Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, Secession 2007
Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, Secession 2007


Die Arbeiten von Leopold Kessler beschäftigen sich mit dem öffentlichen Raum, untersuchen die Topografie der Stadt – von Verkehrsführungen, die das urbane Leben strukturieren, bis zu Verhaltensweisen, die durch diese bestimmt werden. Plätze, Wege, Straßenschilder oder Absperrungen sind Ziel der Interventionen Kesslers und dienen als Material für seine Skulpturen. Darüber hinaus verweist er immer wieder auf die Lücken und Löcher in der systematischen Organisation des gemeinschaftlichen Raumes.


Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007
Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007


Für eine Ausstellung in der Neuen Galerie in Graz 2006 erhöhte Kessler den Wasserdruck des Erzherzog-Johann-Brunnens auf dem Grazer Hauptplatz, so dass Wasser für einen bestimmten Zeitraum auf den Boden floss. Dazu entstand ein Video, das den Platz mit dem Brunnen in der Mitte wie aus einer touristischen Perspektive zeigt. Dieser touristische Blick auf die Stadt ist ein begehrlicher und anmaßender, der hofft, ihre Komplexität und undurchsichtige Mobilität lesbar und handhabbar zu machen. Kessler arbeitet zwar im und mit dem öffentlichen Raum, jedoch handelt er nicht im öffentlichen Auftrag. Seine unangemeldeten Handlungen oder Eingriffe geschehen nahezu unbemerkt, da sie sich tarnen bzw. den Anschein genehmigter Amtshandlungen oder Baumaßnahmen geben.


Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007
Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007


Für die Secession produziert Leopold Kessler das High Definition Video Perforation Kal. 10 mm, das eine Serie von Interventionen an verschiedenen Stellen in Wien zeigt: Mit der allergrößten Selbstverständlichkeit geht ein Mann (Leopold Kessler) wie ein Straßenarbeiter gekleidet morgens, wenn es noch ganz ruhig ist, durch die Stadt und durchlöchert Straßenschilder mit einer überdimensionalen Lochzange. Die hat er eigens für sein Vorhaben angefertigt. Das erscheint umständlich, da die Schilder mit einigem Kraftaufwand und einem Begleitgeräusch perforiert werden und es verwundert die operative Gelassenheit mit der sich Kessler immerhin der Gefahr einer Ordnungsstrafe aussetzt, mit einigem Aufwand gleich mehrere Orte aufsucht, um dann doch nur minimale Spuren zu hinterlassen, deren Sinn nicht unmittelbar lesbar ist.


Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007
Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007


Kessler lenkt den Blick auf die Frage der Umkehrung von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, denn gerade die weithin leuchtende neon-orange Straßenweste macht ihn für die meisten Menschen unsichtbar. In der Ausstellungssituation erhält seine Geste sogar internationale Aufmerksamkeit.


Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007
Leopold Kessler, Perforation Kal. 10 mm, film still, 2007


Interessiert Leopold Kessler das Loch oder das Schild? Funktionieren die perforierten Schilder noch als Verkehrszeichen oder sind sie schon auf dem Weg zu begehrten Sammlerobjekten? Ab wann ergibt sich aus den unregelmäßig angeordneten Löchern ein Muster. Verbinden sich die Loch-Punkte zur Linie, zur Fläche, wenn Kessler durch die Stadt geht? Thomas Bernhard beschreibt das Gehen als Anlass und Ausdruck von Denkvorgängen, die das Verhältnis von Bewegung und Stillstand reflektieren. Oder lassen Löcher doch nur auf den Gebrauch von Schusswaffen schließen? Durchschossene Straßenschilder sind kein unvertrauter Anblick in Randgebieten vieler Metropolen, darüber hinaus verweist die Wahl der Einschusslöcher indirekt wieder auf den touristischen Blick, der selbst die drohende Gefahr als urbane Attraktion sucht. Und was könnte touristischer sein als die Secession, eines der meistfotografierten Gebäude der Stadt, in welchem diese Arbeit gezeigt wird?

PUBLIKATION

Katalog LEOPOLD KESSLER

64 Seiten, 65 Farbabbildungen
Text: Johan Frederik Hartle
Secession 2007, ISBN 978-3-902592-00-2
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Erhältlich im Shop




LEOPOLD KESSLER, geb. 1976, lebt und arbeitet in Wien.
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2007 Import Budapest – Vienna, Galerie Andreas Huber, Wien; 2006 Graz, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz; Interventionen 02-05, Galerie der Stadt Schwaz, Schwaz; 2005 transportable works, Gallery Lombard&Freid, New York; O kunstbuero, Wien; 2004 untitled, Thomas K. Lang Gallery, Webster University, Wien; 2003 synchronization, offspace, Wien; privatisiert, Galerie Corentin Hamel, Paris.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2006 One Second, One Year, Palais de Tokyo, Paris; on mobility, Trafo, Budapest / Stichting de Appel, Amsterdam; Österreichisches Kulturinstitut, Prag; 2005 clouding europe, Galerie Nadine Gandy, Bratislava; lives&works in Vienna, Kunsthalle, Wien; Galerie Claus Andersen, Kopenhagen; OKAY/O.K, Swiss Institute, New York; Don´t interrupt your activities, Royal College, London; update, Künstlerhaus, Wien; 2004 Manifesta 05, San Sebastian; Beuys don´t cry, Galleria Zero, Mailand; Personne n'est innocent..., Confort Moderne, Poitier; Niemandsland, Künstlerhaus, Wien; 2003 klimatisch im hoch, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz; VV2, Biennale di Venezia,Venedig; critique is not enough, Shedhalle, Zürich; 2002 Parlez-vous francais, Galerie Hohenlohe&Kalb, Wien; facing 2, Galerie der Stadt Wels, Wels; haunted by detail, Stichting de Appel, Amsterdam; interim plattform, Galerie Kerstin Engholm, Wien; big torino, Biennale internazionale arte giovane, Turin.



Ausstellungsansichten: Pez Hejduk



Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank – Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession



SHANDYISMUS     ANDREA BOWERS AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2007



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Tamara Schwarzmayr
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