johann König, Berlin; Chizhevsky Lessons, Kunsthalle Basel; 2005 Free Fall in the Vortex of Time, ZERO…, Milano; 2004 D-segni, Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Torino; Sleepnessless, Galleria Bonomo, Bari; 2002 La Folie de la Villa Medicis, Villa Medici, Accademia di Francia, Roma; 2001 Galleria Studio 34, Salerno.

Gruppenausstellungen (Auswahl)
2009 Second Hand, Engholm Engelhorn Galerie, Wien; Cheasing Napoleon, Palais de Tokyo, Paris; Short Circuits, Peter Blum Gallery, New York; 2008 In living contact, 28th Bienal de São Paulo, Arte italiana fra tradizione e rivoluzione 1968-2008, Palazzo Grassi, Venezia; Revolution – forms that turn, 16th Biennale of Sydney; Gnam, Roma; ... 5 minutes later, KW - Institute for Contemporary Art, Berlin; After Nature, New Museum, New York; 2007 La parola nell'arte. Ricerche d'avanguardia nel '900. Dal Futurismo ad oggi attraverso le Collezioni del Mart, Mart, Rovereto; Schmerz, Hamburger Bahnhof, Berlin; Méditerranée orientale, Carré d’Art, Nîmes, Silenzio. Una mostra da ascoltare, Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Torino; Luce di pietra, Palazzo Farnese, Roma; 2006 My Private, Centre International d’art et du paysage de l’île de Vassivière; Of mice and men, 4. Berlin Biennale; 2005 T-1 La sindrome di Pantagruel, Torino; Sempre un po’ più lontano, Biennale di Venezia - 51. Esposizione Internazionale di Venezia; Bidibidobidiboo, Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Torino; Work Time/Life Time/Material Time, Reykjavik Art Festival; Radio Days, CTP of The Appel Foundation, Amsterdam; Non Toccare la Donna Bianca, Castel dell’Ovo, Napoli; Dialectics of hope-1, Moscow Biennale of Contemporary Art, ehemaliges Lenin Museum, Moskwa.


Die Arbeit ФОМУШКА wird in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Fridericianum in Kassel und dem Museion in Bozen produziert.


Fotos: Pez Hejduk



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CINEPLEX AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2009



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