SOMMER 2007
Im Sommer präsentiert die Secession mit Projekten von
Azra Aksamija,
Patrick Baumüller/Severin Hofmann,
Jens Haaning,
Antje Schiffers und
Tatzu Nishi ein Programm, das verschiedene Öffentlichkeiten auf direkte Weise anspricht – auch solche, die üblicherweise nicht in einem Naheverhältnis zur (zeitgenössischen) Kunst stehen. Die Projekte setzen sich mit der symbolisch aufgeladenen Architektur des historischen Gebäudes auseinander und öffnen die Secession zum urbanen Raum.
Wenn der dänische Künstler Jens Haaning mit der Verlegung einer real existierenden Produktionsstätte temporär die Realität von kleinindustrieller Fertigung und deren ArbeiterInnen, oft mit migrantischem Hintergrund, in den Ausstellungsraum
holt oder wenn die aus Bosnien stammende Künstlerin und Architekturtheoretikerin Azra Aksamija mit einer Gebetsteppichlandschaft die Idee der architektonischen Manifestation der Moschee auf offene Weise interpretiert und dabei das Verhältnis von Religion und Territorialität hinterfragt, werden Themen angesprochen, die unsere Realität derzeit maßgeblich bestimmen. Ein unmittelbares Erleben von Strategien und Handlungsformen, die KünstlerInnen gegenwärtig sowohl inner- als auch außerhalb von institutionellen Rahmen entwickeln, ermöglicht auch das Vorhaben von Patrick Baumüller und Severin Hofmann, die mit ihrem Projekt
Die Wursthaberer eine Diskussion über (künstlerische) Existenzsicherung ebenso wie über bewusstes Konsumverhalten anzuregen versuchen. Auf Grundlage intensiver Feldforschung gewährt Antje Schiffers einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt von niederösterreichischen Bauern, nicht ohne die romantische Idee vom Landleben in der theaterhaften Inszenierung gleich mitzuliefern; das Tauschgeschäft als ökonomisches Prinzip wirft zu-gleich die Frage nach der gesellschaftlichen Wertigkeit unterschiedlicher Tätigkeiten auf. Tatzu Nishi thematisiert die Secession als historisches Denkmal, indem er die ikonenhafte Kuppel einhaust und Zentrum eines exklusiven Hotelzimmers werden lässt, das sich allein dem Blick des Gastes bzw. des Besuchers darbietet, während von außen lediglich eine Baustellensituation mit Gerüst zu sehen sein wird.
Mit ihrer Sommerprogrammierung etabliert die Secession ein diskursives künstlerisches Modulsystem. Die Parallelität unterschiedlicher kultureller Praktiken wird hier in einem subtil abgestimmten Wechselspiel der Angebote und Nutzungen erprobt. Es kommt zu einer Konfrontation verschiedener Realitäten; Realitäten, die sonst zumeist im Verborgenen bleiben oder die wir als klischeehafte Vorstellungsbilder in uns tragen. Damit entsteht ein neuer Raum für Kommunikation, der die ProtagonistInnen dieser aufeinanderprallenden Lebenswelten und das Ausstellungspublikum, das ebenfalls Teil jener ist, in einen Dialog treten lässt: Der geschützte (und schützende) artifizielle Rahmen der Kunstinstitution verliert seine hermetische Abgeschlossenheit, die Repräsentation tritt zugunsten der Produktion in den Hintergrund. Die Prozesshaftigkeit der Projekte im Gegensatz zum erprobten Status quo der Institution in der Tradition des White Cube eröffnet die Möglichkeit, auch im etablierten kunstinstitutionellen Kontext Diskurse nicht nur aufzugreifen oder fortzusetzen, sondern tatsächlich neue Diskurse zu provozieren.
VERANSTALTUNGEN
SOMMERPROGRAMM
GARTEN
ALS PDF
JAHRESBERICHT 2007
SHANDYISMUS. AUTORSCHAFT ALS GENRE
22. 02. – 15. 04. 2007
Shandyismus. Autorschaft als Genre, Secession 2007,
Foto Christian Wachter
Die Ausstellung
Shandyismus. Autorschaft als Genre bezieht sich auf Laurence Sternes Roman
The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman aus dem 18. Jahrhundert. Sie wird den Shandyismus als Phänomen bzw. als Position in der Fülle seiner intermedialen Bezugspunkte thematisieren. Es wird eine Reihe von bereits existierenden künstlerischen Werken gezeigt, die das methodische Vokabular des Shandyismus artikulieren. Gleichzeitig sind einige KünstlerInnen eingeladen, explizit eine Art „shandyistische Intervention“ für die Ausstellung zu entwickeln.
Kuratiert von Helmut Draxler
ANDREA BOWERS
22. 02. – 15. 04. 2007
Andrea Bowers, production still for upcoming project on the storage of The AIDS Memorial Quilt, 2006
Die amerikanische Künstlerin Andrea Bowers begreift Kunst und Politik nicht als separate Wirklichkeiten, sondern als Bereiche, die sich wechselseitig beeinflussen. Ihr Interesse an unterschiedlichen Formen gewaltlosen Protests, zivilen Ungehorsams und Feminismus ist von einem historischen Bewusstsein sowie einer archivarischen Neugierde gegenüber der Geschichte des politischen Aktivismus und seiner visuellen bzw. körperlichen Sprache motiviert. Dieses Interesse bestimmt auch ihr Handeln innerhalb des Kunstsystems und ihre ästhetisch wie inhaltlich sehr präzise ausformulierte Kunst. Mit Bowers Projekt für die Secession führt sie ihre Erkundung der Schnittfläche von Aktivismus und Kunst fort. Die Ausstellung behandelt die Menschen, die den
AIDS Memorial Quilt ausstellen und den Lagerraum beaufsichtigen, in dem dieses kulturelle Artefakt aufbewahrt wird.
Andrea Bowers, geb. 1965, lebt und arbeitet in Los Angeles.
LEOPOLD KESSLER
22. 02. – 15. 04. 2007
Leopold Kessler, Depot, 2005, Video,
Courtesy Galerie Andreas Huber
Die Arbeiten von Leopold Kessler beschäftigen sich mit dem öffentlichen Raum, untersuchen die Topografie der Stadt – von Verkehrsführungen, die das urbane Leben strukturieren, bis zu Verhaltensweisen, die durch diese bestimmt werden. Plätze, Wege, Straßenschilder oder Absperrungen sind Ziel der Interventionen Kesslers und dienen als Material für seine Skulpturen. Darüber hinaus verweist er immer wieder auf die Lücken und Löcher in der systematischen Organisation des gemeinschaftlichen Raumes.
Leopold Kessler, geb. 1976, lebt und arbeitet in Wien.
TOM BURR
28. 04. – 24. 06. 2007
Tom Burr, Split, 2005, Courtesy Galerie Neu
Die Skulpturen, Installationen, Räume und Fotoarbeiten des amerikanischen Künstlers Tom Burr werden häufig im Zusammenhang mit minimalistischer Skulptur betrachtet. Dies ist allerdings nur eine Referenz der vielschichtigen Arbeiten, die ein Begehren formulieren und zugleich eine streng konzeptuelle Ästhetik aufweisen. Es sind erotisch aufgeladene Objekte, auf deren Oberflächen sich (sub-)kulturelle Bezüge abbilden, die auf Tony Smith ebenso wie auf Jim Morrison und Kenneth Anger verweisen. Tom Burrs elegante Arrangements können Bühnen für performative Inszenierungen von realen Personen sein, wie auch von Gesten oder Kleidungsstücken, Möbeln und Materialien, die an jemanden erinnern. Es sind eingefrorene Momente, gleichsam Skulptur gewordene Erinnerungen an Situationen in Bars, Gartenhecken oder Pissoirs, Erinnerungen an halböffentliche Räume, denen Regeln und Hierarchien eingeschrieben sind, die Intimität und Exponiertheit zugleich evozieren. Burrs Skulptur
Deep Purple (2000) beispielsweise, eine direkte formale Aneignung bzw. ein kleineres violett lackiertes Holzmodell des berühmten
Tilted Arc (1984) von Richard Serra, verhandelt politische und ästhetische Fragestellungen, sowie individuelle Lebensgestaltung als sich wechselseitig bedingende Bereiche. An Serras Plastik hatte sich eine heftige Polemik darum entzündet, was moderne Kunst ist und wem der öffentliche Raum gehört, weil es im Schutz der modernen Skulptur angeblich zu „verbotenen“ Handlungen, wie etwa Urinieren, Cruisen oder mit Drogen handeln kam. Für seine Ausstellung im Hauptraum der Secession wird Tom Burr neue Arbeiten entwickeln, die im weitesten Sinne um das Thema Selbstporträt kreisen.
Tom Burr, geb. 1963, lebt und arbeitet in New York.
DEIMANTAS NARKEVIČIUS
28. 04. – 24. 06. 2007
Deimantas Narkevicius, Revisiting Solaris, 2007, Courtesy Jan Mot
Die Filme des litauischen Künstlers Deimantas Narkevicius befassen sich mit der Erfahrung von kollektiver – zumeist osteuropäischer – Geschichte. In der seit den neunziger Jahren politisch und kulturell dynamisierten Situation osteuropäischer Staaten sieht Narkevicius ein gegenwärtiges Vakuum, in dem sich die ideologische Selbstwahrnehmung weder durch eine Reflektion der eigenen Geschichte, noch durch die Vorstellung einer zukünftigen Vision auszeichnet. In Narkevicius Filmen konstruiert sich Geschichte (vergangene und zukünftige) aus der aktiven Relation mit individuellen Biografien. Die ProtagonistInnen seiner Filme erinnern und rekonstruieren, verweben auf diese Weise ihre persönliche Geschichte mit einer als allgemein wahr anerkannten linearen Geschichtsauffassung. Im dokumentarischen Stil erforscht Narkevicius in seiner konsistenten Arbeitsweise das Medium Film. So kommentieren etwa Interviews aus dem Off Fotos oder Zeichnungen, und simultan überlagern sich durchaus disparate Filmtechniken und Erzählweisen.
Neben
Once in the XX Century (2005),
Disappearance of a Tribe (2004) und
The Role of a Lifetime (2003), zeigt Narkevicius in der Secession seinen neuen Film
Revisiting Solaris, in dem der Hauptdarsteller Donatas Banionis aus Andrej Tarkovskij’s Film
Solaris (1972) mehr als vierzig Jahre später wieder in der Rolle des Astronauten Chris Kelvin erscheint. Tarkovkij, der sich auf Stanislav Lem’s gleichnamigen, futuristischen Roman bezog, ließ das letzte Kapitel des Buches in seinem Film aus. In diesem Kapitel wird erzählt, wie der Astronaut die Oberfläche der Planeten Solaris betritt, kurz bevor er seine Weltraummission beendet. Narkevicius verschränkt diese Erzählung des Astronauten mit einer Serie von Fotografien, die 1905 von Mykalojus Konstantinas Ciurlionis, einem litauischen symbolistischen Maler und Komponisten gemacht wurden.
Deimantas Narkevicius, geb. 1964 in Utena (Litauen). Lebt in Vilnius.
ANTJE SCHIFFERS
06. 07. – 09. 09. 2007
Antje Schiffers,
Hof,
2006
Wandermalerin, Blumenzeichnerin, Werkskünstlerin – Antje Schiffers sucht sich Rollen, die ihr eine Aufgabe innerhalb der verschiedensten Zusammenhänge zuweisen, in ihrer eigenen Umgebung wie in fernen Ländern. Schiffers interessiert es, andere Lebenswirklichkeiten kennen zu lernen und mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu kooperieren. Dabei organisiert die Künstlerin jeden Kontakt als Tauschgeschäft, in dem sie die Produkte künstlerischer Arbeit gegen öffentliches Engagement, Texte, Videos oder Gastfreundschaft handelt.
Für die Secession entwirft Antje Schiffers ein neues Projekt, in dem sie sich mit der Lebenswelt niederösterreichischer Bauern befasst und ihnen Gemälde ihrer Höfe gegen Videos über ihre Arbeit, Familie, Absatzmärkte, Meinung zur Landwirtschaftspolitik etc. anbietet. Des weiteren thematisiert sie die Form und Dramaturgie in bezug auf die Bild- und Kommentarebene, welche die Landwirte in ihren Filmen wählen. Schiffers malt ihre Bilder vor Ort, wodurch sich die Möglichkeit für Gespräche und Hilfestellung ergibt.
Durch das „Tauschgeschäft“ vermittelt Antje Schiffers eine Romantik, die sowohl mit dem Bauern wie mit dem Künstler verbunden wird. Ihre Reise als „Hofmalerin“ durch die Dörfer ist eine verwunschene Vorstellung. Dennoch ermöglicht sie Schiffers den Zugang zur Erfahrung von Lebensbereichen und Lebensentwürfen, die ihr ansonsten verschlossen blieben. Als Malerin, die sich in verschiedene Zusammenhänge begibt, erkundet sie die Erwartungen derer, mit denen sie zu tun hat, an die Malerei und an die/den Künstler/in.
Antje Schiffers, geb. 1967 in Heiligendorf, lebt und arbeitet in Berlin.
JENS HAANING
06. 07. – 09. 09. 2007
Jens Haaning,
Baghdad Sign,
2006,
The shop sign from “Furniture Cotton Garden” in Ramadan Street, Almansour, Baghdad, Iraq.
Courtesy: Galerie Barbara Thumm, Berlin
Der dänische Künstler Jens Haaning beschäftigt sich vornehmlich mit der Frage, wie sich eine Gesellschaft konstituiert und wie Macht darin ausgedrückt und kommuniziert wird. Das Politische in der Kunst sucht Haaning an der Schnittstelle zwischen institutionellem Kontext und gesellschaftlicher Realität beziehungsweise dem kulturellen Auftrag einer Institution und dem Aufzeigen eines individuellen Wertes eines Kunstwerks auszuloten.
Einen besonderen Fokus legt Haaning auf Integrationsprozesse von Immigranten und das Aufzeigen der kulturellen Komplexität auf beiden Seiten. Für
Office for Exchange of Citizenchip, 1997 in der Wiener Secession und 1998 in der Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig präsentiert, nutzte Jens Haaning ein juristisches Niemandsland, um institutionelle Machtpositionierungen ad absurdum zu führen. Personen, die an einem Tausch der Staatsbürgerschaft interessiert waren, konnten sich in dem eigens dafür eingerichteten Büro von Juristen beraten lassen. In einem ähnlichen Kontext ist auch die Arbeit
Foreigners free (1997) angesiedelt: ausländische BesucherInnen erhielten in öffentlichen Einrichtungen wie Theatern, Schwimmbädern und Museen, deren Kassen mit einem Schild „Ausländer frei“ versehen waren, freien Eintritt. Haaning ließ dabei die BesucherInnen im Ungewissen, ob mit diesen zwei Wörtern nun das fremdenfeindliche „ausländerfrei“ oder eine gastfreundschaftliche Geste gemeint war. Der Künstler demonstrierte damit, auf welchem unsicherem Boden Internationalismus und globales Denken auch heute noch bei uns gebaut sind. Haaning geht es in seinen Arbeiten nicht um die große Geste eines Weltverbesserers. Er agiert stets mit beispielhaften, alltäglichen Situationen, die dem öffentlichen wie individuellen Bewusstsein vertraut sind. Denn nur was man kennt und was bewusst ist, kann verändert werden.
Jens Haaning, geb. 1965, lebt und arbeitet in Kopenhagen.
BAUMÜLLER / HOFMANN
Juni – Sept. 2007, Aussenraum
www.wursthaberer.com
Patrick Baumüller und Severin Hofmann interessieren sich für Alltagspraktiken und -ansichten, für die sie Modelle entwerfen, welche Ordnungen umkehren bzw. parodieren und Räume ineinander übergehen lassen. Für ihre Projekte nutzen sie öffentlich zugängliche Orte, um derartige Überschneidungen zu ermöglichen und zu repräsentieren. Als „Die Wursthaberer“ haben sich die Künstler eine Parallelexistenz in der Würstelproduktion aufgebaut. Ihr Projekt für den Außenraum der Secession ist als „work in progress“ geplant, und wird die Secession ab Sommer 2007 verstärkt als Aufenthaltsort etablieren. Der Würstelstand - ein manifester Ort österreichischer Befindlichkeiten, und in Wien im Besonderen - ist in einem von Andreas Strauss adaptierten Bauwagen untergebracht, der in Kooperation mit [dy'na:mo], den Betreibern des Wiener Lokals fluc, ein vitaler Ort der Kommunikation an der Schnittstelle zwischen Kunstpublikum, Stadtöffentlichkeit und Tourismus zu werden verspricht. Bei gutem Essen wird verweilt und Kontakte geknüpft, gesprochen, diskutiert und philosophiert; neue Ideen entstehen und Konzepte werden entwickelt – auf intellektueller aber auch sinnlicher Ebene gelebt. Die Vorgabe ist teilweise ein Experiment, insofern sich „Die Wursthaberer“ als Initiatoren für die Gestaltung eines anderen, multifiktionalen Lebenserfahrungsraumes sehen. So kann das Environment um den Würstelstand auch als „offenes Atelier“ betrachtet werden. Dass da als „Nebenprodukt“ u.a. Kunst entsteht, wird filmisch und fotografisch dokumentiert.
Archiv/Details unter:
www.wursthaberer.com
AZRA AKSAMIJA
Juli – Okt. 2007, Aussenraum
Azra Aksamija,
Kunstmoschee,
Secession 2007
Azra Aksamija beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den baulichen Manifestationen von Religion und der islamischen Kultur, sowie deren Spuren in Europa. Durch die Neuinterpretation von Elementen aus der historischen islamischen Architektur und deren Verschmelzung mit westeuropäischen architektonischen oder kulturellen Mustern, soll der Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen angeregt werden.Azra Aksamijas großflächige, interaktive Installation für den Garten der Secession – Kunstmoschee – untersucht zeitgenössische islamische Praktiken in einem künstlerischen Kontext. Kunstmoschee besteht aus mehreren modularen Gebetsteppichen, die, indem sie aneinandergefügt werden, eine ornamentale Teppichlandschaft ergeben. Während Muslime die Gebetsteppichmodule für ihr tägliches Gebetsritual verwenden können, bietet sich Nicht-Muslimen die Möglichkeit, die Teppiche als Sitz- und Liegemobiliar zum Relaxen zu gebrauchen. Kunstmoschee wird so zu einem Versammlungs- und Kommunikationsraum von unterschiedlichen Nutzern und verschiedenen kulturellen Bedürfnissen. Kunstmoschee wird begleitet von Veranstaltungen wie Vorträgen, Design-Workshops oder Filmscreenings, welche die Beziehungen zwischen der heutigen Architektur von Moscheen und der Identitätspolitik in Westeuropa untersuchen. Dadurch wird ein Augenmerk auf die lang andauernde kulturelle islamische Tradition in Europa gelegt und den vielfältigen islamischen Identitäten in Österreich ein Gesicht gegeben. Azra Aksamija hofft damit gegen die Islamophobie angehen zu können, und den Fokus der verzerrten und politisierten Repräsentation des Islam in Europa auf die universelle Schönheit der islamischen ästhetischen Kultur legen.
Azra Aksamija, geb. 1976, lebt und arbeitet in Cambridge, USA.
http://www.mit.edu/~azra/
TATZU NISHI
Aug. – Okt. 2007
Tatzu Nishi, Hotel Continental, 2000
Der japanische Künstler Tatzu Nishi arbeitet mit Architektur, Objekten und Denkmälern, die er im öffentlichen Raum vorfindet. Das kann der Figurenschmuck auf einem barocken Dachabschluss ebenso sein, wie die Lampe einer Straßenlaterne oder Betonkugeln, die dazu dienen Fußgänger- und Straßenbereiche voneinander zu trennen – alles Dinge, denen man üblicherweise nicht sehr nah kommt, oder die im Alltag wenig Beachtung finden. Tatzu Nishi baut um diese sonst unerreichbaren Objekte Räume, die von Außen wie eine Baustelle erscheinen, sich jedoch im Inneren als voll eingerichtet enthüllen. Zimmer, die man benutzen kann, um zu lesen, zu entspannen oder seine Neugierde zu befriedigen. Der ummantelte Gegenstand, z. B. die Straßenlaterne, wird im neuen Kontext zu einem dekorativen Möbelstück, der bislang öffentliche Raum als privater oder halböffentlicher Raum definiert. Mal handelt es sich um ein Wohnzimmer, dann eher um eine Lobby oder ein Wartezimmer, ein Hotelzimmer, das man mieten kann oder um ein funktionsfähiges Restaurant. Durch einen simplen Eingriff verändert sich das Vertraute, die Routine in eine ungewöhnliche Erfahrung. Der Künstler untersucht das Verhältnis von Innen und Außen, Privat und Öffentlichkeit, Skulptur und Raum, Ausstellung oder Handlungsanweisung. Für die Secession wird sich Tatzu Nishi mit dem Gebäude als Denkmal und seiner dekorativen Kuppel befassen, die von Außen golden schimmert und im Inneren wie ein grünes Blätterdach erscheint. Die Kuppel ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist und wirkt deshalb umso attraktiver und geheimnisvoller.
Tatzu Nishi, geb. 1960, lebt und arbeitet in Köln.
TUE GREENFORT
20. 09. – 18. 11. 2007
Tue Greenfort, Taillefine , 2007,
Courtesy: Johann König
Der dänische Künstler Tue Greenfort analysiert Alltagsphänomene auf humorvolle Weise, bleibt formal dabei aber streng konzeptuell. In seinen Ausstellungsprojekten stellt er häufig Fragen zu ökologischen und ökonomischen Themen wie Wasser, Ressourcen und Kapital. Er interessiert sich für das Recyclen von Materialien, wie auch für das Recyclen von Geschichten und Ideen. So hat er beispielsweise übrig gebliebene leere Flaschen nach einer Ausstellungseröffnung so beschnitten und geschliffen, dass sie als Gläser benutzt werden können. Diese wurden bei der nächsten Eröffnung unter „normale“ Gläser gemischt. Sie sind nicht nur sehr schöne Exponate und zudem nützliche Gegenstände, sondern verweisen auch auf kommunikative und assoziative Prozesse in der künstlerischen Produktion generell. Meist sind es kleine Eingriffe, mit denen Tue Greenfort auf oft übersehene Begebenheiten im öffentlichen Raum hinweist. Er beobachtet die Details des städtischen Lebens, die weniger bekannt sind oder gerade auf Grund ihrer Selbstverständlichkeit kaum auffallen. Beispielsweise verarbeitete er verschiedenfarbige Müllsäcke des vierfarbigen Recycling Systems der Deutschen Bahn zu einer fragilen Installation. Polyethylen, aus dem die Müllsäcke bestehen, verdankt die westliche Gesellschaft ihren wirtschaftlichen und technischen Fortschritt, aber eben auch eines ihrer größten Umweltprobleme. Tue Greenfort thematisiert Situationen im Raum und Alltag und offenbart durch kleine Veränderungen oder Mechanismen Einblicke in den Hintergrund der Urbanität.
Tue Greenfort, geb. 1973, lebt und arbeitet in Berlin.
PIOTR UKLAŃSKI
September 20 – November 18, 2007
Piotr Uklanski, Untitled (President du groupe Artemis, Monsieur Francois Pinault), 2003
Der polnische Künstler Piotr Uklanski bedient sich in seinen Fotoarbeiten, Collagen, Skulpturen und Installationen stereotyper Motive und Strategien aus Popkultur, Kunst und Kino, um Fragen nach kultureller Identität und Authentizität aufzuwerfen. Ukla n ski sagt man eine gewisse Unverfrorenheit nach, in der Hinsicht, wie er mit den Erwartungen des Publikums spielt, wie er die Strategien der Selbstinszenierung und -vermarktung nicht nur nutzt, sondern aus diesen Mitteln grundlegende Aspekte seiner konzeptuellen Arbeit gewinnt und darin, wie er Referenzen vereinnahmt. Er geht von Bildern aus, die an sich schon verbarucht, bankrott und hohl sind. Er recyclet Visuals, Konzepte und Klischees - von Landschaften, Sonnenuntergängen, Hollywood, großen Künstlern, Sammlern, Kuratoren - und verleiht ihnen eine neue, ebenso krasse wie verführerische Präsenz, gerade indem er die Politiken unterschiedlicher Bildwelten hinterfragt.
Piotr Uklanski lebt und arbeitet in New York und Warschau.
KORPYS / LÖFFLER
29. 11. 2007 – 3. 2. 2008
Korpys/Löffler, The Nuclear Football, 2004, Filmstill, DV, 30:00 Min
André Korpys und Markus Löffler arbeiten seit über zehn Jahren an gemeinsamen Projekten, Installationen und Videoarbeiten, welche die Bedingungen und Repräsentationsformen der heutigen Informationsgesellschaft und Politik kritisch untersuchen. Es sind heute zunehmend die Bilder der Medienwelt, die Realität konstruieren und somit ist auch Identität medial gebunden. Doch wie kann zwischen Fakten und Fiktionen noch unterschieden werden, wenn Realität über die Kanäle der Massenmedien und digitale bearbeitete Bilder vermittelt und wahrgenommen wird? Korpus/Löffler hinterfragen in ihren Arbeiten den Wahrheitsgehalt dieser Inszenierung von Wirklichkeit und setzen sich mit der gesellschaftlichen Definition von Macht auseinander, sowie mit den zum Teil subtilen Funktionsweisen von Hierarchien, Kontrolle, Ausgrenzung und Einflussnahme. So filmten sie beispielsweise einen Tag lang den einflussreichen Industriellen und Kunstliebhaber, den Präsidenten des BDI (Bund Deutscher Industrie) Hans-Olaf Henkel und kombinierten diese Aufzeichnungen mit Bildern einer verfallenen Kasernenruine in Ostdeutschland. Auch andere Arbeiten beschäftigen sich mit der medialen Darstellung von Schlüsselfiguren der Macht, wie z.B. mit dem Sterben des alten und der Inthronisierung des neuen Papstes und mit George W. Bush. Die Künstler verstehen sich als Archäologen der Gegenwart, welche die Strukturen und das Wesen der Gesellschaft untersuchen und Veränderungen aufzeichnen.
Korpys/Löffler, geb. 1966 und 1963, lebt und arbeitet in Bremen und Berlin.
VITRINE
Westpassage Ausgang Secession,
1010 Wien, Friedrichstrasse 12
FOOTNOTES
kuratiert von Hajnalka Somogyi
Nov. 2007 - Nov. 2008
Zbynek Baladrán – Eröffnung 28. November 2007
Miklós Erhardt – März 2008
Saso Sedlacek – Juli 2008
Zbynek Baladrán, GLOSSARY (Detail), 2007
STÄNDIGE PRÄSENTATION
Gustav Klimt: DER BEETHOVENFRIES
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank
- Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
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Pia Leydolt
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