Bas Jan Ader, Fikret Atay, Johanna Billing, Pavel Braila, Lolou Chérinet, Martin Creed, Alan Currall, Omer Fast, Stano Filko, Lise Harlev, Saskia Holmkvist, Jiří Kovanda, Ján Mančuška, Fiorenza Menini, Yan Pei-Ming, Ivan Moudov, Roman Ondák, Boris Ondreička, Jiří Skála, Barbara Visser, Silvie Vondřejcová, Lawrence Weiner, Ella Ziegler
kuratiert von Vít Havránek (tranzit.cz)


I (Ich) I Performative Ontology, Ausstellungsansicht, Secession 2006
I (Ich) I Performative Ontology, Ausstellungsansicht, Secession 2006


I (Ich) I Performative Ontology ist der dritte Teil oder ‚Akt‘ einer Ausstellungsreihe, die in Bratislava (I narrow focus, Datum tranzit), Prag (I Ja, 3.5.-20.6.06, Futura Gallery) und Wien, mit einer jeweils leicht veränderten Zusammenstellung von KünstlerInnen stattfindet. Ihr Kern jedoch oder ihre thematische Sphäre bleibt bei den unterschiedlichen Inszenierungen gleich.


I (Ich) I Performative Ontology, Ausstellungsansicht, Secession 2006
I (Ich) I Performative Ontology, Ausstellungsansicht, Secession 2006


Der Begriff Ontologie wird in der Philosophie in Zusammenhang mit Konzeptualisierung definiert. "Konzeptualisierung ist eine abstrakte, vereinfachte Sicht der Welt, die wir aus verschiedenen Gründen abzubilden wünschen. (...) Eine Ontologie ist die explizite Spezifikation einer Konzeptualisierung. Der Ausdruck ist der Philosophie entlehnt, wo er eine systematische Aufzeichnung des Seins bezeichnet." (T.R.Gruber, A Translation Approach to Portable Ontology Specifications, 1993)


I (Ich) I Performative Ontology, Ausstellungsansicht, Secession 2006
I (Ich) I Performative Ontology, Ausstellungsansicht, Secession 2006


Es geht in der Ausstellung jedoch nicht um eine philosophische Begriffsbestimmung, sondern vielmehr um das, was diese Definition von Ontologie nicht erfassen kann, weil sie eine Matrix betrifft, die sich über die Zeit verändert. In dem Moment nämlich, in dem Ontologie generalisiert wird, wird sie zum theoretischen Dogma, das wir vielleicht intellektuell beurteilen können, das aber letztlich hinter unserer gelebten Erfahrung zurück bleibt. Ontologie gibt es nur im individuellen Leben, im Individuum, im "Ich" der jeweils konkreten Zeit. Ontologie interessiert uns nicht als sprachliche oder theoretische Dimension im Sein des Einzelnen, sondern als performative, zeitliche Dimension. Zudem verändert sie sich so sehr, dass dieselbe Person in unterschiedlichen Lebensphasen auf die selben Herausforderungen unterschiedlich reagiert. Deswegen sprechen wir von performativer Ontologie.


Alan Currall, Message to my best Friend, 2001, DVD, 4' 20, courtesy of the artist
Alan Currall, Message to my best Friend, 2001, DVD, 4‘ 20, courtesy of the artist


I (Ich) I Performative Ontology ist einem Theaterstück vergleichbar in drei aufeinanderfolgende Akte unterteilt: I. Darlegung (21. . – 7. 10. 2006) II. Höhepunkt (8. 10. – 25. 10) III. Lösung (26. 10. – 12. 11. 2006). Einige Exponate sind allein in einem Akt, andere in zweien und wiederum andere während der gesamten Ausstellungsdauer vertreten. Diejenigen Arbeiten, die temporär nicht zu sehen sind, werden jedoch nicht weggeräumt, sondern lediglich von einem Vorhang verdeckt oder ausgeschaltet. Die BetrachterInnen sind aufgefordert, sich die fehlenden Kunstwerke (etwa an Hand der Titel und verwendeten Medien) vorzustellen und die Ausstellung wiederholt zu besuchen.


Alan Currall, Message to my best Friend, 2001, DVD, 4' 20, courtesy of the artist
Alan Currall, Message to my best Friend, 2001, DVD, 4‘ 20, courtesy of the artist


Bei allem Bestehen auf Subjektivität wird das in der Ausstellung umkreiste „Ich“ als Konstruktion ausgewiesen, das sich in verschiedenen Kontexten immer wieder neu konstituiert. Mit den einzelnen Akten haben wir versucht, sowohl dynamisch als auch wiederholend mit der inneren Zeit jedes einzelnen Kunstwerks zu arbeiten und zeigen auf dieser Basis auch die innere Zeit der Ausstellung in ihrer Gesamtheit.



Omer Fast, CNN Concatenated, 2002, DVD NTSC, 18‘ 15, courtesy of the artist


Die in der Secession gezeigten Arbeiten setzten sich mit Zeitlichkeit, dem Verhältnis von subjektivem und allgemeinem Wissen, von Intimität und Öffentlichkeit auseinander. Einige sind Aufzeichnungen wichtiger Lebenssituationen, andere analytische Beobachtungen gesellschaftlicher Strukturen.


Jiri Kovanda, Untitled, 1977, (I' m crying. I gazed at the sun for so long that I have started to cry.)
Jiri Kovanda, Untitled, 1977, (I‘ m crying. I gazed at the sun for so long that I have started to cry.)
Author’s documentation of the action, courtesy: Kontakt. The Art Collection of Erste Bank Group



Jan Mancuska beispielsweise schreibt den einfachen Satz an die Wand: "43. Die Anzahl der Atemzüge, die ich mache, während ich diese Zahl schreibe."

Loulou Chérinet befragt in ihrer Videoperformance Personal Politics, 2003 mehrere ägyptische Frauen zu ihrem Leben und alltäglichen Problemen. Diese auf Arabisch geführten Gespräche werden von einem nicht professionellen Übersetzer, der sich in der Ausstellung aufhält, übersetzt. Bei der Übertragung bleibt es nicht aus, dass die persönliche Sichtweise und Lebenseinstellung des Übersetzers wie der BetrachterInnen mit einfließen.

Alan Currall bezeichnet sein Video Message to my best Friend, 2001 als Performance vor der Kamera. Ruhig, ja beinah unbeteiligt richtet er sein intimes Liebesbekenntnis (an einen sehr guten Freund) direkt an den/die BetrachterIn. Der Text steht in der literarischen Tradition der Bekenntnisbriefe und berührt ebenso tief wie peinlich. Offensichtlich ist die Intimität eines in Buchform publizierten Liebesbriefes ein anderes als die einer Videopräsentation.

Jiri Skalas Arbeit Volume every numbers of my family, 2002 besteht aus 4 “minimalistischen” Pappkartons. Jeder Karton hat eine andere Größe, die sich von den Volumen der Familienangehörigen des Künstlers ableitet, von seinen Eltern, seiner Schwester und ihm selbst. Vom äußeren Erscheinungsbild seiner Familie absehend, unternimmt er den fragwürdigen Versuch ihr Inneres zu porträtieren. Die Pappkartons sind leer.

Boris Ondreickas Text Collage Scheissliche Ostblocker, 1998 – 2006 könnte als poetische wie auch politische Reflektion von Arthur Rimbauds Satz “Ich ist ein anderer” gelesen werden.
Die Arbeit versammelt alle möglichen Adjektive und Namen, die seiner Person von ihm selbst oder Anderen zugeschrieben werden: ...“They call me (dog) lover – husband, father, comrade, friend or foe, .... They call me punk – theoretical anarchist, collaborant, snob, dandy, ... criminal / critic or angry singer ... They call me inhabitant, citizen and Slovak. They call me foreigner, alien, European and obviously „Scheissliche Ostblocker “... They call me „I“ – „Me“.


PUBLIKATION
Als Katalog erscheint eine von der Ausstellung unabhängige Begleitpublikation mit autobiografischen Beiträgen aller KünstlerInnen der drei Ausstellungen in Bratislava, Prag und Wien.

Katalog AUTOBIOGRAPHIES

81 Seiten, 83 SW-Abbildungen
Texte: KünstlerInnen, Redaktion: Vit Havrànek
Secession 2006, ISBN 978-3-901926-98
Vertrieb: Revolver
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Erhältlich im Shop


VIT HAVRÁNEK
Seit 2002 ist Vit Havránek Projektleiter der Initiative für moderne Kunst art tranzit /www.tranzit.org/, die von der Erste Bank Gruppe unterstützt wird. Er arbeitete als Kurator für die Municipal Galerie und die National Galerie in Prag. Er unterrichtet zeitgenössische Kunst an der Akademie der Angewandten Künste, Prag. Er kuratierte und co-kuratierte zahlreiche Ausstellungen, darunter I (Prag, 2006 und Bratislava, 2005), das Projekt The Need to Document (Basel, Lüneburg, Prag, 2005), Definitions of Everyday (Prag, Biennale 2, 2005), Lante na Magika (Paris, 2002), Jiri Kovanda (Brünn, 2004), Otto Piene (Prag, 2002), action, word, movement, space (Prag, 1999). und schreibt für verschiedene Zeitschriften über zeitgenössische Kunst (Springerin, Artist, Flash Art) u.a.



Ausstellungsansichten: Alexander Koller



Die Ausstellung wird unterstützt von: Sharp

Die Ausstellungen werden produziert mit Unterstützung von:
Erste Bank – Partner der Secession
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Wien Kultur
Die Freunde der Secession



JULIE AULT / MARTIN BECK AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2006



Für weitere Informationen, Presse- und Fotomaterial wenden Sie sich bitte an:
 
Tamara Schwarzmayr
Secession, Vereinigung Bildender KünstlerInnen Wiener Secession
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Tel: +43-1-5875307-10, Fax: +43-1-5875307-34
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