Tom Burr, Moods, Secession 2007
„Moods“ – Stimmungen, eindeutige oder vage, sind von verschiedenen Faktoren abhängig, die ebenso individuell sein können, wie sie eine bestimmte Zeit oder Generation widerspiegeln. Amanda Lear beschreibt in einer Zeile ihres Songs
Alphabet “this is my alphabet for the children of my generation, ... each generation may find a different mood to their
world...”. Tom Burrs elegante Arrangements von Skulpturen und Objekten zielen auf ein romantisches Begehren und sind zugleich zerebrale Ereignisse. In der Secession zeigt Burr neue und jüngere Arbeiten, welche, nur lose aufeinander bezogen, den Raum in verschiedene Bereiche gliedern.
Tom Burr, Moods, Secession 2007
Das Zentrum bildet eine Gruppe bühnen- oder käfigartiger Objekte, die sich zwischen Skulptur, Laufsteg, Innenausstattung von Boutiquen und Set-Design bewegen. Sie erinnern an skulpturale Räume von Alberto Giacometti, Cady Noland oder auch die
Barres Paralleles von Pierre Klossowski. Die Sockel sind integraler Bestandteil dieser Skulpturen, die sich nicht auf den Ort beziehen, sondern überall aufgestellt werden könnten. Burr spielt mit der Idee eines Künstlers, der im Atelier ein autonomes Kunstwerk produziert. Auch andere Skulpturen, Paravents oder ebenso faltbare, die menschliche Figur aufgreifende, liegende Objekte erscheinen transportabel und der jeweiligen Situation anpassbar. Sie sind Konstruktionen aus Subjektivität, Display und Instabilität (von Identität, Objekten und Räumen). Die Installationen sind mit einer Reihe von Objekten ausgestattet: Kleidungsstücke, Spiegel, Stühle, Bücher u.a., ästhetischer Surrogate, um sich vergangener Stimmungen und Gefühle zu vergewissern oder das Erinnern als solches auszustellen.
Tom Burr, Moods, Secession 2007
Tom Burrs Arbeiten spielen vorangegangene Diskurse über Skulptur – von Ortsspezifität, Kontextualität bis zu Theatralität – in verschiedenen Varianten durch. So kann die Frage nach dem Autor wieder gestellt werden, ohne den Künstler als genialen Regisseur zurückgewinnen zu wollen. Sie behandelt vielmehr den unsicheren Untergrund von Identität und flüchtiger Subjektivität. Eine Reihe ausgewählter Personen werden aufgerufen, von dem Maler James Abbott McNeill Whistler, auf den die Titel
Arrangement in Black and Blue und
Arrangement in Black and Red hinweisen (in seinem Gefolge auch John Singer Sargent und Oskar Wilde) über Jean Cocteau, Truman Capote bis hin zu Jack Kerouac, dem eine Serie von Collagen gewidmet ist.
Tom Burr, Moods, Secession 2007
Des weiteren ist Cocteaus Buch
Thomas the Impostor (der Lügner) in einen von Tom Burr Mitte der 90er Jahre getragenen Anzug des österreichischen Designers Helmut Lang genestelt, um den Effekt oder die Suggestion einer autobiografischen Referenz zu erzeugen und gleichzeitig dieser Möglichkeit wieder auszuweichen. Mit Jack Pierson entwirft Burr ein Alter Ego, indem er auf die gemeinsame Ausstellung beider Künstler in der Berliner Galerie Neu 2006 hinweist, und verkompliziert diese Referenz durch die Einführung eines weiteren „Jacks“, nämlich Jack Kerouacs. Das Territorium literarischer und popkultureller Bezüge wird aufgezeichnet, jedoch auch der Zusammenbruch der so geschaffenen Figur „Jack“ unter dem Gewicht der Referenzen, die der Prüfung nicht standhalten. Die Darstellung von Jack Kerouac wird bereits in den Collagen zur Farce, zur Selbstverspottung.
Tom Burr, Moods, Secession 2007
Die Fiktionalität des Autors scheint auch in den
Vanities auf: ein Objet Trouvé, ein Schminktisch, mit verblassten Spiegeln und zwei Plexiglaskonstruktionen, die zwischen wörtlicher Interpretation dieses Möbels und völliger Abstraktion liegen. „Vanity“ – Schminktisch, heißt auch Eitelkeit und Einbildung. Die Plexi-Vanities sind eine Erinnerung an einen echten Schminktisch in einem Wiener Hotelzimmer, ein nostalgisches Zimmer, das geeignet ist, Briefe zu schreiben, vielleicht an diesem Tisch, an dem sich der einsame Schreiber im Spiegel als Fremder begegnet. Die Proustsche Atmosphäre des Zimmers, das vorher und nachher von einem Anderen benutzt wird, erinnert den Gast daran, dass seine Identität an diesem Ort eine geliehene ist, die wieder abgelegt werden kann, wie ein Anzug.
Tom Burr, Moods, Secession 2007
PUBLIKATION
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TOM BURR
64 Seiten, 30 Farbabbildungen
Texte: Tom Burr, Anke Kempkes
Secession 2007, ISBN 978-3-902592-03-3
Vertrieb: Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln
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Erhältlich im Shop |
TOM BURR, geb. 1963, lebt und arbeitet in New York.
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2006 Galerie Neu, Berlin (gemeinsam mit Jack Pierson); Extrospective, Museé Cantonal des Beaux-Arts de Lausanne, Lausanne; Relapse, Stuart Shave / Modern Art, London; 2005 Complete Breakdown, Galerie Neu, Berlin; Privy, Please, The Norfolk Library, Norfolk (Connecticut); The Complete Stories of Truman Capote, romaromaroma, Rom; 2004 Our Lady of the Flowers, Galleria Franco Noero, Turin; 2003 Die Ställe, Galerie Christian Nagel, Köln; The Screens, Institute for Visual Culture, Cambridge; 2002 Piscine, Galerie Almine Reich, Paris; Deep Purple, Whitney Museum of American Art, New York; Dog Days, Greene Naftali Gallery, New York; 2001 Brutalism, Galerie Neu, Berlin.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2006 The Eighth Square, Museum Ludwig, Köln; The Name of This Show Is Not GAY ART NOW, Paul Kasmin Gallery, New York, kuratiert von Jack Pierson; Warum etwas zeigen, was man sehen kann, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig; 2005 HaubrokShows, B Sharp, Berlin; Nolens Volens, Galerie Neu, Berlin; Residence, MICA Foundation, New York; 2004 When the lights go out…, Cohan & Leslie, New York; The Future Has a Silver Lining, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich; Whitney Biennial 2004, Whitney Museum of American Art, New York; Beginning Here: 101 Ways, Visual Arts Gallery, New York; 2003 Le Rayon Noir, Circuit-Assossiation d’Art Contemporain, Lausanne; 2002 Grey Gardens, Michael Kohn Gallery, Los Angeles; My head is on fire but my heart is full of love, Charlottenborg Udstillings-bygning, Kopenhagen; 2001 Deliberate Living, Greene Naftali Gallery, New York.
Tom Burr, Moods, Secession 2007
Ausstellungsansichten: Pez Hejduk
Die Ausstellung wird unterstützt von: Hotel Altstadt Vienna
Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession
Für weitere Informationen, Presse-
und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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