WERNER FEIERSINGER
29. 2. – 13. 4. 2008
Hauptraum
Werner Feiersinger, Ohne Titel, 2007, Photo: Werner Feiersinger, Courtesy Galerie Martin Janda
Der Stoff für die künstlerische Arbeit Werner Feiersingers sind die Widersprüchlichkeiten, welche sich an den dogmatisch-theoretischen Forderungen und später diesen Ansprüchen weniger streng folgenden Werken der klassischen Moderne in der Architektur festmachen lassen. Den Antrieb bietet die Mystifikation der Moderne als Verkörperung von Funktionalität und Rationalität, welche sich den schriftlichen Äußerungen herausragender VertreterInnen dieser Epoche einerseits, sowie einer beinahe ebenso rigid dogmatischen und dadurch „unkritischen“ Rezeption andererseits verdanken.
Der Bildhauer und Fotograf Werner Feiersinger will diese nicht ungeschaut hinnehmen. Im Gegenteil, ihn motivieren gerade die Brüche und Widersprüche, die Objekte ambivalenter Natur und Fotografien von hinlänglich Bekanntem produzieren, deren Blickwinkel allerdings überraschend unkonventionell Anderes oder Unerwartetes zum Vorschein zu bringen vermag.
Werner Feiersinger, geb. 1966 in Brixlegg, Tirol, lebt und arbeitet in Wien.
PHILIPPE DECRAUZAT
29. 2. – 13. 4. 2008
Galerie, Grafisches Kabinett
Philippe Decrauzat, Secession 2008, Foto:
Christian Wachter
Mit seinen Wall Paintings, Filmen, Skulpturen, Malereien und Installationen operiert Philippe Decrauzat inmitten des Erbes künstlerischer Abstraktion des 20. Jahrhunderts. Er bedient sich der Formensprache des russischen Konstruktivismus ebenso wie der visuellen Effekte der Op Art oder der reduzierten Geometrien des Minimalismus. Was seine Arbeiten auszeichnet, ist jedoch ihr Anspruch auf eine gewisse kritische Distanz zu all diesen Stilen. Decrauzat verfolgt damit eine gänzlich andere Perspektive auf die Moderne als dies auf einen ersten Blick offensichtlich wird.
Seine künstlerische Praxis ist auch eng mit den Methoden und Theorien der experimentellen Filmkunst verbunden, ebenso wie sie mit der Popkultur oder der Kinematografie des Science Fiction korrespondiert. Die Kraft seiner Arbeiten liegt vor allem in einer „Verdichtung“ des modernen Sehens. Jenseits der modernistischen Logik des Optischen fokussiert Decrauzat mit dem Auge ein Instrument, das lange Zeit aus dem Diskurs dieser Epoche verdrängt wurde.
Philippe Decrauzat, geb. 1974 in Lausanne, lebt und arbeitet in Lausanne.
FRANCES STARK
26. 4. – 22. 6. 2008
Hauptraum
Frances Stark, ANOTHER CHORUS INDIVIDUAL (IN THE CUL-DE-SAC), poster, graphite and paper collage on paper, 192x146 cm
Mit ihren feingliedrigen Collagen, Bildern, Zeichnungen und Texten konstituiert Frances Stark ein vielschichtiges Werk zwischen Poesie, bildender Kunst und Referenzen zur eigenen Biografie. Ihre Darstellungen von Räumen, Landschaften, Pflanzen oder Tieren sind oftmals Metaphern des Menschen in seiner zerbrechlichen Verfassung. Dabei beruht Starks künstlerische Praxis auf einer intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten des alltäglichen Lebens, dessen Wege sich immer wieder mit literarischen, musikalischen oder philosophischen Traditionen kreuzen. Die Art und Weise, wie Stark teils in scharfem Kontrast zueinander stehende Gedanken und Geschichten verbindet, verleiht ihrer Methodik etwas zutiefst Zeitgemäßes. Dennoch greift sie in ihren Arbeiten immer wieder auf altbekannte Praktiken zurück, wie zum Beispiel auf die Archivierungssysteme der Konzeptkunst. In ihren sehr persönlichen, teils autobiografischen Schriften reflektiert die Künstlerin in erster Linie auch ihr eigenes Schreiben, indem sie dieses mit den künstlerischen Konzepten der Wiederholung, der Reproduktion und der Akkumulation kontextualisiert. Die Frage, was es bedeutet, in der heutigen Welt zugleich Künstlerin und Schriftstellerin zu sein, bildet dabei gleichsam das Rückgrat von Starks Denken.
Frances Stark, geboren 1967, lebt und arbeitet in Los Angeles.
DAVE ALLEN
26. 4. – 22. 6. 2008
Galerie
Dave Allen, INVERTED OH-TON, 2004, Performance, Falun, Foto: Josefin Herold
Seit den frühen 1990er Jahren konzentrieren sich Dave Allens Arbeiten auf eine Erforschung der Materialien, Mythologien und gesellschaftlichen Situationen des Rock’n’Roll. Seine künstlerische Praxis umfasst Elemente von Musik, Video, Performance und bildender Kunst, an deren Schnittstelle er eine autodidaktische Herangehensweise zur experimentellen Musik des letzten Jahrhunderts verfolgt. So beschäftigt sich Allen z.B. mit der Entwicklung von Audio Equipment und der Art und Weise, wie der Übergang von analoger zu digitaler Technologie das Verhältnis von Konsumation und Produktion verändert hat. Mit Installationen, in die er geräuschlose CDs integriert, dokumentiert er leere Konzerthallen oder Aufnahmestudios und verstärkt dadurch die Wahrnehmung von Sounds, denen - nachdem sie von Tontechnikern gewöhnlich aktiv unterdrückt werden - nie wirklich Aufmerksamkeit geschenkt wird. Für die Secession entwickelt Dave Allen eine neue Arbeit, die u.a. die Gründung der KünstlerInnenvereinigung zum Thema hat.
Dave Allen, geboren 1963, lebt und arbeitet in Stockholm.
JO BAER
26. 4. – 22. 6. 2008
Grafisches Kabinett
Jo Baer, WHITE STAR, 1960-61, Courtesy Kröller-Müller Museum, Otterloo
Jo Baer gilt als eine der Vorreiterinnen des Minimalismus. Seit den späten 1950er Jahren beruhte ihr Werk auf einem höchst reduzierten und kantigen Stil, den sie vorwiegend in Serien von Quadraten sowie vertikalen und horizontalen Rechtecken mit äußerst prägnanten Begrenzungslinien realisierte. Jo Baers spätere Arbeiten zeugen von ihrem zunehmenden Widerstand gegen den Minimalismus als Wegbereiter für den „Tod der Malerei“. Seit 1975 wendet sie sich von der Abstraktion ab zugunsten eines darstellerischen und metaphorischen Stils, den sie seither in verschiedenen Ausprägungen weiterentwickelt. In der Secession zeigt Jo Baer zwei Diptychen, die sie im Kontext ihres Gesamtwerks als repräsentativ erachtet - jeweils eines aus ihrer „minimalistischen“ und aus ihrer „darstellerischen“ Periode.
Jo Baer, geboren 1929, lebt und arbeitet in Amsterdam.
THOMAS HIRSCHHORN
5. 7. – 4. 9. 2008
Hauptraum
Thomas Hirschhorn, STAND-ALONE, 2007, Arndt & Partner Galerie, Berlin 2007, Foto: Bernd Borchardt
Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn, seit Mitte der 1990er Jahre vielfach in internationalen Ausstellungen vertreten, ist für klare politische Statements in seiner künstlerischen Arbeit bekannt. Seine aufwändig in den Raum greifenden Installationen entstehen meist unter Einsatz radikal „armer”, symbolkräftiger Materialien wie Karton, Klebeband, Haushaltsfolien, Fotokopien und Zeitungsausschnitten. Der Gebrauch dieser Materialien ist eine bewusst politische Entscheidung wider eine Trennung in High und Low. Hirschhorns Verständnis von Kunst als politisch-soziales Engagement konzipiert diese nicht zum ästhetischen Genuss, sondern als Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung. Hirschhorns Vokabular richtet sich gegen das Elitäre, dafür wirft es ein Schlaglicht auf das Prekäre, die Peripherie, den Rand: „Ich lehne es entschieden ab, politische Kunst zu machen. Ich mache Kunst auf politische Art.“
Thomas Hirschhorn, geboren 1957, lebt und arbeitet in Paris.
ISA ROSENBERGER
5. 7. – 4. 9. 2008
Galerie
Novy Most-Brücke in Bratislava, 2007,
Foto: Isa Rosenberger
In ihren Arbeiten setzt sich Isa Rosenberger mit soziopolitischen Themen - vor allem zu Stadt, Gender und Öffentlichkeit(en) - auseinander. Sie beschäftigt sich mit mentalen und medialen Bildern, die identitätsstiftende Funktion haben, sowie der Frage, wie diese (symbolischen) Wertgefüge zu verändern sein könnten. Für ihre Projekte initiiert Rosenberger Austauschprozesse und versucht, darin die Erfahrungen und Sichtweisen von Dritten zu vermitteln. Sie arbeitet in unterschiedlichen Medien, vor allem aber mit Video, wofür sie installative Displays im Innen- als auch Außenraum konzipiert.
NOVY MOST, die neue Videoarbeit Isa Rosenbergers, ist nach der gleichnamigen, 1967 in Bratislava gebauten Brücke benannt, die den Blick aus dem Osten in den Westen repräsentiert. Dokumentarische und inszenierte Szenen sowie Archivmaterial aus der Entstehungszeit der NOVY MOST werden zu einer filmischen Collage über das Spannungsverhältnis Osten/Westen aus der (subjektiven) Perspektive dreier Frauen aus drei Generationen montiert.
Neben der neuen Videoarbeit NOVY MOST präsentiert Isa Rosenberger in der Secession die Projekte EIN DENKMAL FÜR DAS FRAUENZENTRUM (THE MAKING OF), 2005/06, und DIE WARSCHAUER NIKE. Alle drei Arbeiten untersuchen den Transformationsprozeß in Osteuropa, den die Künstlerin an einer veränderten Wahrnehmung von Monumenten und Architekturen festzumachen versucht.
Isa Rosenberger, geboren 1969, lebt und arbeitet in Wien.
MIKLÓS ERHARDT
5. 7. – 4. 9. 2008
Grafisches Kabinett
Miklós Erhardt, TEMPORARY SETTINGS, Secession 2008, Foto: Wolfgang Thaler
In seinen oftmals dokumentarischen und kollaborativen künstlerischen Arbeiten, Publikationen und Netzwerkaktivitäten befasst sich der ungarische Künstler Miklós Erhardt vor allem mit Reflektionen sozialer, politischer und ökonomischer Themen in der zeitgenössischen Kunst. Nachdem es zunehmend Experten vorbehalten ist, über Wirtschaft zu sprechen und zu reflektieren, entzieht sich diese Diskussion mehr und mehr der Beziehung zum täglichen Leben. Dadurch aber wird Wirtschaft mehr und mehr als eigenständige Komplexität wahrgenommen, die die Öffentlichkeit nicht mehr begreifen oder gar kontrollieren kann. Miklós Erhardt setzt sich mit dieser Situation beispielsweise in Interviews auseinander, mit denen er ArbeitnehmerInnen, Geschäftsleute, SozialarbeiterInnen und ImmigrantInnen einlädt, Wirtschaftssysteme oder ihre persönliche Arbeitssituation zu evaluieren. Die Ergebnisse repräsentieren folglich sehr individuelle Haltungen und Einschätzungen zur Wirtschaftswelt und zum Arbeitsbegriff.
Miklós Erhardt, geboren 1966, lebt und arbeitet in Budapest.
KLAUS WEBER
19. 9. – 9. 11. 2008
Hauptraum
Klaus Weber, UNFOLDING CUL DE SAC, 2002, installation, 7 x 7 m tarmac-mushroom field
Die medien- und raumübergreifend konzipierten Arbeiten von Klaus Weber zielen darauf ab, das Bewußtsein zu erweitern und als Fluchtapparate, Katalysatoren und Filter ihre Umwelt zu dynamisieren. In seinen Szenarien, Skulpturen und Videos entwirft er Bilder einer auch in ihrer kultivierten Form unbändigen und widerständigen Natur. Hierbei deutet er den in der westlich-aufgeklärten Welt mit ihrem ausgeprägten Drang zur Unterwerfung durchaus als negativ empfundenen Kontrollverlust subversiv um und führt andere kulturelle Wertesysteme ein.
In der Secession zeigt Klaus Weber Arbeiten aus den letzten Jahren, darunter auch speziell für die Ausstellung konzipierte Werke, die er zu einer Art lebendigem Organismus verdichtet.
Klaus Weber, geboren 1967, lebt und arbeitet in Berlin.
TILO SCHULZ
19. 9. – 9. 11. 2008
Galerie
Tilo Schulz, STAGE DIVER, Secession, 2008, Foto: Pez Hejduk
Die Formensprache der Moderne, der im Kalten Krieg betriebene Kampf zwischen Formalismus und Realismus, die Grenze zwischen Hoch- und Populärkultur, zwischen Architektur, Design und Kunst, Fragen der Repräsentation und des Displays sowie die „Aktivierung“ der BetrachterInnen charakterisieren das Werk von Tilo Schulz.
Sein Interesse und die in seinen Arbeiten zum Ausdruck gebrachte Kritik an der (historischen) Debatte zwischen politisch instrumentalisierter Kunst in den ehemaligen totalitären Systemen des Ostens und der vermeintlich freien Kunst des Westens sind eng mit der Biografie des Künstlers verknüpft.
Für die Secession hat Schulz eine Rauminstallation konzipiert, die sich der Form des Ausstellungsraumes „anschmiegt“ und gleichzeitig das Dogma des White Cube hinterfragt. Zudem funktioniert dieser „Raum im Raum“ als Transformator, als Handlungsraum für die BesucherInnen, der Erinnerungen und Assoziationen wecken und Selbstreflexion auslösen soll.
Eingeladen von Sabine Bitter und Christian Teckert
Tilo Schulz, geboren 1972, lebt und arbeitet in Berlin.
multiplex fiction / RALO MAYER
19. 9. – 9. 11. 2008
Grafisches Kabinett
Multiplex Fiction: HOW TO DO THINGS WITH WORLDS, 1, daegseingcny 2006 / Ralo Mayer, Martin Udovicic
Welche Handlungsformen und kulturellen Praktiken werden durch Weltmodelle und Miniatur-Universen, beispielsweise in der Sciencefiction-Literatur, postuliert? Inwieweit spiegeln sich in der Konstruktion und Interpretation solcher Modelle die gesellschaftliche Organisation und Kanalisation von Kreativität und Begehren? In der Recherche-Serie HOW TO DO THINGS WITH WORLDS geht Ralo Mayer (in Zusammenarbeit mit Philipp Haupt u.a.) seit einigen Jahren diesen Fragen nach. In Form von Scripts, Performances, Comic-Strips und räumlichen Szenerien entwickelte er polyrhythmische narrative Strukturen, die in einer Verschränkung von fiktiven und dokumentarischen Materialien verschiedene Modellwelten und die ihnen eingeschriebenen Raum- und Zeitentwürfe untersuchen. Für seine Ausstellung in der Secession, präsentiert im Rahmen der Zeitschrift multiplex fiction, fokusiert Ralo Mayer daran anknüpfend auf die BIOSPHERE 2, ein zwischen 1987 und 1991 in Arizona als künstliches und abgeschlossenes Ökosystem konstruiertes Glashaus, in dem acht WissenschaftlerInnen für die Dauer von zwei Jahren die Vision einer Welt im Kleinen und deren Scheitern lebten.
Eingeladen von Sabine Bitter und Christian Teckert.
Ralo Mayer, geboren 1976 in Eisenstadt, lebt und arbeitet in Wien.
SHARON LOCKHART
21. 11. 2008 – 18. 1. 2009
Hauptraum, Galerie, Grafisches Kabinett
Sharon Lockhart, LUNCH BREAK (Still), 2008
In einer umfassenden Einzelausstellung präsentiert die Secession Filme und Fotografien der US-amerikanischen Künstlerin Sharon Lockhart, die zu den HauptvertreterInnen der jüngeren konzeptuellen Fotografie und des neo-strukturalistischen Films zählt. In formal präzisen Arbeiten setzt sich Lockhart mit sozialen Gemeinschaften, gesellschaftlichen Codes sowie der Identität von Gruppen auseinander. Referenzen auf die US-amerikanische sozialdokumentarische Fotografie sowie den strukturalistischen Film der 1960er und 1970er Jahre spiegeln sich in Filmen und Fotoserien wie TEATRO AMAZONAS, PINE FLAT und LUNCHBREAK ebenso wider wie Lockharts Interesse an anthropologischen und ethnographischen Methoden. Ihre Arbeiten beruhen auf zumeist intensiven Recherchen sowie Lockharts persönlicher Auseinandersetzung mit den von ihr portraitierten Personen und Gruppen. Speziell für ihre Ausstellung in der Secession konzipierte die Künstlerin die neue Film- und Fotoinstallation LUNCHBREAK. Am Beispiel einer Schiffswerft im US-amerikanischen Bundesstaat Main lenkt Lockhart den Blick auf einen sozio-kulturellen Aspekt der Arbeitswelt, den sie durch Umstrukturierungen und Effizienzsteigerungen im globalen Kapitalismus im Verschwinden begriffen sieht: Die Mittagspause von ArbeiterInnen als Rahmen sozialer Interaktion. Neben LUNCHBREAK wird auch eine Reihe früherer Arbeiten präsentiert, die im weiteren Sinn das Thema Arbeit fokussieren.
Sharon Lockhart, geb. 1964 in Norwood/Massachusetts, lebt und arbeitet in Los Angeles.
STÄNDIGE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank
- Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte
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Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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